Auf der Baustelle herrschte helle Aufregung. Während es baulich keine Überraschungen beim Abbruch der Anfang des 20. Jahrhunderts erbauten Beringerbrücke gab, stießen die Arbeiter bei den Rückbauarbeiten an einem Brückenpfeiler an der Beringerstraße jetzt auf ein kleine Sensation. Oder besser: auf eine kleine, stabile Kiste mit überraschendem Inhalt. 63 Goldblöcke, je ein Kilogramm schwer.
Noch ist nicht letztlich geklärt, woher das Gold stammt. Ein erster Hinweis, die Abkürzung „K.W.St.E.“ auf der Fundkiste, deuten auf die Zeit des Württembergischen Königreichs (zwischen 1843 und 1918) hin. Denn die Buchstaben stehen wohl für die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen.

Lagerte in Ulm ein Finanzpolster des Königs von Württemberg?

Wieso die Truhe mit dem Gold, das aktuell eine Wert von etwa 2,9 Millionen Euro hat, im Brückenpfeiler eingearbeitet wurde, ist ein Rätsel. Den Grund versucht der Leiter des Stadtarchivs, Michael Wettengel, herauszufinden. Er könnte sich vorstellen, dass hier Geld für eine Alternativstrecke zwischen Stuttgart und Ulm gebunkert wurde, falls die Befahrung der Geislinger Steige, immerhin die erste Gebirgsquerung einer Eisenbahn in Europa, gescheitert wäre. Aus lauter Freude über die Eröffnung der Strecke 1850 sei die Geldreserve vielleicht einfach vergessen worden.
Eine andere historisch sehr interessante Vermutung: König Wilhelm I. könnte das Gold eingegraben haben, um im Falle einer Revolution im Ländle mit einem finanziellen Polster via Ulm nach Wien zu türmen.
Sensationsfund Beringerbrücke Ulm April, April! Ein Scherz und kein Schatz

Ulm

Die Goldbarren lagern vorübergehend im Tresor einer Ulmer Bank

Für die Stadt Ulm ist der Fund jedenfalls ein unerwarteter Geldsegen. Oberbürgermeister Gunter Czisch hat die Goldbarren inzwischen unter notarieller Aufsicht gezählt. Die 63 Kiloblöcke lagern jetzt im Tresor einer Ulmer Bank. Die an die Fundstelle angrenzenden Mauerstücke wurden mittlerweile nach etwaigen weiteren Schätzen abgesucht. Erfolglos.
Was nun mit dem wertvollen Fund passiert? Baubürgermeister Tim von Winning erklärt, dass die Goldbarren nun der Kommune zufallen: „Wertsachen im solchen Bauwerken gehören dem Eigentümer des betreffenden Grundstücks. Das ist in diesem Fall die Stadt Ulm.“
Noch nicht klar ist hingegen, wie der Fund bei der Stadt verbucht werden kann. „Eine Rubrik für Zufallsfunde oder Schätze gibt es im städtischen Etat nicht“, sagt Finanzbürgermeister Martin Bendel. Oberbürgermeister Gunter Czisch schlägt vor, dass weitere Vorgehen jetzt mit dem Ältestenrat abzustimmen.

Der Fundort, seine Geschichte und die Zukunft


Bauwerk Die Beringerbrücke wurde 1908 als Stahlkonstruktion fertiggestellt. Seit 2018 ist sie wegen ihrer schweren Schäden für den Autoverkehr gesperrt. Seit Dezember 2019 dürfen auch Fußgänger und Radfahrer die 300 Meter lange Brücke nicht mehr benutzen.

Abriss Der Abbruch ist teuer: Michael Jung vom städtischen Bauamt rechnet nach der Endabrechnung mit Kosten von 10,5 Millionen Euro. Die Hälfte davon bezahlt die Bahn. Beim Abriss kam schweres Spezialgerät zum Einsatz: Brücken-Killer – so heißen Spezialfahrzeuge, die mit Traggerüsten die Brücke von unten abstützten, während oben der Rückbau lief.

Ersatz Ob es für Fußgänger und Radfahrer einen Ersatzbau über die Bahngleise geben wird, ist offen. Die Stadt hat ein Planungsbüro beauftragt, Varianten für einen Neubau zu entwickeln. Baubürgermeister Tim von Winning sieht den Bau einer solchen neuen Geh- und Radwegbrücke kritisch. Denn sie würde wohl zwischen 15 und 20 Millionen Euro kosten.