Straßenbahnlinie 2 Ulm: Taufe der Kienlesbergbrücke

Ulm / Ute Gallbronner 12.09.2018

Zur Taufe der Kienlesbergbrücke schwelgten am Mittwoch nicht nur die Redner in Superlativen. Auch die Licht- und Klanginstallation, die Andreas Hauslaib und Andreas Usenbenz komponiert hatten, war eindrucksvoll. Zu farbigen Lichtspielen sorgten die sphärischen und teilweise martialischen Klänge für eine besondere Atmosphäre auf einem durchaus besonderen Bauwerk. Eine der wichtigsten Maßgaben: Egal was passiert, der Bahnverkehr darf nicht gestört werden. Das hat funktioniert – beim Fest wie beim Bau.

Die Ulmer waren neugierig. Schon um 17 Uhr strömten die Besucher zum offiziellen Taufakt an die Brücke. Diejenigen, die seit 2009 die Verantwortung getragen haben. Diejenigen, die auf der Brücke geschwitzt haben, vor allem als zuletzt der 200 Grad heiße Asphalt aufgebracht wurde. Und diejenigen, die einfach nur gucken wollten.

Zeichen gegen den Brexit

OB Gunter Czisch sprach augenzwinkernd von der „schönsten Straßenbahnbrücke Ulms, Deutschlands, Europas und der ganzen Welt“. Architekt Bartlomej Halaczek sieht sie als „Zeichen, welche bedeutenden Ergebnisse in der europäischen Zusammenarbeit erreicht werden können“. Gerade angesichts des Brexits, der ihn und seine Kollegen als Briten und überzeugte Europäer „tief getroffen“ habe.

Der schwierige Untergrund und die Tatsache, dass die Kienlesbergbrücke eine Baustelle über der Baustelle ist, seien die größten Herausforderungen gewesen. Die Zusammenarbeit mit der Bahn wurde von allen in den höchsten Tönen gelobt. Um bei den Superlativen zu bleiben, urteilte der Geschäftsführer der SWU Verkehr, André Dillmann: „Besser können zwei so große Projekte auf engem Raum nicht durchgeführt werden.“

Auf der Brücke machte sich da bei Currywurst, Flaschenbier und schwäbisch Döner schon Bierzeltstimmung breit. Als dann silberner Flitter den Taufakt vollendete, nahmen die Ulmer ihre Brücke in Beschlag. Zu Livemusik spazierten sie ans andere Ende. Die Sitzgelegenheiten wurden besetzt, manch einer balancierte auf den geschwungenen Elementen und wurde vom Sicherheitsdienst runtergescheucht. Das dürfte im Alltag eine Herausforderung werden.­

Vorfreude auf die Linie 2

Natürlich waren auch typisch schwäbische Bruddler gekommen: Die Haltestellen seien zu weit weg, das Bauwerk mit 20 Millionen Euro zu teuer und überhaupt werde die Linie 2 sich nicht rentieren. Die meisten aber finden Brücke und Bahn gut. Die 17-jährige Natalie Stegner etwa: „Ich finde sie toll und freue mich auf die erste Fahrt.“ Bis 9. Dezember muss sie noch warten.

Auch Reinhold Siebner ist begeistert. Der 51-Jährige hat den Bau in den vergangenen drei Jahren „im Vorbeifahren“ verfolgt: „Ich habe gar nicht gewusst, dass man auch zu Fuß und mit dem Rad hier rauf kann. Das finde ich gut.“ Oder wie ein anderer Gast es auf schwäbisch formulierte: „Da hand se mal was g’scheits g’macht.“

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