Dornstadt-Tomerdingen / Von Thomas Steibadler  Uhr
Die Bürgerinitiative „Verkehrsprojekt U4“ in Tomerdingen über Kritik am Regierungspräsidium und hofft auf Unterstützung durch den Landtagsabgeordneten Martin Rivoir.

Nein, einen Umsturz plant die Bürgerinitiative (BI) „Verkehrsprojekt U4“ nicht. Das hat der Landtagsabgeordnete Martin Rivoir (SPD) bei seinem Besuch im Dornstadter Teilort Tomerdingen gleich festgestellt. „Das sind ja keine revolutionären Forderung“, sagte Rivoir, nachdem Michael Henne, einer der Sprecher der BI, erläutert hatte, warum der Durchgangsverkehr zum massiven Problem geworden sei, und wie die Belastung verringert werden könnte.

Am 28. Mai ist die Initiative gegründet worden, mehr als 150 Bürger haben sich ihr bisher angeschlossen. Den Landtagsabgeordneten aus Ulm hatten die Tomerdinger deshalb zu einer Ortsbesichtigung eingeladen, weil Rivoir dem Verkehrsausschuss des Landtags angehört. Und weil die Ortsdurchfahrt eine Landesstraße ist, für die das Regierungspräsidium Tübingen als Verkehrsbehörde verantwortlich zeichnet.

Bis zu 600 Fahrzeuge pro Stunde

Zur Vorbereitung des Treffens und als Argumentationshilfe hatte die BI an drei Tagen den Verkehr in der Ortsdurchfahrt (Graf-Albrecht-Straße) gezählt. Am Nachmittag des 3. Juni passierten am meisten Fahrzeuge die Zählstelle auf Höhe des Rathauses: mehr als 600 pro Stunde. Am 4. und 5. Juni waren es an anderen Standorten 420 beziehungsweise 478 Fahrzeuge. Die Zahlen entsprechen nach Angaben der BI denjenigen der offiziellen Verkehrszählung. Demnach hat der Verkehr in der Ortsdurchfahrt in den vergangenen sieben Jahren um fast 22 Prozent zugenommen.

Damals, im April 2012, formulierten die Freien Wähler im Dornstadter Gemeinderat in einem Antrag Forderungen zur Verkehrsberuhigung der Ortsdurchfahrten von Scharenstetten, Temmenhausen und Tomerdingen. In Temmenhausen, das ebenfalls von der Landesstraße 1233 durchschnitten wird, seien immerhin ein stationärer „Blitzer“ installiert und Fahrradschutzstreifen angelegt worden, erfuhr Rivoir. In Tomerdingen sei nichts passiert. Verantwortlich dafür sei in erster Linie das Regierungspräsidium, sagte Gemeinderat Andreas Aigeltinger (Freie Wähler).

Die Forderungen der Bürgerinitiative „Verkehrsprojekt U4“:

  • Der Fahrbahnbelag der Ortsdurchfahrt ist durch den vielen Schwerlastverkehr – vor allem wegen der Autobahn- und der Bahn-Baustellen – in schlechtem Zustand. Schlaglöcher und lose Schachtdeckel verstärken die Lärmbelastung. Lärmmindernder Straßenbelag und neue Schachtdeckel sollen eingebaut werden.
  • In der Graf-Albrecht- und der Martinusstraße sollen Zebrastreifen angelegt werden. Zumindest in der Graf-Albrecht-Straße (L 1233) würden die Kriterien des „Leitfadens zum Anlegen und Ausstatten von Fußgängerüberwegen in Baden-Württemberg“ erfüllt. Gerade für Schulkinder sei ein Zebrastreifen wichtig.
  • Ein Tempolimit von 40 Stundenkilometern sei schnell und kostengünstig umsetzbar. Die geringere Geschwindigkeit und gleichmäßiger Verkehrsfluss führten zu geringerer Lärmbelastung. Dauerhafte Geschwindigkeitskontrollen sollen eingerichtet werden.
  • An den Ortseinfahrten im Osten und im Westen soll die Straße verschwenkt werden, um den Verkehr zu bremsen. Die Forderung richtet sich an die Gemeindeverwaltung, die für Planung und Finanzierung zuständig ist. Als erstes könnte die Verschwenkung am westlichen Ortsrand gebaut werden, denn der Grunderwerb ist der BI zufolge abgeschlossen, Geld sei im Haushalt eingestellt.

Schmale Gehwege - Kinderwagen müssen auf Straße ausweichen

Auf eine Besonderheit machte Andreas Aigeltinger den Abgeordneten aus Ulm aufmerksam: Auf Höhe des Rathauses sind die Gehwege gerade mal 70 Zentimeter breit, eine Fußgängerin mit Kinderwagen musste daher die Straße mitbenutzen. Die Fahrbahn sei dagegen sieben Meter breit, 50 Zentimeter mehr als für eine Landesstraße erforderlich. Das Regierungspräsidium stimme einem Rückbau der Straße um den halben Meter aber nicht zu, sagte Aigeltinger.

Er werde sich für die Belange der Tomerdinger einsetzen, sicherte Rivoir Ulm zu. „Ich kann aber nichts versprechen, ich bin in der Opposition.“

Umleitung führt die die Orte

„Verkehrsprojekt U4“ nennt sich die Bürgerinitiative. U4 ist die Bezeichnung der Umleitungsstrecke zwischen den Autobahnanschlussstellen Ulm-West und Merklingen, die durch Tomerdingen und durch Temmenhausen führt.

Das könnte dich auch interessieren:

Das Grundstück auf dem ehemaligen Moco-Areal an der Blaubeurer Straße in Ulm muss für geschätzte 24 Millionen Euro saniert werden. Der Boden dort ist verseucht.

Die Polizei hat eine Jugendliche in Ulm zweimal festgenommen, nachdem sie am Pfingst-Wochenende einen Container in Brand gesteckt hatte und randalierend durch die Innenstadt gezogen war.