Kommentar zum Wohnen Streit in Ulm um Kündigung von Mietern: Verrohung der Sitten

Wie vielerorts überlässt man auch in Ulm das Geschäft zu sehr privaten Bauträgern, die auf gehobene Kundschaft setzen - das sagt unser Lokalredakteur Christoph Mayer.
Wie vielerorts überlässt man auch in Ulm das Geschäft zu sehr privaten Bauträgern, die auf gehobene Kundschaft setzen - das sagt unser Lokalredakteur Christoph Mayer. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Christoph Mayer 16.12.2018

Aus Mietraum rücksichtslos das Maximum an Einnahmen herauspressen: Man mag solches Vorgehen von Immobilienkonzernen wie der Vonovia kennen. Dass nun in Ulm auch ein mittelständischer Vermieter derart vorgeht und Hausbewohner wie Dreck behandelt, ist neu – und eine Sauerei.

Zum Glück leben wir in einem Rechtsstaat. Nach allem Menschenverstand ist zu erwarten, dass die Justiz die Bewohner nicht im Regen stehen lassen wird. Mieter genießen ein hohes Maß an Schutz und Rechten. Eigentümer zwar ebenso. Aber das Grundgesetz sagt eben auch: Besitz verpflichtet.

Ungeachtet privatjuristischer Auseinandersetzungen tangiert der Fall auch die Stadt. Denn eine Verrohung der Sitten wie in Böfingen kann sich nur vor dem Hintergrund einer fehlerhaften kommunalen Wohnungsbaupolitik entwickeln. Wie vielerorts überlässt man auch in Ulm das Geschäft zu sehr privaten Bauträgern, die auf gehobene Kundschaft setzen. Deshalb fehlt es an Wohnraum für Normal- und Wenigverdiener – von denen es im reichen Ulm jede Menge gibt.

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