Ulm: Straßenbahn entgleist Weichenstellung als Ursache des Unfalls der Linie 1

Ursache für den Unfall mit der entgleisten Straßenbahn der Linie 1 in Ulm.
Ursache für den Unfall mit der entgleisten Straßenbahn der Linie 1 in Ulm. © Foto: Matthias Kessler
Ulm/Laupheim / Carolin Stüwe/Christian Wille 05.02.2019
Nach dem eine Straßenbahn der Linie 1 am Samstag in Ulm entgleist ist, gibt es am Montag erste Äußerungen zur Ursache: Sie lag „im Bereich der Weichenstellung“.

Noch sind die Gutachter nicht fertig. Sie müssen klären, warum die Weichenstellung am Gleisdreieck Wagner-/Beyerstraße am Samstag schief lief und die Linie 1 nicht wie sonst üblich geradeaus fuhr, sondern nach rechts komplett entgleiste und gegen eine Mauer prallte. Allerdings: An dieser Weiche biegt täglich zumindest zu Betriebsbeginn um 4 Uhr der erste Wagen der Linie 2 ab, wenn er vom Betriebshof in der Weststadt gestartet ist, um seine Route zum Kuhberg zu beginnen. Oder wenn Nachschub aus dem Depot auf diese Linie geschickt wird, erklärt Bernd Jünke, der Pressesprecher der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) Verkehr.

Ursache für den Unfall

Dass der Grund für den Unfall „im Bereich der Weichenstellung“ liegt, bestätigte zumindest die zuständige Verkehrspolizei Laupheim, die das Unglück aufgenommen hatte. Der 31 Meter lange Wagen war am Samstag kurz nach 10 Uhr „nach rechts aus der Weiche herausgesprungen, wo er hätte geradeaus fahren müssen“, sagt Peter Groll, der Leiter des Verkehrskommissariats. Um die Unfallursache zu klären, hat die Ulmer Staatsanwaltschaft sofort einen Sachverständigen bestellt. „Wir können dem Bericht des Sachverständigen jedoch nicht vorgreifen“, entschuldigt sich SWU-Verkehr-Geschäftsführer André Dillmann in einer Mitteilung. Dabei muss auch geklärt werden, ob die Weiche defekt war, oder ob sich der Fahrer, wie vor jeder Ampel oder Weiche, rechtzeitig von seinem Cockpit aus angemeldet hat.

Was ist passiert?

Der Wagen 50 „Resi Weglein“ war, wie berichtet, aus Söflingen kommend in der Wagnerstraße Richtung Ehinger Tor unterwegs gewesen. Am Abzweig Beyerstraße entgleiste er, schlitterte auf dem Asphalt Richtung Beyerstraße und prallte hinter dem Scholl-Gymnasium gegen eine Mauer neben dem Gehweg. Dort verkeilte sich der vordere Zugteil, was die Bergungsarbeiten bis spät in die Nacht andauern ließ. Sechs Fahrgäste und der Tramfahrer wurden leicht verletzt. Dazu Dillmann: „Es war Glück im Unglück: Wir können sehr froh sein, dass bei dem Unfall Fahrgäste und Passanten nicht schwer verletzt worden sind.“

Wie hoch ist der Schaden?

Ist von dem nun in drei Teile zerlegten Combino, der vor elf Jahren für 2,6 Millionen Euro gekauft worden war, noch was zu retten? Das müsse ein Gutachter der Herstellerfirma Siemens berechnen. Jedoch muss Ulm nicht gleich einen neuen Combino kaufen. Es stehen noch drei zur Reserve, weil die Linie 1 nur im Zehn-Minutentakt fährt. Auf der Linie 2 indes sind alle zwölf Avenios im Einsatz, wenn sie zu Stoßzeiten im Fünf-Minuten-Takt unterwegs sind.

Kontrollen nach dem Unfall

Bevor am Sonntag gegen 16 Uhr wieder beide Linien fahren konnten – solange fuhren sie auf Teilstrecken oder es waren Busse unterwegs – war die gesamte Linie 2-Strecke mit den neuen Weichen erneut bei Tageslicht bis 14 Uhr überprüft worden. Zudem gab es Testfahrten, bei denen Gleise und Weichen in Ordnung gewesen seien, sagt Jünke. Nun täglich die Strecke zu kontrollieren, sei nicht notwendig.

Informationen durch die SWU

Die Fahrgäste waren über den Ersatzverkehr nur über Facebook und auf den Anzeigetafeln – sie stehen nur an den Hauptlinien an den Haltestellen – informiert worden. Die SWU-Homepage blieb leer. Jünke: „Da müssen wir nachbessern.“

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Liniennetz: Der Unglückswagen der Linie 1 konnte auf der Wagnerstraße gar nicht geradeaus fahren, weil er an der ersten Weiche fehlgeleitet wurde: auf den Abzweig (schwarz). Der wird in der Regel nur befahren, wenn in der Früh der erste Wagen aus dem Betriebshof in der Weststadt auf die Linie 2 geschickt wird. Gleisdreiecke, wie auch am Theater, sind dazu da, dass jeder Wagen bei Bedarf auf die Strecke der jeweils anderen Linie gelangen kann, sagt SWU-Pressesprecher Bernd Jünke.

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