Linie 2 Straßenbahngleise werden auf den Deckel der Tiefgarage verlegt

Die Straßenbahn (blau) muss für den Umbau am Bahnhof vorübergehend in ein neues Gleisbett ein Stück weiter westlich (grün) auf dem östlichen Deckel der Tiefgarage (rot).
Die Straßenbahn (blau) muss für den Umbau am Bahnhof vorübergehend in ein neues Gleisbett ein Stück weiter westlich (grün) auf dem östlichen Deckel der Tiefgarage (rot). © Foto: Scherr und Klimke AG
Ulm/Neu-Ulm / Frank König 14.09.2018
Das Büro Scherr und Klimke koordiniert die Verlegung der Tram in ein provisorisches Gleisbett. Ein Fußballstadion könnte man auch bauen.

Wenn die Straßenbahn auf dem neuen Liniennetz in Fahrt kommt, hängt dies nicht nur mit wichtigen Bausteinen wie der neugetauften Brücke zum Kienlesberg oder restrukturierten Theaterkreuzung zusammen. Vielmehr muss ein weiteres Kunststück vollbracht werden: die provisorische Verlegung der Straßenbahngleise am Hauptbahnhof auf den Deckel der Tiefgarage. Die Vorbereitungen laufen bei Generalplaner Scherr und Klimke – dem Spezialisten für Tiefgaragen, der auch für das Deutschhaus und die vielfrequentierte Parkgarage am Ulmer Rathaus verantwortlich zeichnet.

Der Deckel entsteht über der neuen Tiefgarage am Hauptbahnhof, und zwar wegen der Notwendigkeiten der Straßenbahn vorab. Die Parkgarage mit vier Etagen und 540 Plätzen wird anschließend unter Tage eingebaut.

„Spezielle Konstruktion“

Die Bauarbeiten am Deckel laufen auf Hochtouren. „Wir sind relativ weit“, berichtet Wolfgang Klimke, Vorstandschef des Planungsbüros mit Standorten in Ulm und Neu-Ulm. Der Deckel liegt einerseits auf der Spundwand auf, die die Baugrube umgibt, andererseits auf Stützen. Klimke: „Das ist eine spezielle Konstruktion.“ Sie wird auch beim Building Information Modeling deutlich – einer digitalen, drei­dimensionalen Konstruktionsmethode (siehe Illustration).

Die östliche, also zur City gewandte Seite des Deckels soll schon Anfang Oktober an die SWU übergeben werden, die dann die vorbereitenden Arbeiten für die Verlegung der Straßenbahn in Angriff nehmen können. Projektleiter Markus Sailer erläutert Details. Sowohl der östliche als auch westliche Deckel ruhen am Rand nicht nur auf der Bohrpfahlwand, sondern nach innen auf einer jeweils eigenen, 17 Meter tief verankerten Stützenreihe. Zwischen beiden Deckelhälften gibt es zunächst eine mehrere Meter breite  Lücke, durch die das Material auf die Untertage-Baustelle kommt – die also in 17 Meter Tiefe beginnt und sich sukzessive nach oben ausweitet.

Die Verlegung der Straßenbahn ist notwendig, um das neue Gleisbett, die nur noch dreispurige Friedrich-Ebert-Straße und nicht zuletzt die Passage zu den Sedelhöfen zu bauen. Danach wird die Straßenbahn wieder weitgehend in die alte Position zurückverlegt. Allerdings werden die Bauarbeiten für das Weihnachtsgeschäft im Handel unterbrochen. Bauzeit der Tiefgarage: über 40 Monate bis Ende 2020.

Angesichts der umfassenden Erfahrung mit Tiefgaragen baut Scherr und Klimke zudem die Quartiers-Parkgarage im Kontext des Neu-Ulmer Südstadt-Bogens von Realgrund: mit 800 Plätzen. Für Klimke stellt das Projekt auch wegen des nahegelegenen Bahntrogs eine Herausforderung dar.

Der Generalplaner mit Hauptbüro im Edison-Center baut jedoch auch oberirdisch und plant im Neu-Ulmer Umfeld beispielsweise den Orange Campus der Basketballer. Man begleite die Projektentwicklung seit eineinhalb Jahren, erläutert Klimke.

Pläne fürs Magic Theater

Er dürfte auch die Debatte um ein Stadion für den SSV-Fußball an der Autobahn mit Interesse verfolgen. Schließlich hat Scherr und Klimke 2010 ein Stadion für den Zweitligisten FC Ingolstadt realisiert: nach den DFB-Richtlinien für rund 15.000 Zuschauer und für etwa 25 Millionen Euro. Der Audi-Sportpark ist modular in zwei Stufen auf 22.000 und danach 30.000 Zuschauer erweiterbar.

Überregional befasst sich der Generalplaner zunehmend mit Projekten für die Pharmaindustrie,  wie die Blutplasma-Fraktionierung mit eigener Energie-Versorgung von Biotest in Dreieich.

Ein weiteres großes Vorhaben ist der Ausbau des neuen Peri-Standorts für den Gerüstbau an der A 8 bei Günzburg (vormals Burg Silvergreen). Aber es geht durchaus eine Nummer kleiner: Am Heimatstandort plant Scherr und Klimke in etwas reduzierter Form das Zauber-Theater von Magier Florian Zimmer,  anvisierter Baustart Frühjahr 2019.

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Spezialist für digitale Planung

Firma Scherr und Klimke, gegründet 1957 von Pius Scherr, beschäftigt 140 Mitarbeiter. Mit dem Schwesterunternehmen Conplaning sind es sogar 200 in der Gruppe. Die Scherr und Klimke AG erwartet für 2018 einen Umsatz von 14 Millionen Euro. Das Büro betrachtet sich als führend bei der neuen dreidimensionalen Planung Building Information Modeling (BMI), bei der für jedes Bauteil digital gleich die technischen Daten hinterlegt werden.

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