Wochenlang ohne Lohn Zoll kontrolliert Arbeiter auf Ulmer Sedelhöfe-Baustelle

Ulm / Chirin Kolb 10.10.2018
Mitarbeiter des Zolls haben am Mittwoch auf der Sedelhöfe-Baustelle in Ulm Arbeiter kontrolliert. Die rund 40 Männer hatten wochenlang keinen Lohn erhalten.

Sie wissen nicht, wie es weitergeht: Rund 40 Bauarbeiter, die meisten aus Rumänien, standen am Mittwoch neben der Baustelle der Sedelhöfeohne Job, ohne Lohn, ohne Unterkunft. Sie hatten am Montag die Arbeit niedergelegt, weil sie laut eigenen Angaben seit sechs Wochen kein Geld mehr erhalten haben. Seit Mittwoch sind sie ihren Job endgültig los. Der Hauptunternehmer Koha aus Berlin hat ihrem Arbeitgeber, dem Subunternehmer Cardoso, gekündigt.

„Es gab Terminverzögerungen und Qualitätsprobleme“, sagt Volker Hein, der als Projektsteuerer  von Koha für die Sedelhöfe-Baustelle verantwortlich ist. Deshalb habe Koha den Vertrag mit dem Nachunternehmen Cardoso, ebenfalls aus Berlin, am Dienstag gekündigt. Die Mitarbeiter der Baufirma berichten, ihr Capo habe ihnen am Mittwochmorgen verkündet, dass Cardoso den Auftrag los sei. Anschließend sei er verschwunden und sei nicht mehr erreichbar. Auch in der Firmenzentrale in Berlin ging am Mittwoch niemand ans Telefon.

Hilfe erhoffen sich die Bauarbeiter vom Zoll. Mitarbeiter des Hauptzollamts Ulm waren am Mittwochnachmittag an der Baustelle, nahmen die Personalien der aufgebrachten und ratlosen Männer auf und ließen sich, soweit möglich, Lohnzettel zeigen. „Wir klären, ob bei den Beschäftigungsverhältnissen die deutschen Vorschriften wie Mindestlohn und Sozialversicherungspflicht eingehalten wurden“, sagte Sprecher Hagen Kohlmann. Die Prüfung umfasse auch die Berliner Firmenzentrale und werde einige Zeit in Anspruch nehmen.

„Das Geld kam unregelmäßig“

Er habe zwölf Euro pro Stunde verdient, mehr als den Mindestlohn, sagt einer der Bauarbeiter in gebrochenem Deutsch. Allerdings: „Das Geld kam unregelmäßig.“ Seit sechs Wochen hätten er und seine Kollegen keinen Lohn mehr erhalten. 3200 Euro stehen bei ihm aus, sagt der 42-jährige Rumäne. Der Bautrupp war in Wohnungen untergebracht, die offenbar Cardoso angemietet hatte. Dort sollen die Männer unverzüglich raus. „Der Vermieter hat gesagt: Morgen müssen wir draußen sein.“ Der Wohnungseigentümer habe seit zwei Monaten kein Geld mehr erhalten.

Seit Mai haben die Männer auf der Sedelhöfe-Baustelle gearbeitet. An die Firma Cardoso waren die Schal- und Betonarbeiten für das künftige Wohn- und Geschäftsquartier vergeben, das Auftragsvolumen lag laut Volker Hein von Koha bei rund 3,8 Millionen Euro. Bezahlt wurde nicht am Ende des Projekts, sondern etwa alle zwei Wochen. „Wir haben alle Forderungen von Cardoso ungekürzt bezahlt.“

Baustellenbetrieb geht am Donnerstag weiter

Und das, obwohl Koha mit den Leistungen nicht zufrieden gewesen sei. Hein spricht von Zeitverzug und Mängeln. Trotz mehrerer Gespräche habe Cardoso das nicht abstellen können. Koha habe daraufhin vor sechs Wochen eine zweite Firma für die Schal- und Betonarbeiten dazu geholt. Sie übernehme nun das Ganze.

Mit dem Sedelhöfe-Bauherrn DC Developments sei ein beschleunigter Bauablauf vereinbart, um die Termine einzuhalten und die Fertigstellung nicht zu gefährden. Der Verzug sei gut aufzuholen, sagt Hein. „Wir stehen relativ am Anfang der Bauarbeiten.“ Die Baustelle laufe ab Donnerstag wieder normal weiter. Derzeit entsteht in der 18 Meter tiefen Baugrube die Tiefgarage. Gesamtfertigstellung: im Frühjahr 2020.

Koha hilft auch den Bauarbeitern, die jetzt mit leeren Händen dastehen. Das Unternehmen bezahlt freiwillig und aus eigener Tasche einen Abschlag auf den ausstehenden Lohn. Der 42-jährige Rumäne hat es schwarz auf weiß: Koha sagt ihm 1700 Euro zu. Das Geld sollte am Mittwoch noch ausgezahlt werden. Dann könnten die Bauarbeiter die Heimreise antreten. Ohne Job und ohne ihren restlichen Lohn.

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