Düster und grau erhebt sich das Ulmer Münster aus dem Trümmerfeld der Stadt und ragt bedrohlich in den wolkenbehangenen Himmel auf. Um den Kirchturm rankt sich ein grauenhaftes Monster, die Scheren seiner riesigen Greifer drohend geöffnet, riesengroß und furchteinflößend.

Diese Szene beschreibt das neue Kunstwerk „Ulmer Monster“, mit dem Pop-Artist Florian Schröder alias Wokasoma nach seinem Erfolg mit dem T-Shirt zum „historischen“ Schwörmontag erneut die Ulmer Geschichte bereichern will.

„Kupferstiche haben mich schon immer fasziniert“

Inspiriert wurde der Künstler dabei von einer Ansicht des Münsters, über die er in einem Antiquariat stolperte. Schon immer fasziniert von Kupferstichen, machte er sich selbst ans Werk. „Dass sich letztlich ein gigantisches Monster um das Ulmer Münster windet, war eine intuitive Entscheidung“, erzählt Schröder. „Münster und Monster unterscheiden sich ja auch nur in einem Buchstaben.“ Jedoch läge es mit Sicherheit auch daran, dass er als Kind großer Fan von japanischen Monsterfilmen gewesen sei, so der Künstler weiter.

Das „Ulmer Monster“ setzt sich aus 19 verschiedenen Stichen zusammen, die alle bei 900 prozentiger Vergrößerung digital zu einem völlig anderen Motiv verarbeitet wurden.

Nach „Ulmer Spatz“ nun das „Ulmer Monster“

Neben dem Motiv des Monsters auf dem Münster liefert Florian Schröder auch die passende Sage. Diese beschreibt das Schreckenswesen als „Lindwurm“, der auf den Fluch eines jüdischen Alchemisten hin die Stadt Ulm heimsuchte. Hier verstrickt der Pop-Artist wahre Begebenheiten, wie etwa die Tatsache, dass das Münster teilweise auf geraubten jüdischen Grabsteinen errichtet wurde, mit frei erfundenen Elementen.

Die Geschichte habe er sich an einem verregneten Sonntagnachmittag ausgedacht. Inspiration dafür sei der „Ulmer Spatz“ gewesen, der einer Werbekampagne einer Konditorei entsprungen ist. Als ehemaliger Werber habe er das sehr beeindruckend gefunden. „Gerade in Zeiten von „Fake News“ könnte man mal darüber nachdenken, wie einfach sich ein Märchen in unsere Köpfe pflanzen und sogar immaterielles Kulturerbe verfälschen lässt.“

„Im Idealfall habe ich die Stadtgeschichte erweitert“

Und verfolgt der Künstler nun eine bestimmte Intention mit der Erschaffung des „Ulmer Monsters“? Da gibt er sich bescheiden. „Im Idealfall habe ich die Stadtgeschichte um ein weiteres Spielfeld erweitert und in hundert Jahren gibt es Stadtführungen, bei denen japanische Touristen über das ‚Ulmer Monster’ aufgeklärt werden.“ Er hoffe außerdem, dass bis dahin nicht nur Franchise-Artikel im Stadthaus zu erwerben seien, sondern auch ein signierter Originaldruck des „Ulmer Monsters“ im Museum Ulm hänge.

Dieser Artikel ist in Kooperation mit cityStories Ulm entstanden.

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