Am Ende war es Millimeterarbeit: Der riesige Teleskopkran, der im engen Innenhof stand, lupfte gestern seine 800 Kilo schwere Last über die fünf Meter hohe Mauer und setzte sie sanft im Garten neben der Wengenkirche ab. Pfarrer Michael Estler und Schwester Elisa Kreutzer lösten die Transportgurte – und nun steht die Skulptur von Joannes Baptista Sproll an ihrem endgültigen Platz. Der Rottenburger Bischof (1870 bis 1949) ist für seinen Widerstand gegen die Nazis bekannt.

Das Kunstwerk ist ein Geschenk: Der in Munderkingen lebende pensionierte Pfarrer und Kunsthistoriker Franz Xaver Schmid ist ein Verehrer von Sproll und Kenner dessen Lebens. Er hat vor drei Jahren die Skulptur vom Künstler Ralf Ehmann gekauft und beschlossen, den Ulmer Katholiken das Kunstwerk zu vermachen, zum Gedenken an die Vertreibung und Rückkehr Sprolls. Doch es brauchte einige Zeit, bis der Kirchengemeinderat von Wengen entschieden hatte, welches der passende Platz für das großzügige und großformatige Geschenk ist.

1927 zum Bischof von Rottenburg gewählt, predigte Sproll schon früh gegen die Nationalsozialisten und ihr Terrorregime. Sein Motto lautete „Fortiter in fide“, zu Deutsch: Stark im Glauben. 1938 wurde er deshalb aus der Diözese verbannt. Sein Exil verbrachte er bei Krumbach im Kreis Günzburg. Nach Kriegsende – am 12. Juni 1945 – konnte er zurückkehren: Sein erster Weg führte ihn nach Ulm. Vor der Georgskirche wurde ihm ein großer und feierlicher Empfang bereitet. Der Ulmer Dekan Oskar Gageur war ein langjähriger und guter Freund Sprolls.

Mutter und Köchin

Der war auch Pfarrer der Wengenkirche (die im Bombenhagel des 17. Dezember 1944 zerstört wurde), so dass Sproll im Pfarrhaus aus- und einging. Und so lernte er die Kochkünste der Pfarrhaushälterin von Gageur kennen und schätzen. Diese Frau war die Mutter von Pfarrer Franz Xaver Schmid. Dieser Umstand gab wohl auch den Ausschlag, der Wengenkirche das Geschenk anzutragen.

Die 1999 geschaffene Skulptur Ralf Ehmanns zeigt Sproll als Rückkehrer aus dem Exil in sitzender Haltung. Aus einem großen Marmorblock sind Kopf mit Mitra und die rechte Hand herausgearbeitet. Der Künstler wollte so die Aufbauleistung in den Nachkriegsjahren zum Ausdruck bringen. „Im Gesicht spiegelt sich seine Haltung, die Klarheit und sein Wille, aber es zeigt auch einen Blick, der in Abgründe geschaut hat“, sagt der Künstler über sein Werk. Die erhobene Hand steht sinnbildlich dafür, dass Sproll „die Dinge wieder in die Hand genommen“ hat; sie steht aber auch für Entgegenkommen, Segen und Gruß. Stifter Schmid findet das Werk „gran­dios“.

Der Kirchengemeinderat hat  den Standort im Garten so gewählt, dass von der kleinen Wengenkirche im Sommer  bei geöffneter Tür der Blick auf die Skulptur fällt.  Es wurde auch eigens ein 1,2 Tonnen schwerer Sockel gefertigt, damit Betrachter dem Bischof sozusagen auf Augenhöhe begegnen können.

Pfarrer Michael Estler hat einen eigenen Bezug zu Joannes Baptista Sproll, weil er – wie dieser – lange in Rottenburg gelebt hat. Deshalb will er zur Einweihung (siehe Info-Kasten) eine kleine Broschüre herausgeben mit einer theologischen Deutung des Kunstwerks.

Estler streicht die Verbundenheit Sprolls zu den Ulmern und zur Wengenkirche heraus: „So möge der Bischof uns heute ein überzeugendes Vorbild sein, dort mutig die Stimme zu erheben, wo Friede und Gerechtigkeit gefährdet sind.“ Seit 2011 läuft das Seligsprechungsverfahren für Sproll.

Offizielle Einweihung am 27. März


Prominente Gäste Offiziell eingeweiht wird das Kunstwerk an seinem neuen Ort am Mittwoch, 27. März, 18 Uhr. An diesem Anlass wird auch Franz Xaver Schmid sein neues Buch über Bischof Sproll vorstellen: Er sieht Sproll als „verborgenen Inspirator“, dessen Predigten viele Gedanken enthalten, die über den Münchner Kardinal Michael von Faulhaber in die in deutscher Sprache verfasste Enzyklika „In brennender Sorge“ von Papst Pius XI eingeflossen sind. Erschienen im März 1937, ist ihr Thema die bedrängte Lage der römisch-katholischen Kirche im damaligen Deutschen Reich. Der Papst verurteilt darin die Politik und Ideologie des Nationalsozialismus. Als Redner und Gäste haben sich Ministerpräsident a.D. Erwin Teufel und Pfarrer Thomas Broch, früherer Sprecher von Bischof Fürst, angekündigt.