Pro Jahr landet ein Drittel der produzierten Backwaren im Müll - das sind fast zwei Tonnen Brot und Brötchen im Jahr. Am meisten weggeworfen wird Obst und Gemüse. Dieses macht laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung über 35 Prozent des Lebensmittelabfalls aus. Dabei geht es ausdrücklich um frisches Gemüse, also nicht um unvermeidbaren Müll wie Schalen oder Kerne.

Die Gründe für Lebensmittelverschwendung sind verschieden. Zu viel gekocht, zu viel eingekauft oder einfach im Kühlschrank nach hinten gerutscht und in Vergessenheit geraten. Außerdem sind die Ansprüche der Gesellschaft an die Produkte oft hoch. Form, Farbe und Konsistenz der Produkte sollen möglichst perfekt sein. Was Macken aufweist, landet gerne mal im Müll.

Die meisten Lebensmittel aber kann man durch gute Planung, entsprechende Lagerung oder schlicht Resteverwertung retten. Dafür gibt es sogar Smartphone-Apps. Auch die Stadt Ulm hat verschiedene Angebote zur Müllvermeidung.

Tipps gegen Lebensmittelverschwendung.
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Tipps und Tricks gegen Lebensmittelverschwendung

  • Planung und Einkauf

Es kann hilfreich sein, seinen Wocheneinkauf vorher zu planen. Wer ohne Einkaufszettel losgeht, kauft bekanntlich zu viel und vergisst das Wichtigste. Also, vor dem Einkaufen überlegen, was die Woche gekocht und gegessen werden soll, dann die Zutaten entsprechend einkaufen. Wenn es zur nächsten Einkaufsmöglichkeit nicht weit ist, ist es um Müll zu vermeiden ratsam, frische Zutaten erst dann zu kaufen, wenn sie benötigt werden. Haltbares kann aber auch im Voraus gekauft werden - ein Vorteil, um Sonderangebote zu nutzen.

Schon beim Einkauf ist es außerdem gut zu wissen, wie lange sich bestimmte Lebensmittel halten. Auch ungeachtet des wenig aussagekräftigen Mindesthaltbarkeitsdatums. Dunkles Brot beispielsweise bleibt acht bis 12 Tage frisch, oder zumindest genießbar. Zur Not schmecken Backwaren auch getoastet oder mit Wasser bepinselt und im Backofen erwärmt. Helles Brot hingegen hält sich nur wenige Tage. Einfrieren könnte hier die Lösung sein. Backwaren halten im Gefrierschrank ein bis drei Monate.

  • Lagerung und Verwertung

Um Backwaren auch außerhalb der Tiefkühltruhe möglichst lang frisch zu halten, eignen sich zur Lagerung am besten Tonbehälter oder belüftete Plastikboxen. Wird das Brot irgendwann trocken, kann man es zu Semmelbröseln oder auch direkt zu Semmelknödeln verarbeiten. Zur Lagerung von Backwaren ungeeignet sind luftdichte Tüten.

Das gilt übrigens auch für Käse. Während ein Parmesan luftdicht verpackt schnell zu schimmeln beginnt, hält er sich in Küchenpapier eingewickelt wochenlang im Kühlschrank.

Im Allgemeinen bietet es sich bei Milchprodukten immer an, die Lebensmittel genau anzusehen und daran zu riechen. Oft ist es nicht zu übersehen, wenn diese schlecht geworden sind und auch der Geruch wird sofort stechend.

Generell gilt: Wenn etwas übrig bleibt, ganz egal ob Gemüse, Fleisch oder Milchprodukte, bieten sich „Resterezepte“ an. Besonders einfach ist es, frisches Gemüse, Fleisch oder Fisch mit etwas Öl im Backofen in ein buntes, leckeres Ofenblechgericht zu verwandeln. Wer es spezieller mag, kann die verschiedensten Resterezepte probieren. Wenn vom fertigen Essen dann noch etwas übrig bleibt, lassen sich die meisten Reste gut einfrieren und wieder aufwärmen, wenn es mal schnell gehen muss. Gut geeignet ist diese Methode natürlich auch, wenn á la „Meal-Prep“-Trend eine günstige Mahlzeit für die Mittagspause benötigt wird.

Mehr Infos zur richtigen Lagerung findet ihr beim Bundeszentrum für Ernährung.

  • Apps und Webites

Zur Resteverwertung gibt es auch Apps und Websites, bei denen man seine übriggebliebenen Zutaten einträgt. Die Anwendung generiert dann ein entsprechendes Rezept daraus. Hier geht’s zum „Restegourmet“.

Gegen Lebensmittelverschwendung im größeren Stil, kann die App „Too Good To Go“ helfen. In der Anwendung findet der Nutzer einige Einzelhändler, Bäcker, Imbissbuden und Restaurants, die ihr übriggebliebenes Essen abends nach Ladenschluss für weniger Geld verkaufen. Das Angebot reicht von Backwaren über Salate bis hin zu Döner-Boxen und Pizza. Der User registriert sich, sucht sich ein Angebot aus, reserviert dieses und holt es zur angegebenen Uhrzeit mit Vorzeigen der Bestätigung ab.

Zero Waste ist in, es gibt viele Tipps und Informationen, wie man etwas gegen die Verschwendung von Lebensmitteln tun kann.
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  • Angebote in Ulm und Neu-Ulm

Ob große Party zur Resteverwertung, Verschenken an die Tafel oder Tauschen unter Freunden - Foodsharing trendet. In Ulm gibt es seit einiger Zeit sogenannte „Fairteiler“. Das sind Kühlschränke, die in öffentlichen Gebäuden aufgestellt werden. Hier können Leute Lebensmittel hineinlegen, die nicht mehr benötigt werden und dies zusätzlich auf der Webseite posten, damit sich das Essen jemand abholen kann.

Liste der Fairteiler in Ulm:

  • Yoga Schule AYI. Frauenstrasse 124, Ulm.
  • Verschwörhaus, Weinhof 7 bis 10, Zugang über Caritas, Ulm.
  • Haus der Begegnung, Grüner Hof 7, Ulm.
  • Universität Ulm, James-Franck-Ring 9, Ulm.
  • Stadtteilbüro Vorfeld, Steubenstraße 34, Neu-Ulm.

Tipps von Stuttgarter Bloggern

Ye Olde Kitchen ist ein Food-Blog, der sich stark mit dem Thema Lebensmittelverschwendung und Zero Waste auseinandersetzt. Nachhaltigkeit definieren die Betreiber Eva (33) und Philipp (34) mit der Rückkehr „zu den alten Methoden, eben wie bei Omma“. Also einkochen, aufbewahren, nicht gleich alles wegwerfen.

Die Blogger aus Fellbach geben weitere Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelmüll heraus:

  • Wertschätzung
    Wir sollten die Facetten hinter dem Produkt, also Bauern, Bäcker, Metzger, aber auch Tiere und Pflanzen mitdenken und wertschätzen. Wer schon einmal selbst Obst und Gemüse angebaut hat weiß, wie viel Aufwand und Liebe das erfordert.
  • FCK MHD
    Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Wegwerfdatum! Es bedeutet nur, dass Geschmack, Geruch, Farbe und Konsistenz nicht mehr zu 100 Prozent gewährleistet werden kann. Also ausprobieren: Anschauen, Riechen und Schmecken.
  • Obst und Gemüse müssen nicht genormt sein
    Nehmt euch doch auch mal eine Banane mit braunen Flecken mit - die sind besonders süß und eigenen sich hervorragend zum Süßen beim Backen. Auch zweibeinige Karotten oder krumme Gurken schmecken einwandfrei. Also ab damit in den Einkaufswagen.
  • Ältere Produkte nach Vorn
    Um keine offenen Verpackungen oder ablaufenden Produkte zu vergessen, diese am besten vorne und gut sichtbar lagern.
  • Lebensmittelretter werden
    Es gibt viele Möglichkeiten, aktiv zu werden. Sowohl durch ehrenamtliche Jobs als auch einfach beim Einkaufen, indem zweite Wahl oder aussortierte Produkte gekauft werden. Ware, die kurz vor dem Ablaufdatum steht, kann oft vergünstigt gekauft werden. Auch Abokisten wie „Etepetete“, „Sirplus“ oder „Rübenretter“ bieten gerettete Lebensmittel an.

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