Nach zwei Stunden des Ausharrens auf ihrem Rollator hatte Frieda Weinberger (88) genug: Sie schnappte sich ihren Gehstock und ging nach vorn zum Tisch, an dem der Ulmer Baubürgermeister Tim von Winning und SPD-Stadtrat Martin Ansbacher saßen. Weinbergers dringender Wunsch: Mehr Busse sollen den Haslacher Weg anfahren, wo sie wohnt.

Die Ulmer SPD  hatte am Mittwochabend zum Bürgergespräch „Baustelle Ulm“ nach Böfingen geladen. Gekommen waren gut 60 Stadtteilbewohner, die sich im Bürgertreff drängten. So wie Frieda Weinberger. „Der 14er-Bus ist mal gefahren, jetzt nicht mehr.“ Bis zur nächstgelegenen Straßenbahnhaltestelle an der Böfinger Steige schaffe sie es wegen gesundheitlicher Probleme – „das Herz will nicht mehr so“ –  nur mit langen Pausen. Wenn wenigstens einmal pro Stunde ein Bus fahren würde, wäre sie schon zufrieden. „Wir nehmen Ihr Anliegen mit“, beschied ihr Ansbacher. „Das würde ich mir wünschen“, sagte die alte Frau. Denn so wie ihr ergehe es vielen älteren Menschen in Böfingen, die nicht mehr leicht in die Stadt kämen.

Was beschäftigt die Böfinger?

Ansbacher wollte „hören, was los ist im Stadtteil“, wie er sagte. Bewohner beschäftigt außer der weggefallen Buslinie zugunsten der Linie 1 etwa das 365-Euro-Ticket im Jahr für den öffentlichen Nahverkehr oder günstiger Wohnraum für Studenten. Die meisten jedoch gaben ihren Bedenken zu städtebaulichen Veränderungen jenseits des Stadtteils Ausdruck – schließlich war ja der Baubürgermeister vor Ort. Der stadtbekannte Ulmer Fritz Glauninger legte los: „Die Sedelhöfe sind architektonisch langweilig.“ Ähnlich einfallslos sei das Wengentor. Wie in Serienproduktion würden in Ulm Gebäude hochgezogen. Von Winning entgegnete: „Die Architekturzeitschrift ist nicht unser Ziel.“ Auf die Sedelhöfe ließ er nichts kommen. Seiner Ansicht nach  handelt es sich um ein „außergewöhnliches Projekt“, das sich allein schon deshalb von ähnlichen Bauvorhaben in anderen Städten unterscheide, „weil es nicht wie ein gelandetes Ufo aussieht“.

Verlegung der Wielandstraße: Mehr Lärm?

Ute Krull-Savage, Bewohnerin der „Wohnburg“ Eberhardtstraße fragte, ob die Verlegung der Wielandstraße an die Eisenbahnstrecke bereits beschlossen sei. Die Straße verlaufe direkt vor ihrem Haus, sie befürchte mehr Lärm. „Das ist schließlich die Zufahrt nach Ulm von Böfingen und Elchingen.“ Der Bürgermeister versicherte ihr: Falls die Straße hinter den Parkplatz verlegt werde, „wird sich die Lärmbelastung im nicht wahrnehmbaren Bereich verändern.“ Krull-Savage: „Das glaube ich nicht.“ Von Seiten des Gemeinderats sei zu einem möglichen neuen Wohngebiet überdies noch keine Entscheidung gefallen, so von Winning.

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