Die Sache mit den Gefühlen ist wohl eine der schwierigsten – nicht so, wenn man eines kultiviert: den Humor. Und das auch in schwierigen Zeiten. „Das ist Gold wert“, sagte Ulrich Schnabel und zitierte den Altmeister des schrägen Humors. Karl Valentin nämlich sei sich sicher gewesen, dass jedes Ding drei Seiten hat: eine gute, eine schlechte und eine komische. Mit diesem Spruch entließ der Physiker und Publizist sein Publikum gestern Abend in die Ulmer Nacht – und wohl jeder der rund 300 Zuhörer hatte das Gefühl, „dem Typ da oben“ (Schnabel über Schnabel) hätte man noch etwas mehr Zeit geben können. Denn, schwupp, die Stunde, die er zum Auftakt der Ulmer Denkanstöße über das Thema „Lächeln kostet extra – Die moderne Gefühlswelt und ihre Fallen“ sprach, dauerte eine halbe Stunde. Gefühlt.

Ja, die Gefühle. Sie sind immer da, sagte der „Zeit“-Redakteur und Autor, der sich mit Themen im Grenzbereich zwischen Natur- und Geisteswissenschaften beschäftigt. Vor allem: Gefühle sind schneller als Worte, „Worte finden wir erst, wenn wir etwas spüren“. Die Ratio, der Verstand also, ist schön und gut, ohne Emotionen zu leben und nur rational zu handeln wie Mister Spock vom Raumschiff Enterprise sei zwar möglich. Das sage die Forschung, „aber dieses Leben ist nicht von langer Dauer“, so Schnabel weiter. Einer seiner Kernsätze lautete: Emotionen legen die Probleme fest, die dann die Vernunft lösen muss. „Wer verheiratet ist, weiß, was das heißt.“

Nein, Deutschland sei nicht das Land des Lächelns, sagte er und hob auf die Unterschiede der Gefühlskultur, auf die nationalen Stimmungen ab. Wer sich als der Beste feiert (USA), ist anderswo (Japan) ganz schnell untendurch. Und hierzulande? „Wer morgens in der Hamburger U-Bahn ein Lächeln einfängt, hat den Hauptpreis gewonnen.“ Was tun? Einfach lächeln, dann stelle sich der Chamäleon-Effekt ein. Heißt: Die anderen lächeln auch, „Stimmungen färben ab. Infizieren Sie damit andere“, rät der Spezialist.

Emotionen sollten zwar ernst genommen werden, „sie sagen uns etwas, auch die negativen“, aber man sollte sich ihnen nicht hingeben. Wer bei den Themen „Syrien“ oder „Trump“ Angst, Ohnmacht oder Wut verspürt, sollte, so der Redakteur, vielleicht seinen Medienkonsum einstellen. „Sonst versinkt man in Depression.“

Was bleibt? Dass jedes Ding drei Seiten hat. Vor allem aber: eine komische.

Vorträge, Diskussion und interaktives Theater


Programm Über „Erlebnisräume für Gefühle“ sprechen heute von 14 bis 16.30 Uhr im Stadthaus der Sportsoziologe Prof. Gunter Pilz (Gefühlsausbrüche bei Fußballfans), die Hochzeitsplanerin Mirjam Heubach (Liebe – traditionelle Romantik oder geplanter Umstand), Suchttherapeut Dr. Klaus Wölfling (Medien und Suchtverhalten) und Dr. Simon Sirch (Das Flow-Gefühl). Die Schauspielerin und Schriftstellerin Erika Pluhar wird ab 17 Uhr über die „Macht der Gefühle“ sprechen. „End­game“, ein interaktives Theaterstück, wird in der Museumsgesellschaft aufgeführt (jeweils 19/21 Uhr). Karten zu 15/10 Euro unter anderem bei SWP-Kartenservice.