Betrug Wie zwei Ulmer auf Kreta abgezockt wurden

Ulm / Christoph Mayer 17.08.2018
Zwei Rentner kaufen im Urlaub teuren Schmuck. Er ist nur die Hälfte wert. War der Reiseveranstalter ins Geschäft involviert?

Kornblumenblau schimmern das 24-gliedrige Tansanit-Armband und der Tansanit-Ring in ihren Schatullen.  Aber wenn Christel Huber und ihr Mann Hans (Namen geändert) in ihrem Wohnzimmer die Schmuckstücke betrachten, ist ihnen blümerant zumute. „Anziehen mag ich das nicht“, sagt die Ulmer Rentnerin, „sonst ärger’ ich mich schwarz“. Dass sie und ihr Mann nicht unschuldig sind an der ganzen Malaise, das wissen die beiden. „Irgendwie war’n wir schön blöd“, sagt sie. Er nickt. Nachher ist man immer schlauer.

Die achttägige Kulturreise, die das Paar im März auf die griechische Insel Kreta geführt hatte, war ein Schnäppchen, das man sich nicht entgehen lassen konnte. Der Trip  in die „Heimat der Götter“, wie der Münchener Veranstalter RSD  die Reise beworben hatte, kostete pro Person nur 480 Euro. Dafür war allerhand geboten: Flug, Unterbringung in Fünf-Sterne-Hotels, Halbpension, Führungen mit kundigen Archäologen und Historikern. An der Reise gab es kein Jota zu kritteln, sagt Hans Huber rückblickend. „Alles war super.“

Persönliches Souvenir

Auch der mit einem Tagesausflug verbundene Besuch in einem Schmuckladen war sauber im Programmheft angekündigt. „Die große Handwerkstradition Kretas führt uns in ein Atelier. Sie haben die Chance, ein persönliches Souvenir auszuwählen.“

 Die wärmende kretische Frühlingssonne und das nicht minder wärmende Gefühl, mit der Reise einen Volltreffer gelandet zu haben, ließen bei Hubers nicht den Hauch eines bösen Verdachts aufkommen, als es am vorletzten Tag per Bus ins antike Knossos ging. Der ihnen inzwischen vertraut gewordene Reiseleiter warb für eine „seriöse Schmuckfirma“, deren Geschäftsführerin er gut kenne und bei der man gleich einen Stopp einlegen werde. „Wir waren allein durch diese Beschreibung beruhigt“, erinnert sich der Rentner.

Das galt auch noch, als die Hubers von der der deutschen Sprache mächtigen Geschäftsführerin des Juwelierladens in Empfang genommen und stante pede in ein separates Zimmer geführt wurden. Warum das Entgegenkommen ihnen und sonst offenbar niemandem aus der knapp 40-köpfigen Reisegruppe widerfuhr, darüber kann der alte Herr nur spekulieren. „Wahrscheinlich hat man uns angesehen, dass wir von Schmuck keine Ahnung haben.“

Deal mit 22.000 Euro

Schnell wurde es geschäftlich. Man habe da seltene Tansanit-Schmuckstücke, habe die Geschäftsführerin gesagt. Eine Wertanlage für die Ewigkeit, Preis: 80 000 Euro. Beim Zeus! So viel Geld wollten und konnten die Hubers nicht ausgeben. Aber Eindruck machten  die Sachen schon. Und so handelte Herr Huber drauflos wie im Bazar. Die Geschäftsführerin rief einen „Manager“ hinzu, der einen üppigen Nachlass gewährte. Dann einen zweiten, der nochmals saftig mit dem Preis runter ging. Schließlich der Deal: 22 000 Euro für Kette, Ring und ein Gold-Collier. „Sie argumentierten überzeugend, es war heiß, draußen wartete der volle Bus, durch den wir uns zeitlich unter Druck gesetzt fühlten“, erinnert sich Huber, der damals glaubte, das Geschäft seines Lebens gemacht zu haben. Seine Frau weniger: „Ich hatte ein schales Gefühl.“

Gezahlt haben die Hubers mit ihren beiden Kreditkarten, die sie bis zum Limit ausreizten: zwei mal 5000 Euro als Anzahlung, der Rest sollte später von Deutschland aus überwiesen werden. Nach Überweisung des kompletten Betrags, so hieß es, werde ihnen der Schmuck zugesandt. Mitsamt mehrseitigem Kaufvertrag, den beide Seiten unterzeichnet hatten.

In der Tat wurden die guten Stücke Ende April an die Heimadresse der Hubers zugestellt, doch der Kaufvertrag fehlte. Die mittlerweile argwöhnisch gewordenen Eheleute ließen den Schmuck von einer beeideten Sachverständigen untersuchen. Die Tübinger Diplom-Mineralogin Elke Eisler kommt in ihrer Expertise zum Schluss, dass die blauen Steine überteuert verkauft wurden. Der Ring sei nicht 10 000, sondern lediglich 3500 Euro wert, das Armband nicht 8000, sondern 7000 Euro. Dem Gold-Collier, das für 4000 Euro über die Ladentheke ging, bemisst sie einen Wert von etwa 1200 Euro zu.

Reiseveranstalter in Mitschuld?

Als im Juni dann auch der Kaufvertrag eintrudelte, lasen die Hubers zwar von ihrem verbrieften Widerrufsrecht. Es galt jedoch lediglich bis 14 Tage nach Vertragsabschluss – und diese Frist war längst verstrichen. „Da können sie leider gar nichts machen“, befand der Rechtsanwalt, den die Hubers zu Rate gezogen hatten.

Mehr als 10 000 Euro in den Sand gesetzt zu haben, damit müssen sich die beiden Rentner abfinden. Ruhe geben wollen sie aber nicht. Der Reiseveranstalter RSD habe eine Mitschuld, findet Hans Huber. Nicht nur, weil der in Diensten des Unternehmens stehende Reiseleiter für den Juwelier geworben, ja sich geradezu für ihn verbürgt habe. Sondern auch, weil er wohl eine Provision kassiert habe. Beweisen können die Hubers das nicht. Allerdings ist am Seitenkopf des handschriftlich ausgefüllten Kaufvertrags der Name des Reiseleiters vermerkt worden – aus welchem Grund auch immer.

RSD stellt den Sachverhalt erwartungsgemäß anders dar. Der Kauf von Waren liege allein im Ermessen der Kunden, teilt PR-Managerin Catrin Haas auf Anfrage mit. „Wir haben weder auf einen etwaigen Kauf, noch auf die Einkaufsbedingungen Einfluss. Verträge kommen nur direkt zwischen dem Kunden und dem Geschäft zustande.“ Überdies erfahre RSD gar nicht, „ob und in welchem Umfang Einkäufe getätigt worden sind“.

 Selbstverständlich unterstütze man Kunden aber bei etwaigen Reklamationen, so Haas weiter. „Dazu benötigen wir alle Kaufunterlagen, die wir dann gerne unverbindlich an unsere lokale Agentur vor Ort weiterleiten. Die Agentur wird die Manufaktur bitten, sich mit den Kunden  in Verbindung zu setzen.“

Die Reiseleiter seien freiberuflich und auch für andere Studienreiseveranstalter tägig. Sie erhielten fest vereinbarte Honorarsätze, so die PR-Managerin. „Im Agenturvertrag ist sichergestellt, dass sie ausschließlich im Interesse unserer Kunden agieren.“

Die Hubers können diese Einschätzung nicht teilen. „Reisen wie diese sind die neuen Kaffeefahrten“, glaubt Christel Huber und spricht von einer Art Querfinanzierung. „Nur so kann das Unternehmen die Fahrten so billig anbieten.“

Das könnte dich auch interessieren

Was beim Edelstein-Kauf zu beachten ist

Tansanit Beim Kauf eines Tansanits muss man gemäß dem Internationalen Bewertungssystem für Tansanite auf Farbe, Klarheit, Schnitt und Gewicht des Edelsteins achten. Je höher die Kombination dieser Eigenschaften, desto wertvoller ist das Juwel. Bei der Farbe gilt: je dunkler das Blau, desto höher der Wert.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel