Portrait Staatssekretärin Leonie Gebers im Portrait

Findet Ausgleich in der Familie: Staatssekretärin Leonie Gebers.
Findet Ausgleich in der Familie: Staatssekretärin Leonie Gebers. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Christine Liebhardt 02.08.2018

Arbeit wird sich verändern, aber sie wird nicht ausgehen.“ Da ist sich Leonie Gebers sicher. Die 47-Jährige ist vom Fach: Seit März ist sie Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Über ihr steht nur Hubertus Heil, sie trägt Verantwortung für 1200 Mitarbeiter.

Man sieht es ihrem Lebenslauf nicht an, aber: Eigentlich wollte Gebers Journalistin werden. Geboren 1971 in Karlsruhe, kommt sie im Alter von zwei Jahren nach Ulm und wächst dort auf. In Gögglingen geht sie in den Kindergarten, in Wiblingen macht sie ihr Abitur. Inzwischen lebt sie schon lange in Berlin. Gebers ist verheiratet, ihr Mann, früher Gastronom, ist mit den vier Kindern im Alter von 7, 11, 14 und 17 Jahren zu Hause. Zwei, drei Mal im Jahr kommt sie aber noch in ihre Heimatstadt, Eltern und Geschwister sind hier.

Schritt für Schritt in die Politik

Wem der Name Gebers bekannt vorkommt: Schon ihre Mutter, Doris Gebers, engagierte sich für die SPD, war Ortschaftsrätin in Gögglingen. Liegt der 47-Jährigen die sozialdemokratische Politik also im Blut? Sie wehrt ab: „Dass man sich engagiert, das habe ich sicherlich vom Elternhaus mitbekommen“, sagt sie. „Wenn einem etwas nicht passt, dann sollte man es verändern, nicht motzen.“

In die (Berufs-)Politik ist Leonie Gebers zunächst eher reingerutscht, hat dann aber zielstrebig ihren Weg verfolgt: Während ihres Studiums in Augsburg – Politikwissenschaft, Soziologie und Volkswirtschaftslehre – engagiert sie sich in der Hochschulpolitik, tritt den Jusos bei: „Das ging Schritt für Schritt.“ Nach dem Studium macht sie Wahlkampf für Gerhard Schröder, arbeitet danach einige Jahre in der Pressestelle des Familienministeriums. Weil sie weniger präsentieren und mehr selbst gestalten will, wechselt sie in eine Fachabteilung. Ab 2009 arbeitet sie als Referentin für Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik für die SPD-Bundestagsfraktion, später dann in leitender Position im Wirtschaftsministerium, 2017 mit Sigmar Gabriel im Auswärtigen Amt. Ihre Tage sind lang. Der beste Ausgleich, sagt sie, sei ihre Familie: „In unserer Freizeit machen wir gerne gemeinsame Unternehmungen, wie Schwimmbad, Kino, auch mal ein Museum oder Ausflüge in die Natur.“

In ihrer Laufbahn hat Gebers viele Ministerien kennengelernt. „Jedes Ressort ist anders und hat eine eigene Kultur“, berichtet sie. An ihrem jetzigen Arbeitsplatz schätzt sie die hohe Kollegialität und Kompetenz, die es aber selbstredend überall gebe. Sie ist viel mit Gesetzgebung beschäftigt, anderswo gehe es stärker um Förderung oder Diplomatie. Gelegenheit, Dinge zu verändern, hat sie inzwischen also reichlich. Inhaltlich beschäftigt Gebers sich in erster Linie mit den Grundsätzen der Arbeitsmarktpolitik, außerdem ist sie die Amtschefin für Haushalt und Personal. Die Staatssekretärin ist beamtet, sie arbeitet eher im Hintergrund, schaut, dass alles läuft: „Man ist Scharnier zwischen der Verwaltung und dem Minister“.

Mit ihrer Partei will Gebers Langzeitarbeitslosen über Lohnkostenzuschüsse Chancen eröffnen, außerdem arbeitet sie an einem Entwurf für ein Fachkräftezuwanderungsgesetz. In der Digitalisierung und in der Demographie sieht sie die beherrschenden Themen der Arbeitswelt: „Jetzt tritt der Wandel wirklich ein, jetzt gehen die Babyboomer in Rente.“ Aufhalten könne man Entwicklungen wie die Digitalisierung ohnehin nicht, für die allerdings Bildung eine große Rolle spiele. Sie sei für viele neue Berufe notwendig, andere würden der Digitalisierung zum Trotz erhalten bleiben. „Für mich ist das kein Schreckensszenario“, sagt sie mit nüchterner Gewissheit. Im Gespräch bleibt sie sachlich, überlegt manchmal lange, bevor sie antwortet.

Was Leonie Gebers noch erreichen will? Sie zögert. Überlegt wieder. Sagt dann, etwas allgemeingültig: „Einen guten Job machen. Für gutes Regieren sorgen.“ Viel mehr ist ihr nicht zu entlocken. Ob sie nicht selbst irgendwann Ministerin sein will? Sie winkt ab. „Diese zweite Reihe, da fühl’ ich mich ganz wohl.“

Aufgaben der Staatssekretärin

Tätigkeiten Im Bundesministerium für Arbeit und Soziales gibt es drei Staatssekretärinnen und zwei Staatssekretäre. Sie gehören zur Leitung des Ministeriums, sind Ratgeber des Ministers und halten ihm den Rücken frei, wie es ein Staatssekretär in einem Imagevideo formuliert. Es gibt beamtete Staatssekretärinnen wie Leonie Gebers, die die Arbeit im Ministerium koordinieren, die Vorgesetzten der Mitarbeiter im Haus sind und an Gesetzesvorlagen und Verordnungen arbeiten, und parlamentarische Staatssekretäre. Sie sind gleichzeitig Bundestagsabgeordnete und auch in Ausschüssen tätig. Beamtete und parlamentarische Staatssekretäre des jeweils gleichen Fachgebiets kooperieren eng miteinander.

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