Ulm/Neu-Ulm / Von Edwin Ruschitzka  Uhr
Bis spätestens Pfingsten soll klar sein, wie viel Geld die 13 Käufer der Wohnungen auf dem Petrusplatz in Neu-Ulm zurückbekommen.

Bei der Pleite des verstorbenen Wohnbauunternehmers Günter Steinle gibt es viele Verlierer. Der größte Gläubiger der im Juni 2018 angemeldeten Insolvenz ist nach Informationen der SÜDWEST PRESSE mit etwa 4,5 Millionen Euro die Sparkasse Ulm. Die Bank hatte eines der letzten Bauvorhaben Steinles am Petrusplatz in Neu-Ulm großzügig finanziert. Und das zu einem Zeitpunkt, als hätte klar sein können, wie schlecht es um Steinles Unternehmen bestellt ist. Der von der Sparkasse Ulm angekündigte Rettungserwerb der Ruine liegt im Moment auf Eis, weil noch nicht entschieden ist, wie viel das Objekt samt Grundstück wert ist.

25 Prozent anbezahlt

Die 13 geplanten Wohnungen im ehemaligen Gebäude des Bettenhauses Renftle waren schnell verkauft. Die Käufer hatten bei Steinle 25 Prozent des Kaufpreises vorab bezahlt, in der Summe knapp über eine Million Euro. Die Preise pro Einheit sollen sich zwischen 300.000 und 1,1 Million Euro bewegt haben. Im Juni zog das Bauunternehmen Mayer-Madel im beginnenden Insolvenzverfahren die Maschinen ab. Insolvenzverwalter Martin Hörmann vom Büro der Anchor-Anwälte konnte das Verfahren im August 2018 eröffnen, nachdem feststand, dass die Insolvenzmasse gerade noch reicht, die Kosten dieses Verfahrens zu tragen.

Steinle hatte das Objekt über die Sparkasse Ulm finanziert, und diese hatte ein so genanntes Freigabeversprechen gegeben, also eine Art Bürgschaft übernommen. Diese besagt, dass Käufer bei einer Insolvenz des Bauträgers nicht auf ihren Kosten sitzenbleiben. Die Frage ist nur: Wie viel Geld bekommen die 13 Käufer zurück? Sie hoffen auf den ganzen Betrag, aber klar ist das nicht. Was letztlich bezahlt wird, hängt vom Wert der Ruine und des Grundstücks ab. Der Insolvenzverwalter hatte über externe Gutachter einen Restwert von etwas mehr als 500.000 Euro ermitteln lassen. Bleibt es dabei, müssten die Käufer hohe Verluste in Kauf nehmen. Die Rede ist von einem 50-prozentigen Abschlag.

Eine Einigung mit der Sparkasse steht noch aus. Die Ulmer Bank hat ihrerseits ein Gutachten in Auftrag gegeben, das Klarheit bringen soll, wie das Institut mit dem Freigabeversprechen umgehen kann. Es gehe um viel Geld, hat Sprecher Boris Fazzini bestätigt: „Wir wollen unseren wirtschaftlichen Schaden in Grenzen halten.“ Das wollen die Käufer aber auch. „Das Gutachten soll uns weiterbringen“, hofft Fazzini. Er erwartet es noch vor Pfingsten. „Wir streiten auch nicht mit den Käufern, wir haben nur noch keine Position gefunden.“

So mancher Käufer fragt sich nun, wie die Sparkasse das Objekt hatte finanzieren können, ob ihr nicht bewusst gewesen sei, wie schlecht es damals um das Wohnbauunternehmen Steinle stand. Dem Insolvenzbericht, der der SÜDWEST PRESSE in Teilen vorliegt, ist zu entnehmen, dass Steinle seit 2012 mit der Ausnahme von zwei Jahren nur rote Zahlen geschrieben hat. Die Verluste bewegten sich zwischen etwa 200.000 Euro im Jahr 2013 und knapp 800.000 Euro 2014. 2017, also das Jahr vor seiner Insolvenz, schloss er mit einem Minus in Höhe von knapp 400.000 Euro ab.

Ein Lichtblick war nur das Jahr 2016 mit einem Gewinn von etwa 100.000 Euro. Bei der Volksbank Neu-Ulm soll Steinle vor Baubeginn am Petrusplatz auch nach Krediten nachgefragt haben – und einen Korb erhalten haben.

Der schwerkranke Günter Steinle brach 2018 alle Zelte in Ulm und Neu-Ulm ab, versteigerte Teile seiner Kunstsammlung und zog in die Schweiz, wo er im Januar dieses Jahres im Alter von 77 Jahren starb. Im Verlauf des Insolvenzverfahrens hatte sich der todkranke Unternehmer in Schweigen gehüllt.

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Abreißen oder weiterbauen?

Zukunftspläne Wie es mit der Steinle-Ruine weitergeht, ist unklar. Die Wohnungskäufer hatten 2018 noch gehofft, man könne weiter machen. Während dem Insolvenzverwalter und der Sparkasse Aussagen vorliegen, dass es wohl auf einen Abbruch rauslaufen werde. Der Bauunternehmer Gerhard Mayer hat der SÜDWEST PRESSE gegenüber bestätigt, dass ein Weiterbauen möglich wäre. Alle neuen Gebäudeteile seien statisch überprüft und genehmigt worden. „Man hätte also das ursprüngliche Konzept weiter verfolgen können“, sagt Mayer. Das Ulmer Bauunternehmen Mayer-Madel gehört selbst zu den Gläubigern – mit einer Summe im mittleren sechsstelligen Bereich.