Mehrere Monate lang wurde geplant und diskutiert. Dann, Anfang Oktober, die vorläufige Entscheidung: Der Ulmer Weihnachtsmarkt findet trotz Corona-Pandemie statt – allerdings nicht auf dem Münsterplatz, sondern dezentral auf sieben Plätzen und Straßen in der City mit weniger Ständen.

Weihnachtsmarkt Ulm 2020: So hat OB Gunter Czisch entschieden

Doch weil die Fallzahlen in den vergangenen Tagen rapide in die Höhe geschossen sind, schwenken die Verantwortlichen jetzt um. Die endgültige Entscheidung: Der Ulmer Weihnachtsmarkt 2020 fällt auch in der geplanten abgespeckten Form aus. Das gab die Stadt in einer Pressemitteilung bekannt.
„Die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger, der Beschicker und auch aller Beteiligten geht vor“, sagten Ulms OB Gunter Czisch und Neu-Ulms OB Katrin Albsteiger. Auch der Markt auf der bayerischen Donauseite findet dieses Jahr nicht statt.
Das dynamische Corona-Geschehen, die immer weiter steigende Zahl der Neuinfektionen und die damit verbundenen Beschränkungen im öffentlichen Raum machten die Absage des Ulmer Marktes auf dem Münsterplatz und des Mittelalterlichen Marktes auf dem Neu-Ulmer Rathausplatz aus Sicht der Städte unumgänglich, heißt es.

Weihnachtsmärkte in Reutlingen und Heilbronn ebenfalls abgesagt

Die beiden Donaustädte reihen sich damit ein in eine lange Liste von Städten, in denen 2020 keine Märkte stattfinden werden. Fast alle größeren Städte in Baden-Württemberg, darunter auch:
  • Reutlingen,
  • Heilbronn,
  • Esslingen
  • und Heidelberg,
sowie auch zahlreiche Städte im Freistaat Bayern haben ihre traditionellen Weihnachtsmärkte inzwischen für dieses Jahr abgesagt.
Erstmals seit Jahrzehnten wird es Ulm in diesem Jahr somit keinen Weihnachtsmarkt geben. Diese Entscheidung hat Czisch, Aufsichtsratsvorsitzender der Ulm Messe, die den Weihnachtsmarkt alljährlich organisiert, nach intensiven Beratungen mit Fachleuten getroffen. „Wir müssen den Ulmer Weihnachtsmarkt für dieses Jahr leider schweren Herzens absagen. Wir hätten ihn trotz Coronavirus gerne möglich gemacht – für die vielen Besucherinnen und Besucher, die den Weihnachtsmarkt lieben, für die Schausteller und Budenbetreiber, die dringend auf Einnahmen angewiesen sind, sowie auch für den Ulmer Einzelhandel, die Hotellerie und Gastronomie“, sagte Czisch.

Organisator Jürgen Eilts: „Haben gar keine andere Wahl“

Angesichts der Zahl an Covid-19-Neuinfektionen in Stadt- und Landkreis und der landesweit seit dem Wochenende geltenden Beschränkungen im öffentlichen Raum musste dieser Plan aufgegeben werden. Jürgen Eilts von der Ulm Messe: „Wir haben gar keine andere Wahl, als den Weihnachtsmarkt 2020 abzusagen. Wir wissen, dass dies insbesondere unsere Schausteller, von denen viele seit Jahren oder gar Jahrzehnten beim Ulmer Weihnachtsmarkt mit dabei sind, hart trifft. Das lässt uns nicht kalt, zumal wir auch wissen, dass die hohe Qualität unseres Marktes mit der Qualität der Beschicker zusammenhängt.“
Auch in der Stadt Neu-Ulm hatte man bis zuletzt nach Möglichkeiten gesucht, den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz stattfinden zu lassen. Auch hier war die Strategie, Stände und Anbieter räumlich weiter auseinander zu ziehen, damit Abstände besser eingehalten werden und Besucherströme entzerrt werden können. Zudem gab es auch Überlegungen, einen zweiten Markt auf dem Gelände des ehemaligen Barfüßers umzusetzen.

Neu-Ulms OB Katrin Albsteiger: „Zweite Welle ist da.“

„Unser Anliegen war es, trotz Corona Weihnachtsstimmung in unserer Stadt aufkommen zu lassen. Ideen für mögliche alternative Umsetzungen waren da – wir haben schon frühzeitig angefangen, uns Konzepte zu überlegen. Aber ehrlicherweise ist es leider so, dass das Coronavirus nicht vor Weihnachtsmarktständen Halt macht. Die zweite Welle ist da. Auch in unserer Region. Nun liegt es an uns allen, unser Möglichstes dafür zu tun, die Welle zu brechen. In einer solchen Situation sollten Menschenansammlung vermieden werden. Die Absage ist alternativlos – auch wenn es unheimlich schmerzt“, so Oberbürgermeisterin Albsteiger.
Der Mittelalterliche Weihnachtsmarkt findet seit dem Jahr 2014 auf dem Rathausplatz statt. Aufgrund seiner Beliebtheit, wurde das Marktgeschehen vor zwei Jahren bereits zusätzlich auf den Johannesplatz ausgeweitet.

Städte Ulm suchen nach Alternativen für Aussteller

OB Czisch kündigte an: „Wir schauen aktuell, ob wir den Schaustellern in der Vorweihnachtszeit alternativ einzelne Standorte in der Innenstadt als Standfläche anbieten können. Oberstes Ziel ist natürlich, dass keine zu großen Gruppen entstehen und wir dem Infektionsgeschehen sowie den Regelungen der Landes- und Bundesregierung entsprechend handeln.“ Wenn es schon keinen Weihnachtsmarkt geben könne, so der OB, solle doch auf diese Art zumindest in den Straßen, Gassen und auf den Plätzen der Ulmer Innenstadt weihnachtliche Stimmung entstehen.
Die Stadt Neu-Ulm sucht derzeit ebenfalls nach Möglichkeiten, auch ohne Weihnachtsmarkt weihnachtliches Flair in die Stadt zu bringen. „Die Kulturabteilung arbeitet mit Hochdruck an einem Konzept. Für Details ist es aktuell noch zu früh. Wir hoffen aber, bald Genaueres hierzu mitteilen zu können“.