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Die Zeitschrift „Ulm und Oberschwaben“ des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben und der Gesellschaft Oberschwaben ist eine der ältesten im Südwesten Deutschlands. Jüngst erschien Band 60, ein gewichtiger Band, der insgesamt 13 Aufsätze umfasst. Sie beschäftigen sich mit archäologischen, medizingeschichtlichen, kunst- und kulturgeschichtlichen sowie sozial- und politikgeschichtlichen Themen von der Steinzeit bis ins 20. Jahrhundert.

Die Beiträge mit Ulmer Themen im Einzelnen:

  • Benjamin Schürch bietet einen Einblick in die „Paläolithischen Freilandfundstellen auf der Blaubeurer Alb“.
  • Die Bauhistorikerin Dr. Anne-Christine Brehm schreibt über die Entdeckung steinerner Fragmente des Ulmer Ölbergs im Münster (wir berichteten)
  • Eva Leistenschneider und Evamaria Popp gehen auf einen unverhofften Fund im Münster ein. Drei erhaltene Figuren sind Gegenstand einer detektivischen Suche nach dem „Vespertoliumsmeister“, dem viele Arbeiten im Ulm der 1470er und 1480er Jahre zugeschrieben werden.
  • Manuel Teget-Welz nimmt sich des Themas „Martin Schaffner und Co. Nachträge zur Ulmer Tafelmalerei um 1500“ an.
  • Wolfgang Schürles widmet sich der Armenhilfe. „Betteln verboten? Über Strukturwandel und Organisation der offenen Armenhilfe in Ulm, Konstanz und Württemberg im 15. und 16. Jahrhundert“ heißt sein Beitrag.
  • Das Stammbuch der Johanna Maria Louise Rosalie Mündler gilt als einzigartiges Dokument der Übergangszeit während der Napoleonischen Kriege. Manfred von Stosch hat sich diesem Stammbuch unter dem Titel „Meine liebe Jungfer Baaß!“ angenähert.
  • Über „Die geburtshilflichen Journale der Ulmer Ärzte Dr. Johannes und Carl Palm“ haben Caroline Bialon und Hans Joachim Winckelmann geforscht. Im Zeitraum von 1824 bis 1878 vollzog sich die Etablierung der Geburtshilfe als eigenständige Disziplin. Die Ulmer Ärzte boten dabei ein Beispiel für den Professionalisierungsprozess der Ärzteschaft in jener Zeit.
  • Mit der „Geschichte der Lichtspieltheater in Ulm von den Anfängen bis zur Weimarer Republik“ hat sich Günter Sanwald beschäftigt. Sanwald liefert eine Kulturgeschichte des Films in der Donaustadt, der eindringlich vor Augen führt, wie rasch sich dieses Medium auch abseits der großen Metropolen ausbreitete. Wenig verwunderlich ist dabei, dass mit den Filmvorführungen in Ulm auch der hiesige „Kampf gegen das Schundkino“ begann, bei dem sich, wie Sanwald zeigt, die örtliche Lehrerschaft besonders hervortat.
  • Prof. Michael Wettengel, Leiter des Stadtarchivs Ulm, hat den 22. Juni 1920 erforscht. „Hunger und Blutvergießen in Ulm: Die Unruhen vom 22. Juni 1920“ heißt der Titel seines Beitrags über den Tag, der mit sieben Toten und zahlreichen Verletzten – darunter auch der OB – zu den schwersten innerstädtischen Konflikten der Ulmer Geschichte zählt (wir berichteten).

Info Band 60/2017 von „Ulm und Oberschwaben. Zeitschrift für Geschichte, Kunst und Kultur“ ist in den Buchhandlungen erhältlich. Das Buch hat 487 Seiten und kostet 29,80 Euro.