Zuletzt entgleiste eine Straßenbahn der Linie 1. Mit schweren Folgen: Sieben Personen wurden bei dem Unfall am 2. Februar 2019 verletzt. Und die Bergung der Bahn war sehr aufwendig - zudem ist unsicher, wie viel von dem 2,6 Millionen Euro teuren Gefährt gerettet werden kann.

Auch über geplante Maßnahmen halten sich die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH (SWU) noch bedeckt und verweisen auf die noch ausstehenden Ergebnisse aus dem Gutachten des Unfalls.

Davor kollidierte ein Auto mit der Straßenbahn, dann streifte ein Bus die Tram - Anfang einer Woche ereigneten sich gleich zwei Unfälle mit der Straßenbahn in Ulm.

Tatsächlich hat es seit der Inbetriebnahme der neuen Straßenbahn am 9. Dezember 2018 elf Mal gekracht. Beispielsweise als ein Abschleppfahrzeug versehentlich einen Stromabnehmer der Bahn abriss und damit den gesamten Tram-Verkehr zum Erliegen brachte.

Alles nur Zufälle? Eine Erklärung, warum sich in letzter Zeit die Unfälle mit der Tram zu häufen scheinen, hat Bernd Jünke, Pressesprecher der SWU, nicht. „Das wäre reine Spekulation“, sagt er. Er geht jedoch davon aus, dass für viele die neue Verkehrssituation in Ulm noch ungewohnt ist. Nicht nur Autofahrer müssen da umstellen, auch Fahrradfahrer und Fußgänger. „Auch unsere Straßenbahnfahrer müssen sich an die neuen Gegebenheiten anpassen“, sagte Jünke. „Ich denke, dass da alle noch ein bisschen Zeit brauchen.“

Unfall der Linie 1 Straßenbahn in Ulm entgleist - Sieben Verletzte

Stadt Ulm will noch nachbessern

„Wir sind noch nicht ganz fertig, es herrschen hier und da noch improvisierte Verhältnisse“, sagt auch Torsten Fisch, der für die Stadt maßgeblich mit an der Umsetzung des Projektes beteiligt war und noch ist. „Es fehlen zum Beispiel noch Katzenaugen an einigen Stellen, die die Verhältnisse in der Nacht sichtbarer machen.“

Die Planer hätten bereits damit gerechnet, dass die rund zehn  Kilometer lange Strecke gewöhnungsbedürftig sein werde. „Womit wir allerdings nicht gerechnet haben: Dass die Leute die StVO nicht einhalten.“

Ein Blick auf die elf Unfälle zeigt Folgendes: Zweimal haben Autofahrer die rote Ampel missachtet, einmal machte ein Mann einen U-Turn am Theater, „obwohl da ein Verbotsschild steht und es lebensgefährlich ist. Wie sind die Leute eigentlich drauf?“, fragt sich Fisch.

Sind die Autofahrer also selbst schuld?

„Unfälle passieren hauptsächlich, wo verkehrswidrig gewendet wird - oft ist das Abbiegen nicht erlaubt“, sagt auch Jochen Klima, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg.

Manche Autofahrer klagen jedoch über die unübersichtliche Gleisführung in Ulm und schlechte Beschilderung. Facebook-Userin Jessi Ca schreibt: „Ich möchte gar nicht wissen wie oft es zwischen Olgastraße und Theater schon gekracht hat. Scheint wohl ungünstig beschildert zu sein.“ Ein anderer User bezeichnet die Streckenführung als „bescheiden“.

Viele User sehen allerdings auch die Schuld bei unaufmerksamen Autofahrern. Jochen Klima sieht das ähnlich, zeigt jedoch die Problematik dahinter auf: „In Städten, wo es keine Straßenbahn gibt, lernen die Fahrschüler nicht den praktischen Umgang damit. Sie sind das dann nicht gewöhnt.“

Im Zweifelsfall ziehen Autofahrer den Kürzeren

Autofahrer sollten grundsätzlich vorsichtig sein, wenn sie sich die Straße mit der Tram teilen, mahnt SWU-Sprecher Jünke. Die Straßenbahn kann nicht ausweichen und hat einen längeren Bremsweg. Im Zweifelsfall hat der Autofahrer bei einem Unfall das Nachsehen.

Trotzdem müssen sich auch Straßenbahnfahrer an die geltenden Verkehrsregeln halten, denn Autos, Busse und andere Fahrzeuge sind im Straßenverkehr gleichberechtigt.

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