„Es ist nie zu spät, an seinen Träumen festzuhalten“: Regisseur Felix Maxim Eller über seinen Kinofilm „30 and Wild“

Regisseur Felix Maxim Eller spricht im Interview über seinen neuen Kinofilm 30 and Wild und die persönlichen Geschichten dahinter.
Theater NarreschiffSeit dem 26. März 2026 läuft der Film „30 and Wild“ in deutschen Kinos. Regisseur Felix Maxim Eller hat mit der SWP über die Entstehung des Films, persönliche Erfahrungen und die Herausforderungen eines Independent-Projekts gesprochen. Dabei wird schnell deutlich: Hinter der Komödie steckt weit mehr als nur Unterhaltung.
In diesen Kinos läuft „30 and Wild“.
Zwischen Glück und Melancholie
Schon die Grundstimmung des Films beschreibt Eller als bewusst widersprüchlich:
„Wenn ‚30 and Wild‘ ein Gefühl wäre, dann wäre es Glück und Melancholie. Der Film macht sehr glücklich, aber auch ein bisschen melancholisch.“
Diese Mischung kommt beim Publikum offenbar an. Während der aktuellen Kinotour beobachtet der Regisseur immer wieder ähnliche Reaktionen: Die Zuschauer lachen an denselben Stellen – und sind gleichzeitig überrascht von der emotionalen Tiefe.
„Viele sind extrem überrascht, wie tiefgründig der Film ist und wie nah Lachen und Tragik beieinander liegen können.“
Eine Idee aus dem echten Leben
Die ursprüngliche Idee zum Film entstand eher zufällig. Während eines Drehs kam Eller mit einem Schauspieler ins Gespräch darüber, wie sich Figuren aus einem früheren Projekt weiterentwickelt haben könnten.
„Wir haben uns gefragt: Was würden die Figuren heute machen?“
Der entscheidende kreative Impuls folgte kurz darauf:
„Was wäre, wenn bei dieser Party einer gar nicht feiern kann?“
Aus dieser einfachen Überlegung entwickelte sich schließlich die Geschichte von ‚30 and Wild‘.
Persönliche Erfahrungen als Grundlage
Inhaltlich ist der Film stark autobiografisch geprägt. Kurz vor Beginn der Arbeiten wurde Eller selbst 30 und nahm an einem Klassentreffen teil – ein Erlebnis, das ihn nachhaltig beschäftigte.
„Das war für mich ein krasser Wake-up-Call. Man merkt, wie krass man sich auseinandergelebt hat.“
Unterschiedliche Lebensentwürfe prallen dabei aufeinander: „Die einen haben Jobs, Kinder, Häuser – und andere verfolgen noch ihre Träume.“
Auch konkrete Szenen basieren auf realen Erlebnissen. „Es gibt eine lustige Szene mit Hotelschokolade – die ist wirklich genauso passiert. Das ist eine True Story.“

Die drei Hauptdarsteller Karsten Jaskiewicz, Stefan Merten und Michael Bruch stehen gemeinsam für den Kinofilm 30 and Wild vor der Kamera.
Lost TapeDreharbeiten unter Zeitdruck
Die Produktion des Films war eine große Herausforderung. Als Independent-Projekt stand nur wenig Budget zur Verfügung, die Drehzeit war auf 21 Tage begrenzt.
„Wir hatten extrem wenig Zeit und mussten sehr effizient arbeiten. Jeder am Set musste 100 Prozent konzentriert sein“, sagt Eller.
Besonders aufwendig waren Szenen mit vielen Komparsen, die präzise geplant und umgesetzt werden mussten. Trotz der intensiven Arbeit beschreibt der Regisseur die Atmosphäre am Set als außergewöhnlich positiv.
Durchhalten in der Postproduktion
Nach den Dreharbeiten begann eine lange Phase der Nachbearbeitung. Die Postproduktion dauerte rund eineinhalb Jahre – auch wegen finanzieller Engpässe.
„Wir mussten zwischendurch sogar einen Kredit aufnehmen“, berichtet Eller.
Trotz der Belastung blieb er überzeugt vom Projekt:
„Immer wenn ich ins Material geschaut habe, wusste ich, das wird sich lohnen.“
Bemerkenswert: Inhaltliche Kompromisse wollte der Regisseur nicht eingehen.
„Ich musste keinen einzigen Kompromiss machen.“
Ein Film lebt von seinem Publikum
Ein zentrales Problem bleibt jedoch die Reichweite. Trotz positiver Rückmeldungen hat es „30 and Wild“ schwer, sich im Kinomarkt zu behaupten.
„Wir sind extrem darauf angewiesen, dass Leute den Film sehen und weitererzählen“, sagt Eller.
Viele potenzielle Zuschauer hätten Vorbehalte: „Viele denken bei deutscher Komödie erstmal: schwierig – oder kennen uns einfach nicht.“
Ursprünglich waren deutlich mehr Startkinos geplant. Tatsächlich lief der Film zunächst nur in rund 20 Kinos.
Mehr als nur ein Film aus Unna
Gedreht wurde zwar in Unna, doch für Eller ist klar: Die Geschichte ist universell.
„Das hätte überall in Deutschland spielen können.“
Im Zentrum steht eine Lebensphase, die viele Menschen kennen – unabhängig von Ort oder Herkunft.
„Diese Momente, in denen man sich neu orientieren muss und ehrlich zu sich selbst ist, hat man immer wieder im Leben.“
Eine klare Botschaft
Am Ende vermittelt der Film eine einfache, aber kraftvolle Botschaft: „Es ist nie zu spät, an seinen Träumen festzuhalten.“
Gleichzeitig betont Eller die Bedeutung von Freundschaft: „Wenn man seine Freunde um sich hat, kann eigentlich nichts schiefgehen – egal wie schlimm es wird.“
Mit „30 and Wild“ ist ihm ein Film gelungen, der persönliche Erfahrungen, Humor und Ernsthaftigkeit verbindet – und der vor allem eines braucht: ein Publikum, das ihm eine Chance gibt.

