Emojis weltweit
: Wo Smiley als Misstrauen und Daumen-Hoch als Beleidigung gilt

Eine große Vielfalt an Interpretationsmöglichkeiten von Emojis kann zu Ärger führen. Von Lächel-Smiley & Co. gibt es sehr unterschiedliche Bedeutungen.
Von
Elias Hoffmann
Ulm
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Achtung bei Smiley und Daumen-Hoch. Sie sind meist nett gemeint, doch können für Ärger sorgen. Nicht überall auf der Welt bedeuten die Emojis das gleiche.

Christian Wille

Es werden immer mehr. Emojis, die bunten Smartphone-Symbole für Lebensäußerungen jeglicher Art, gibt es inzwischen in Hülle und Fülle. Über 3000 dieser Symbole sind Teil unserer digitalen Kommunikation. Sie sind so zahlreich, dass selbst Smiley-affine Menschen überfordert sind. Wann genau setze ich welches Emoji ein? Wofür genau steht es und kann es missverständlich wirken? Ob es die nonverbale Kommunikation via Social Media oder Messengerdiensten vereinfacht oder erschwert hat – man weiß es nicht.

Klar ist, dass die Emojis weltweit benutzt werden. Doch sie sind bei weitem nicht so universell, wie sie zunächst erscheinen. Die Sprachplattform Preply zeigt auf, dass die Emojis global Unterschiedliches bedeuten können.

Vorsicht vor dem Smiley-Emoji

In China gelten andere Benimmregeln. Das ist bekannt. Wer auf einer Reise durch das Reich der Mitte höflich wirken will, sollte sich vorher informieren. Auch bei der digitalen Kommunikation tritt man schnell ins Fettnäpfchen. Das Versenden des Smiley-Gesichts 🙂 erregt in China Irritationen. Es drückt ein Gefühl des Misstrauens gegenüber des Empfängers aus.

Ganz anders als in weiten Teilen der Welt. Dort verstehen die meisten Benutzerinnen und Benutzer unter dem wohl ursprünglichsten Emoji, dass man einer Person oder Sache freundlich gegenübersteht. Doch aufgepasst: Die jüngeren Generationen fassen den Smiley auch hierzulande inzwischen als passiv-aggressiv auf. Dies ergab eine YouGov-Umfrage im Auftrag der dpa.

Wo das „Daumen-Hoch“-Emoji als Beleidigung gilt

Finden eher ältere Personen in Deutschland etwas toll, kommt der „Daumen-Hoch“-Emoji 👍 zum Einsatz. Auf dem Erdball sehen das die meisten Menschen ähnlich und verwenden das Emoji im positiven Kontext. Sie signalisieren damit Zustimmung oder Gefallen.

Das gilt nicht überall. Im Iran und Irak, in Afghanistan und Nigeria steht die Handgeste für eine Beleidigung.

Lob, Sarkasmus oder Sex-Symbol?

Am Ende einer Theatervorstellung klatscht das Publikum. Es drückt dadurch Anerkennung und Lob aus, befindet die Arbeit als gut. In diesem Sinne möchten viele Deutsche das „In-Die-Hände-Klatschen“-Emoji 👏 verstanden wissen. Je nach Kontext kann es aber auch Sarkasmus symbolisieren. Dann steht es für das langsame Klatschen.

Missverständnisse sind also bereits in Deutschland vorprogrammiert. Verwendet man das Emoji in China, ist noch größere Vorsicht geboten. Hier wird das Senden des Bildsymbols im Allgemeinen als Geschlechtsakt interpretiert, wie Preply ausführt.

In Vietnam löst das „Fingers crossed“-Emoji 🤞 eine ähnliche Assoziation aus. Während der gekreuzte Zeigefinger über dem Mittelfinger meist als Mutmacher und Symbol für den guten Willen verwendet wird, steht das Emoji in Vietnam für die weiblichen Genitalien.

Wer Glück wünscht, schickt das „Kothaufen“-Emoji

Eine überraschende Verknüpfung bringt auch das „Kothaufen“-Emoji 💩. Eigentlich erscheint es als unmissverständlich. Das Icon spricht für sich. Verwendet wird es für unangenehme oder unerwartete Situationen. Auch in albernen, ironischen und skurrilen Momenten wird es gebraucht. In Japan zaubert der lächelnde Haufen den Empfängern aus einem anderen Grund ein Schmunzeln aufs Gesicht. Weil das japanische Wort für „Kacke“ „unko“ ist, wünschen sich Japanerinnen und Japaner mit dem Kothaufen-Emoji Glück. Denn die Silbe „un“ klingt genauso wie das japanische Wort für „Glück“.

„OK“-Emoji hat viele Bedeutungsebenen

Reiche Menschen sind nicht glücklicher, betonen Vermögensforscher immer wieder. Sex fördert Glück hingegen schon. Zumindest laut diversen Psychologie-Studien. Beides kann mit dem „OK“-Emoji 👌 ausgedrückt werden. So wird das Emoji in Japan für die Darstellung von Reichtum oder Münzen verwendet. In Ländern wie Deutschland, Türkei oder Griechenland steht das Zeichen hingegen für Geschlechtsverkehr. In Brasilien sollte man ebenfalls aufpassen: Dort wird das Icon mit Ärger oder Unmut verknüpft. Ansonsten wird die Geste natürlich so interpretiert, wie es wohl gedacht war: Um zu zeigen, dass man das Gelesene verstanden hat.

Ein französisches Gebäck wird politisch

Das „Croissant“-Emoji 🥐 zu verstehen, war lange Zeit problemlos möglich. Es stand für das leckere Gebäck, das auch in Deutschland häufig auf dem Frühstückbrett landet. Seit einigen Jahren assoziiert man in der Europäischen Union (EU) damit aber auch den Widerstand gegen den Brexit. Denn am Tag vor dem Brexit-Referendum sollen über sechshundert frisch gebackene Croissants von Paris zum Bahnhof Kings Cross transportiert worden sein. Dort wurden sie an Pendlerinnen und Pendler verteilt. Die Hoffnung: Unentschlossene vom Verbleib in der EU zu überzeugen.

Das „tanzende Frauen“-Emoji

Es kam anders. Das Vereinigte Königreich verließ den Staatenverbund. Für die Brexiteers ein Grund zu feiern. Das Symbol von Frauen in Trikots und Ballettschuhen dürfte oft verschickt worden sein. Schließlich weist es auf Tanzen hin, symbolisiert eine Partynacht. Doch das „tanzende Frauen“-Emoji 👯‍♀️ hat in Asien eine ganz andere Bedeutung. Es sollte nicht genutzt werden, um einen Tanzabend oder Ähnliches vorzuschlagen. Dein Gegenüber würde dir womöglich nicht antworten, zumindest eine andere Vorstellung der Abendgestaltung haben. Die beiden dargestellten Frauen stehen nämlich für Sexarbeiterinnen. Ob das an den Tierohren, die an die Playboy-Häschen erinnern, liegt?