Die Psychosoziale Krebsberatungsstelle Ulm (KBS) unterstützt Erkrankte und deren Angehörige. Sie übernimmt darüber hinaus eine wichtige Lotsenfunktion. Die Diagnose Krebs zieht Betroffenen erst einmal den Boden unter den Füßen weg. Nicht nur einer enormen emotionalen Belastung, sondern auch einem großen Verwaltungsakt stehen Krebspatienten gegenüber. In der KBS Ulm in der Kornhausgasse finden Erkrankte Schritt für Schritt zurück ins Leben.
Stützen, stabilisieren und begleiten
Die KBS Ulm wurde 2015 als ambulante Einrichtung der Psychosomatischen Uni-Klinik und als Kooperationsprojekt des universitären Tumorzentrums gegründet. Mit anfänglich 271 Beratungen (2016) stieg die Nachfrage zuletzt immer weiter an. Das Angebot richtet sich nicht nur an die seelischen Bedürfnisse von Betroffenen. „Wir arbeiten eng mit Pflegestützpunkten, Krankenkassen und der Rentenversicherung zusammen, um den Ratsuchenden zum Beispiel beim Ausfüllen wichtiger Formulare oder der Beantragung von Hilfsmitteln unter die Arme greifen zu können“, erklärt Leiter Dr. Klaus Hönig. „Wenn die Erkrankten zu uns kommen, machen wir eine Bestandsaufnahme und finden heraus, wo wir als Erstes ansetzen können, um die Ratsuchenden zu stützen und zu stabilisieren.“ Meist haben Patienten ein großes Redebedürfnis und können sich erst bei einer neutralen Beratungsstelle die Sorgen von der Seele reden. „Dank unserer professionellen Stellung können wir auch dort gut zuhören und Leid aushalten, wo sich Angehörige, Freunde oder Bekannte aus Selbstschutz rasch mit guten Ratschlägen distanzieren.“
Unterstützt werden auch die Angehörigen
Starke Angst verzerrt die Wahrnehmung, vermeidet Information und verhindert dadurch häufig Dialog. Aus dem Bedürfnis heraus, den Patienten beziehungsweise den Angehörigen zu schonen, entsteht dann nicht selten ein ominöses Schweigen, weil man einfach nicht mehr weiß, was man wie sagen soll. Oftmals seien daher mehrere Gespräche gemeinsam mit Partnern und Familienangehörigen nötig. Mit dem Bekanntheitsgrad der KBS steigt auch die Zahl der Anfragen. „Schwer Erkrankte aus weiter entfernten Kliniken nehmen inzwischen auch unsere Angebote wahr.“ 2019 hat die KBS mit über 1.000 psychoonkologischen, sozialen und sozialrechtlichen Beratungen weiterhelfen können. „Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht nur das körperliche, sondern auch das seelische Leid Unterstützung braucht.“
Entlastung durch Bewegung und Begegnung
Achtsamkeits-, Bewegungs-, und Entspannungs-Angebote sollen der persönlichen Selbstfindung dienen. Wenn es an Worten fehlt, kann die Kreative Schreibwerkstatt weiterhelfen, um sich den Ballast von der Seele zu schreiben. Die fließenden Abläufe beim Tai-Chi unterstützen positiv den Fluss der Lebensenergie. „Viele Ratsuchende entdecken für sich dabei eine wertvolle Selbstfürsorge“, so der Leiter. „Einmal den Wind aus den Segeln streichen und im Hier und Jetzt leben. Die Endlichkeit erkennen und mit den persönlichen Stärken sorgsam umgehen.“ Die Zusatzangebote werden durch Spenden und ehrenamtliche Mitarbeit ermöglicht. Die Beratungs- und Informationsangebote sind vielfältig. Aber auch Klaus Hönig und sein Team lernen dazu: „Von jedem einzelnen Patienten. Das ist unglaublich wertvoll und gibt uns viel zurück.“
Dr. Klaus Hönig
Leiter der Ulmer Krebsberatungsstelle (KBS)

Kontakt

Psychosoziale Krebsberatungsstelle Ulm
Kornhausgasse 9
89073 Ulm
E-Mail: kbs.ulm@uniklinik-ulm.de
Tel.: 0731 88016520
Terminvereinbarung: Mo - Do, 9-12 Uhr