Die Mobilität wird für den Ulmer Gemeinderat eines der Megathemen der nächsten Jahre. Darin sind sich wohl alle Fraktionen einig. Am Mittwoch kümmerte sich das Gremium um die Priorisierung des Straßenbahnausbaus. Und sorgte für eine kleine Überraschung: Die Wiederaufnahme der Debatte um eine neue Straßenbahnlinie durch Neu-Ulm.

Die Wahlen in Neu-Ulm abwarten

Auf Antrag der Grünen ist die Verwaltung beauftragt, erneut das Gespräch auf der anderen Donauseite zu suchen. Ziel ist eine baldige Machbarkeitsstudie für eine dritte Tram-Linie. Übers Wiley und Ludwigsfeld könnte diese führen. Die Grünen-Fraktion setzt darauf, dass das Thema Straßenbahn in Neu-Ulm im kommenden Frühjahr neu diskutiert werden kann. „Vielleicht müssen wir ja nur die Wahlen abwarten“, spekulierte Michael Joukov-Schwelling mit Blick auf den anstehenden Wechsel im Chefsessel des Rathauses. Für diesen Vorstoß erhielten die Grünen neben den Stimmen der SPD, mit der es Vorabsprachen gab, auch die Zustimmung der Freien Wähler. Und somit die Mehrheit.

Ein Erfolg, der den Sozialdemokraten für ihren Antrag, eine direkte Streckenführung von Ulm nach Wiblingen durchs Donautal zu untersuchen, verwehrt blieb. „Der Weg nach Wiblingen ist weit, aber flach und somit auch nicht so teuer“, hatte Martin Rivoir für den Antrag seiner Fraktion geworben. Es führe perspektivisch kein Weg daran vorbei, Wiblingen besser anzubinden. Und das „Rückgrat“ des modernen Nahverkehrs in Ulm bleibe die Straßenbahn. „Nur das gallische Dorf Wiblingen hat keine Straßenbahn“, ergänzte SPD-Fraktionschefin Dorothee Kühne. Sie appellierte an ihre Kollegen, mit der Beauftragung einer Studie zum jetzigen Zeitpunkt „eine gute Tradition“ beizubehalten. Es sei üblich, dass ein scheidendes Gremium mit einer visionären Entscheidung dem kommenden Gemeinderat ein Thema in die Hände lege. Außer der eigenen Fraktion und den Kollegen der Grünen wollte dieser Empfehlung niemand folgen.

Kein Geld für Donautal-Trasse

Zumal Baubürgermeister Tim von Winning in seinem kurzen Sachvortrag zuvor schon ohne viel schmückendes Beiwerk erklärt hatte, dass es aus seiner fachlichen Sicht mit einer Linie durchs Donautal niemals ein positives Ergebnis innerhalb einer standardisierten Bewertung geben kann. „Da wird es kein Fördergeld geben können.“

Große Einigkeit herrschte im Rat dann beim dritten Straßenbahn-Thema des Tages: der Verlängerung der Linie 1 bis zum geplanten Söflinger Neubaugebiet Kohlplatte. Bei der letzten Sitzung des aktuellen Ausschusses für Stadtentwicklung, Bau und Umwelt wird es wohl das Go für die nötigen Voruntersuchungen geben. Jedenfalls haben die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) im Auftrag der Stadt bereits begonnen, nach geeigneten Planungsbüros für eine Machbarkeitsstudie zu suchen.

Drei Wege zur Kohlplatte

Bislang sieht der Nahverkehrsplan drei mögliche Streckenverläufe vor: Von der Endhaltestelle Söflingen durch die Harthauser Straße oder durch die Jörg-Syrlin-Straße zur Kohlplatte. Oder vom Theodor-Heuss-Platz (früher Westplatz) durch die Einsteinstraße. Alle drei Varianten sollen nun eingehend und möglichst zügig untersucht werden. In der Hoffnung, dass die Gleise schon verlegt sind, wenn auf der Kohlplatte die ersten Häuser gebaut werden.

Bis es soweit ist, liegt noch ein langer Weg vor der Stadt. Zuerst müssen die möglichen Trassen einer so genannten standardisierten Bewertung zur Ermittlung des volkswirtschaftlichen Nutzens unterzogen werden. Im Erfolgsfall muss der Gemeinderat einen Baubeschluss fassen. Darauf folgen ein Planfeststellungsverfahren, möglicherweise Einsprüche von Anwohnern und schließlich die Ausschreibung.

Das gleiche Verfahren ist dann gegebenenfalls am Ende der Linie 2 auf dem Eselsberg zu bewältigen. Hier soll der Anschluss des Science Park III geprüft werden. Allerdings muss sich die Stadt Ulm dazu mit der Stadt Blaustein abstimmen. Gesprochen wird bereits – in der interkommunalen Arbeitsgruppe Ulm-Blaustein.

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