Das Biberacher Schützenfest ist zusammen mit dem Rutenfest in Ravensburg eines der ganz großen Stadtfeste Oberschwabens, das immer vor den Sommerferien stattfindet. Dieses Jahr geht es am 17. Juli 2020 los und dauert bis zum 26. Juli 2020.

Für die Biberacher ist das Schützenfest, kurz „Schützen“ genannt, der absolute Höhepunkt des Jahres. Manche witzeln gar, dass es noch wichtiger als Weihnachten sei. Das geht so weit, dass Einheimische das Jahr in die Zeit „vor Schützen“ und „nach Schützen“ einteilen, und man sich im Juli während der Festtage allerorten „A scheene Schütza“ wünscht. Kein Wunder, immerhin wird im Juli ganze neun Tage lang ziemlich heftig gefeiert. Viele Menschen nehmen eigens Urlaub, wer ins Ausland gezogen ist reist aus aller Welt - selbst auch china - an. Und die lokale Wirtschaft muss es verkraften, dass viele Geschäfte während der Festerei schließen. Kurz: In der Schützenzeit ist die ganze Stadt im fröhlichen Ausnahmezustand.

Trommlergruppen wie die WG-Trommler sind nicht nur bei den Umzügen dabei, sie bringen auch Ständchen und ziehen abends durch die Stadt.
© Foto: Sven Kaufmann

Wenn Du mitfeiern möchtest, lohnt es sich, die Hintergründe dieses traditionsreichen Festes zu verstehen und dich schon einmal mit einigen Fakten vertraut zu machen. Denn: Wer mitreden kann, ist näher dran.

Wann und wie entstand das Schützenfest?

Schütza“, wie die Biberacher sagen, war ursprünglich ein kleines Schulfest gewesen. Seine Wurzeln sind Jahrhunderte alt und gehen auf die Zeiten des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) zurück. Als dieser blutige Krieg vorüber war - und weite Landstriche verwüstet waren, erhielt die damalige Reichsstadt Biberach eine paritätische und mithin die Parteien befriedende Verfassung. Soll heißen: Katholiken und Protestanten, sie wurden und werden in Oberschwaben gerne „Wüschtgläubige“ genannt, waren nun gleichgestellt.

In der Folge wurde „Schützen“ noch lange getrennt gefeiert. 1650 wurde es erstmals in einem Ratsprotokoll als evangelisches Fest erwähnt. Seit 1824 feiern beide Konfessionen gemeinsam. Zu dieser Zeit begann auch die Entwicklung zur heutigen Form als ein Bürgerfest für alle.

Was immer wieder zu Recht betont wird: Das Biberacher Schützenfest hat trotz der Namensgleichheit nichts zu tun mit den in West- und Norddeutschland üblichen Schützenfesten auf denen Menschen in - oft grünen - Uniformen auf Paraden marschieren.

Schützen ist auch Musik: Die Gruppe „PG-Mädelz“ vom Pestalozzi-Gymnasium beim Bunten Zug 2019.
© Foto: Sven Kaufmann

Wird da auch geschossen?

Das Fest in Biberach hat nichts mit Schießen oder den klassischen Festen der Schützenvereinen wie etwa in Hannover zu tun. Vielmehr handelt es sich um ein historisches Kinder- und Heimatfest. Der Name kommt mutmaßlich vom einstigen Standort, dem Schützenberg. Das war der untere Teil des Biberacher Gigelbergs samt Keller und Schützenhaus. Heute wird nicht nur auf dem Gigelberg, sondern in der ganzen Stadt gefeiert – außerdem gibt es in der Schützenwoche auch viele private Garten-Feten.

Was wird an Schützen geboten?

An den neun Festtagen gibt es ein festes Veranstaltungsprogramm (das neue Programm 2020 ist noch in Arbeit) mit zahlreichen Events. Dazu gehören unter anderem drei große Festzüge, die Du entweder auf einer Tribüne am Marktplatz (dafür braucht man Tickets), oder überall entlang der Festzugsroute vom Straßenrand aus ansehen kannst. Das sind die drei Umzüge:

  • Der Jahrgänger-Umzug, diesmal am Samstag, 18. 7. 2020, bei dem mehrere Hundert Jubilare der 40er, 50er, 60er bis zu den 100-Jährigen unter großem Applaus durch die Stadt ziehen. Sie werden von Musikkapellen und Trommlergruppen begleitet und vom Publikum mit Geschenken behängt.
  • Der historische Festzug, dieses Jahr am Dienstag, 29. 7. 2020 und am Sonntag, 26. 7. 2020. Mit diesem Umzug mit rund 3000 Teilnehmern, über 200 Pferden und zahlreichen Themen-Wagen, Trommelgruppen und Musikkapellen wird die Stadtgeschichte Biberachs erzählt. Der Festzug wird zweimal gezeigt: am Schützendienstag und an „Bauernschützen“, das ist der zweite Sonntag, beziehungsweise das Finale der Festwoche.
  • Der bunte Zug, diesen Sommer am Montag, 20. 7. 2020, ist der große Festumzug der Schulkinder am Schützenmontag. Hier denkt sich jede der Biberacher Schulen ein eigenes Motto aus, die Klassen ziehen dann am Vormittag von 9 Uhr an bunt verkleidet mit Musikkapellen und Trommelgruppen durch die Stadt.

Beim Bunten Zug am Schützensamstag zeigen die Schüler ihre selbst gemachten Kostüme.
© Foto: Sven Kaufmann

Außerdem kannst Du Dich auf dem Vergnügungspark auf dem Gigelberg tummeln, dort gehen auch gerne Familien, junge und alte Biberacher hin. Hier gibt es viele Fahrgeschäfte, Imbissbuden und ein riesiges Bierzelt mit Musik. Dort ist bereits am Freitag der Bieranstich - die nicht ganz offizielle Eröffnung des Schützenfestes Biberach. Für Kinder gibt es auf dem Gigelberg einen Spielplatz. Auf dem Gigelberg findet auch das „Lagerleben“ statt, dort residieren die historischen Gruppen der Umzüge mit ihren Pferden und Wagen – und zeigen „live“ und ziemlich echt, wie man vor Jahrhunderten gefeiert hat.

Wo geht man sonst hin?

Den inoffiziellen Auftakt zu Schützen bildet der traditionelle Bieranstich, er findet 2020 am Freitag, den 17. Juli, um 18 Uhr im Festzelt auf dem Gigelberg statt. Die offizielle Eröffnung des Schützenfests jedoch ist erst tags darauf, am Schützensamstag, den 18. Juli um 14 Uhr auf dem Marktplatz beim so genannten Antrommeln.

Über die ganze Festwoche hinweg gibt es viele Veranstaltungen, die größeren sind

  • der „Tanz auf dem Marktplatz“
  • das „Schwarz Veri Fest“ und
  • das Gaukler-Fest.

Jeden Abend ist eine Menge los in den großen Biergärten der Stadt, etwa im „Biberkeller“, „Pflugkeller“ oder „Schützenkeller“. Dort spielen auch regelmäßig Live-Bands.

Du kannst Dich aber auch abends einfach im Gewühl in der Stadt und auf dem Marktplatz treiben lassen. Viele Freunde trifft man in der oft knallvollen Consulentengasse, wo vor Kneipen wie dem Goldenen Rebstock (“Stecka“) oder dem Tweety immer mal wieder umherziehende Trommlergruppen für Stimmung sorgen und sich sogar kleine Spaß-Battles liefern. An Schützen gilt: Jeder kann zuschauen, zuhören, mitfeiern.

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Und was kostet das alles?

  • Vieles auf Schützen ist gratis. Zum Beispiel die Eröffnungsfeier oder das Antrommeln am Schützensamstag um 14 Uhr auf dem Marktplatz. Hier treten alle Trommler- und Fanfarengruppen zur „Abnahme“ auf.
  • Für andere Veranstaltungen wie den „Tanz auf dem Marktplatz“ am ersten Samstagabend dagegen oder für die historischen Umzüge am Dienstag (9 Uhr) und zweiten Sonntag („Bauernschützen“, 11 Uhr) brauchst Du ein Festabzeichen, aber erst ab 18 Jahren. Das Abzeichen gilt während des ganzen Festes. Es kostet 7 Euro und wird an den Zugangswegen in die Stadt verkauft. Der Vorverkauf der Festabzeichen 2020 beginnt meist schon Ende Mai und endet in der Regel am ersten Schützensamstag. Tribünenplätze am Marktplatz für die Umzüge kosten ebenfalls extra.
  • Der bunte Festzug der Schüler am Schützenmontag (9 Uhr) ist gratis, ebenso das riesige Feuerwerk am zweiten Schützenfreitag.
  • Auch der Vergnügungspark ist frei zugänglich, abgesehen von den Fahrgeschäften.
  • Veranstaltungen wie die „Heimatstunde“, das „Schützentheater“ und der „Tanz durch die Jahrhunderte“ kosten Eintritt. Tickets und Tribünenkarten gibt es bei der Stadt Biberach. Der Vorverkauf für 2020 beginnt am 9. Mai.

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