Wien / dpa Ihre Talkshow war ein Novum und gilt bis heute als Kult: Am Montag, 8. April feiert Arabella Kiesbauer ihren 50. Geburtstag. Was macht die Talkmasterin heute?

Die Talkshows gehörten zu den 90ern wie Boybands und Bauchfrei-Tops. Arabella Kiesbauer gehörte mit der nach ihr benannten Gesprächsrunde bei ProSieben zu den Pionieren der nachmittäglichen Talkshow. Von 1994 bis 2004 diskutierte sie mit ihren Gästen in circa 3.000 Episoden über Alltagsprobleme und Tabus. Und im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen konnte sie sich als Moderatorin im Fernsehen halten. 2015 präsentierte sie den ESC in Wien, seit 2014 moderiert sie die österreichische Ausgabe von „Bauer sucht Frau“.

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Neue Prioritäten mit 50

Am Montag, 8. April wird Kiesbauer nun 50 Jahre alt - und ist froh, dass sie inzwischen ihr Arbeitspensum deutlich gesenkt hat. „Ich möchte das Leben genießen, für mich besteht das Leben nun wirklich nicht nur aus Arbeit“, sagte Kiesbauer der Deutschen Presse-Agentur. Sie sei eine große Verfechterin des Urlaubs und des Familienlebens - auch wenn das vor allem in den 90ern zur Hochzeit der Talkshows nicht so war. „Ich war zeitweise in einer unglaublichen Arbeitsspirale.“ Einmal habe sie in Österreich moderiert und auf der Bühne erzählt, „wie das hier in Deutschland so ist“. „Ich muss ehrlich sagen, ich war da teilweise schon gar nicht mehr ganz bei mir.“ Sie zog die Notbremse, räumte in ihrem Alltag auf und setzte neue Prioritäten.

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Kiesbauer: Zielscheibe von rassistischem Hass

Bis dahin war sie viele Jahre lang im deutschen Fernsehen fast omnipräsent, von 1994 bis 2004 werktags eine Größe des Nachmittags-Fernsehens. Vor allem zu Beginn wurde die Tochter einer Theaterschauspielerin aus Deutschland und eines ghanaischen Ingenieurs dabei auch zur Zielscheibe für rassistischen Hass. Zunächst erhielt sie immer wieder Drohbriefe, dann schickte ihr ein österreichischer Terrorist 1995 eine Briefbombe. Eine Sekretärin, die den Brief öffnete, wurde leicht verletzt.

„Ich bekomme immer noch rassistische Briefe - das hat nicht aufgehört und hat mich meine ganze berufliche Laufbahn begleitet“, sagte Kiesbauer mal in einem Interview. Nachdem sie die Briefbombe erhielt, habe sie begonnen, sich für Integration einzusetzen.

Politik: Einsatz für Integration

Im österreichischen Bundestagswahlkampf 2017 unterstützte sie Sebastian Kurz von der konservativen ÖVP, der inzwischen Bundeskanzler der Alpenrepublik ist. „Ich war immer schon der Meinung: Integration kann nur funktionieren, wenn von beiden Seiten was kommt. Das ist ein Geben und Nehmen“, sagte sie der dpa.

Einen Schwerpunkt in ihrer Arbeit im Fernsehen hat das Thema aber nie eingenommen.

Rückzug aus dem deutschen TV

Nach dem Ende der Talkshow-Ära wurde es in Deutschland ruhig um Kiesbauer. In Österreich präsentierte sie einige Male im öffentlich-rechtlichen ORF den Wiener Opernball, 2015 gehörte sie zum Moderationsteam beim ESC in Wien.

Für die meisten Österreicher ist Arabella Kiesbauer inzwischen in erster Linie die Chef-Verkupplerin bei der österreichischen Version von „Bauer sucht Frau“. Noch im April beginnen die Dreharbeiten für die nächste Staffel der Partnersuche auf dem Land, bei der in Österreich den Bauern seit jeher viel Wertschätzung entgegen gebracht wird. „Die Bauern haben bei uns in Österreich einen besonderen Stellenwert, sie haben auch einen Stolz und das ist auch gut so. Dem muss man Rechnung tragen, sonst wäre das Format in Österreich auch nicht so erfolgreich“, sagt Kiesbauer.

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Unerfüllter Herzenswunsch

Einen unerfüllten Herzenswunsch verrät die 50 Jährige gegenüber der Bild Zeitung: "Ein halbes Jahr mit meinem lieben Mann um die Welt reisen! Allerdings wird das wahrscheinlich erst möglich, wenn die Kinder mit der Schule fertig sind und studieren". Das Mama berühmt ist erleben die Kinder (Nika 11, Neo 8) immer wieder mit. „Sie bekommen das natürlich mit, weil mich ja doch viele Leute auf der Straße erkennen, mir teilweise um den Hals fallen", sagt Arabella.

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Talkshow-Revival ausgeschlossen

An ein Revival der Talkshow glaubt die in Wien lebende Moderatorin derweil nicht. „Das war damals einzigartig und hat wunderbar zur Zeit gepasst“, sagt Kiesbauer. „Wir waren jung, wir waren wild, wir haben damals Tabus gebrochen und uns für Minderheiten eingesetzt.“ Diskutiert wurde nicht zuletzt über stöhnende Männer, Körperbehaarung und den heimlichen Wunsch mancher Leute, die Berliner Mauer wieder aufzubauen. Die Talkshows hätten jungen Leuten ein Sprachrohr gegeben, sagt Kiesbauer. Das sei heute nicht mehr nötig - schließlich könnten sie sich nun auf verschiedenen Social-Media-Kanäle alles von der Seele reden.

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