Fotografie Walther Collection hat immer mehr Strahlkraft

Neu-Ulm/New York / Magdi Aboul-Kheir 31.08.2018

Dieser Tage ist sie wieder in Amsterdam. Vor kurzem war sie in Mexiko, demnächst stehen Reisen nach Barcelona an. Mag Daniela Baumann, Ausstellungsleiterin der Walther Collection, auch im beschaulichen Burlafingen ihren Ankerpunkt haben, so hat sie tatsächlich einen immer internationaleren Job.

Anfangs war es die Achse New York-Burlafingen, die Walthers Aktivitäten prägten. Im Juni 2010 hatte der Sammler Artur Walther in seinem bayerisch-schwäbischen Heimatort sein wunderschönes Ausstellungshaus – genauer: drei Häuser mit 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche – eröffnet. In Jahr darauf folgte der „Project Space“ in Manhattan, im Galerienviertel Chelsea.

New York ist auch der Lebensmittelpunkt des Sammlers Arthur Walter. Dort war er bis Mitte der 90er Jahre Investmentbanker bei Goldman Sachs, dann hatte er sich aus dem Berufsleben zurückgezogen, um sich der Kunst, besonders der Fotografie, zu widmen. Als faszinierend empfand er rasch die afrikanische Fotokunst, die zum Schwerpunkt seiner Sammlung wurde.

Die großen Ausstellungen in Burlafingen – und die dazugehörigen hochwertigen Publikationen im Steidle Verlag – sind die Herzstücke seiner Tätigkeit. Aber es ist ihm wichtiger geworden, mit seiner Sammlung „rauszugehen an große Häuser“, wie Baumann sagt. „Artur Walther ist wirklich daran gelegen, dass Menschen diese besondere Art von Fotografie sehen.“ Denn er begreift die Fotokunst nicht nur ästhetisch, sondern als Vermittlungsmedium von Inhalten; die Themen Gesellschaft, Identität, Bildung ziehen sich durch die Sammlung.

Mexiko war etwas Besonderes

Startschuss war ein Auftritt der Walther Collection auf der Messe Paris Photo im November 2011. Und mit einer Ausstellung im Pariser La Maison Rouge Ende 2015 „kam dann alles in Rollen“, sagt Baumann. Sehr gemocht hat sie eine Ausstellung im Frühjahr 2016 im geschmackvollen Stockholmer Fotografiska, und zwei Ausstellungen in Mexiko waren allein schon durch ihre schiere Größe etwas Besonderes.

Mehr als 800 Werke, darunter viele Serien, waren vom vergangenen Oktober bis Februar im Museo Ampara in Puebla sowie im Anschluss im Museo de Arte Contemporáneo de Monterrey zu sehen. „Eine tolle, spannende Erfahrung“, sagt Baumann, alles sei „reibungslos, easy, offen gelaufen – das hat alle Vorurteile widerlegt“. 2020 ist erneut eine Ausstellung in Mexiko geplant, diesmal mit chinesischer Fotografie, einem neuen gewichtigen Teil der Walther Collection.

Überhaupt wächst und wächst die Sammlung weiter. In Mexiko hielt Artur Walther – zur gleichen Zeit lief die Messe „FotoMéxico“ – Ausschau nach lateinamerikanischer Fotografie, lernte Künstler kennen, es kam zu ersten Ankäufen. Und manche dieser Werke wurden nun gleich wieder in Amsterdam gezeigt, seit Juni war die Collection dort im Foam Fotografiemuseum zu Gast.

Man könne von einem „Dominoeffekt“ der Ausstellungen sprechen, sagt Baumann; die kommende Schau in der Fundación Foto Colectania in Barcelona hat sich durch die Projekte in Mexiko ergeben, die Schau in Amsterdam hat wiederum zu einer Anfrage aus der Schweiz geführt. In den vergangenen Jahren gab es zudem Walther-Ausstellungen in den USA, Italien und Mali.

Zudem kauft Artur Walther „unverdrossen“ weiter, sagt Baumann. Der Sammler sei äußerst aktiv, erweitere seine Bestände konzeptionell, „will sich immer breiter aufstellen“. Rund 5000 Werke umfasst die Walther Collection mittlerweile, und da sich hinter vielen Werken ganze Fotoserien verbergen, handelt es sich also um zigtausende Bilder und enorme Werte.

Immer mehr Kunstliebhaber sammeln Fotografie, die Preise sind in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Aber angesichts ihrer staunenswerten Größe, ihrer originellen Schwerpunkte und ihrer enormen Qualität sei „der internationale Vorsprung der Walther Collection nicht mehr einholbar“, befindet Baumann ganz nüchtern. Es sei eine „extrem seriöse“ Sammlung, was auch Verantwortung bedeute.

Die Museen, mit denen Walther zusammenarbeitet, haben die Möglichkeit, eine durchkonzipierte Wanderausstellung wie „Structures of Identity“ an ihre räumlichen Gegebenheiten anzupassen oder auch selbst kuratierend mit der Walther Collection zu arbeiten. Wobei es Baumann wichtig ist, dass es immer eine echte Zusammenarbeit ist, „um zu garantieren, dass die Qualität hoch bleibt“. Die Ulmerin ist selbst stets vor Ort dabei, in der Vorbereitung, beim Aufbau, „ich muss auf jeden Zentimeter genau wissen, wie jedes Bild hängt“. Und am Zoll verbringt sie zuweilen Tage: Sie hat den Überblick, welches Bild in welcher Kiste ist.

Daniela Baumann liebt an ihrer Arbeit „den Luxus, sich länger und tiefer mit einem Ausstellungsprojekt beschäftigen zu können, es hat dann auch Hand und Fuß“. Und das ist wiederum Artur Walther, diesem jetzt 70-jährigen ambitionierten Perfektionisten, wichtig. Baumann ist mittlerweile en detail mit der Sammlung vertraut. Die 37-jährige Historikerin ist zwar erst seit 2015 Ausstellungsleiterin, war aber zuvor bereits fünf Jahre (während sie beim HfG-Archiv arbeitete) als freie Mitarbeiterin für Walther tätig.

Bei aller internationalen Ausrichtung Walthers bleibt Burlafingen trotz seiner, „diplomatisch ausgedrückt“, Randlage als Standort natürlich von zentraler Bedeutung, betont Baumann. Sie wird dort noch vermehrt auf Führungen, Kinder-Workshops, Sammlergespräche setzen.

Wie es weitergeht? Im November eröffnet die Ausstellung in Barcelona, im Dezember eine im Huis Marseille in Amsterdam. 2019 steht wohl Kanada auf dem Programm: Im Ryerson Image Centre in Toronto wird derzeit eine Walther-Schau vorbereitet. Und dann sind da noch die Buch-Projekte beim Steidle Verlag. Die liegen Artur Walther besonders am Herzen, „da sie nachhaltig sind, auch und gerade für die Fotokünstler“.

Ein besonderer Wunsch Walthers wäre eine Ausstellung in Südafrika – aus dem Land kommen wohl die meisten Künstler seiner Sammlung. Doch so heikel, wie dort Fragen der Herkunft und der Identität sind, „müsste man das enorm sensibel angehen“, weiß Daniela Baumann. Das Reisen würde sie gewiss nicht abschrecken.

Führungen, Filmvorführungen und Vorträge

Kostenlose öffentliche Führungen gibt es bei der Walther Collection (Reichenauer Straße 21, Neu-Ulm/Burlafingen) jeden Freitag um 17 Uhr und jeden ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr. Am 7. Oktober wird es zudem eine Fotoschnitzeljagd für Kinder geboten, am 4. November den Kinder-Workshop „Bildergeschichten“. In der Kulturnacht am Samstag, 15. September, stehen mehrere Kurzführungen an.

Die aktuelle Ausstellung „Life and Dreams. Zeitgenössische chinesische Fotografie und Medienkunst“ bietet Lehrenden und ihren Schülern viele Möglichkeiten, Einblicke in die Geschichte Chinas zu erhalten und sich mit der dortigen Kunst auseinanderzusetzen. Daher gibt es am Donnerstag, 20. September, 17 Uhr, eine kostenfreie Lehrerführung, die das Vermittlungsprogramm der Walther Collection vorstellt.

Film-Screenings und Vorträge zur aktuellen Schau gibt es am 18. Oktober und 1. November, jeweils 18 Uhr. Die Finissage am 18. November, 14 Uhr, rundet ein Sammlergespräch mit Artur Walther ab.

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