Die Gemeinwohl-Ökonomie will ein ethisches Wirtschaftsmodell etablieren, in dem das Wohl von Mensch und Umwelt im Zentrum des Denkens und Handels steht. Eine Idee, die auf großes Interesse stößt: Im Stadthaus gab es jedenfalls selbst kaum mehr Stehplätze, als Christian Felber, der Begründer der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung, über Ziele und Inhalte sprach. Auch Vertreter Ulmer Parteien und Fraktionen zeigten sich aufgeschlossen. Sie wollen das Gemeinwohl stärken und sich daran messen lassen. Felber stellte auch die Gemeinwohl-Bilanz vor. Dieses Instrument ermöglicht es Kommunen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen, ihren Beitrag zum Gemeinwohl zu messen und zu vergleichen.

Ethische Grundsätze

In der Diskussion sei deutlich der Wille spürbar gewesen, einen überparteilichen Konsens auf die Beine zu stellen, teilt die Initiative Gemeinwohl-Ökonomie Ulm mit. „Mein wichtigstes Anliegen heute Abend ist der Aufruf zum Konsens, dass wir uns als Stadt Ulm auf den Weg machen“, sagte Stadträtin Birgit Schäfer-Oelmayer für die CDU. Die Gemeinwohl-Ökonomie lasse sich „auf jeden Fall“ in Ulm durchsetzen. Stadtrat Timo Ried (FWG) will sich dafür einsetzen, zusammen mit den anderen Fraktionen Ulm in Richtung Gemeinwohlstadt zu bewegen und Geld zur Verfügung zu stellen, damit sich Firmen Gemeinwohl-zertifizieren können.

Robert Jungwirth von den Grünen erwartet von jedem Unternehmer und politisch Verantwortlichen, dass ethische Grundsätze jeder Entscheidung zugrunde liegen. Jeder könne dabei mitmachen. Wer Gemeinwohlbilanzen erstelle, sollte positiv motivierend belohnt werden.

Stadträtin Doris Schiele (Linke) freute sich, dass das Thema so großen Anklang gefunden hat: „Ich denke, dass wir fraktionsübergreifend was auf die Beine kriegen.“ Die SPD-Fraktionsvorsitzende Dorothee Kühne sagte, sie habe an diesem Abend viel gelernt. Sie werde sich das Thema genau anschauen. „Dass die Idee sehr gut ist, daran habe ich keinen Zweifel.“

Weltweite Bewegung


Gemeinwohl-Ökonomie Die Bewegung wurde 2010 ins Leben gerufen. Sie umfasst nach eigenen Angaben weltweit mittlerweile mehr als 11 000 Unterstützer, 100 Regionalgruppen, 30 Fördervereine, 500 bilanzierte Unternehmen und andere Organisationen, knapp 60 Gemeinden und Städte sowie 200 Hochschulen, die die Vision der Gemeinwohl-Ökonomie umsetzen und weiterentwickeln.