In einer Ecke steht ein massives Regal mit hunderten von Lithografiesteinen. Gesamtgewicht: einige Tonnen. Schwere Technik dominiert auch bei den Maschinen im Gewölbe, den so genannten Reiberpressen, mit denen die Lithografien abgezogen werden, den Correx-Maschinen und der prachtvollen fast 70 Jahre alten Heidelberger Zylindermaschine.

250 Quadratmeter stehen der Druckwerkstatt Ulm in der ehemaligen Pionierkaserne in der Unteren Donaubastion beim Congress Centrum zur Verfügung. Und die stecken voller Geschichte. Druckgeschichte. Denn in modernen Druckbetrieben werden solche Maschinen nicht  mehr benutzt. Die Gewölbe sind also ein Museum. „Ein Museum ja, aber wir sind ein aktives Museum“, sagt Karl-Ernst Fetzer. Er ist eines der rund 40 Mitglieder des Vereins zur Pflege Historischer Druckverfahren, der seit 2003 die Druckwerkstatt umtreibt und dabei deutsches Kulturgut bewahrt: Denn seit März vergangenen Jahres stehen die künstlerischen Drucktechniken im bundesdeutschen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.

Mittwochs wird gewerkelt

Aktiv wird’s in diesem Museum immer mittwochs, wenn in der Werkstatt gewerkelt wird. Eigentlich immer dabei ist der 77-jährige Kone Neubrand. Der gelernte Lithograf war Kunstlehrer am Anna-Essinger-Gymnasium, hatte dort eine eigene Druckwerkstatt eingerichtet. Nicht ohne Stolz zeigt er Arbeiten seiner Schüler. „Die haben das in der Mittagspause in ihrer Freizeit gemacht“, erzählt er. Als er in Pension ging, nahm er seine Maschinen und seine Lithografiesteine mit. Zusammen mit den Maschinen, auf denen bis 2003 noch alte Drucktechniken in der Außenstelle der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in der Pionierkaserne vermittelt wurden, war das der Grundstein für die heutige Druckwerkstatt.

In der werkelt an diesem Mittwoch auch Adela Knajzl, an einem Linoldruck, von dem sie gerade einen Probeabzug macht. Ein paar Meter weiter ist Jörg Eberwein über eine Radierung gebeugt. Einen Raum weiter schnitzt Bertram Bartl an einem Holzschnitt, besser der einen Hälfte eines Holzschnitts. Der soll nämlich zweifarbig werden, und für jede Farbe fertigt er einen eigenen Druckstock, aus Birkensperrholz, das auf eine 19 Millimeter starke Spanplatte geleimt ist. Man ahnt: Künstlerisches Drucken hat viel mit Handarbeit zu tun.

Warum tut man sich das in Zeiten von Computern und modernen Druckern an? „Weil es eine andere Qualität hat“, sagt Bartl. „Wir drucken nicht wie bei modernen Druckern mit Pulver oder dünner Tintenplörre, sondern mit richtiger Farbe auf Ölbasis. Das gibt eine ganz andere Stofflichkeit.“ Und: „Wenn man mit dem Messer schnitzt, wird man auch seine Aggressionen los“, sagt Kone Neubrand, der auch bei der Wahl seiner Motive keinen Hehl aus seiner Meinung macht, gerne Plakatives in Versalien schneidet. Kostprobe: „WÄHLT EUCH DOCH EIN SCHWARZES LOCH“.

Lettern der HfG

Ganz anders die Plakate der ehemaligen Hochschule für Gestaltung. Dort wurde alles klein geschrieben, in der Schrift Akzidenz-Grotesk. Und diese HfG-Lettern hat die Druckwerkstatt ebenfalls gesichert, wie Karl-Ernst Fetzer erklärt, der einst Setzer gelernt hatte – bei einem Meister seines Fachs: Herbert Maeser, der auch an der HfG Typographie lehrte.

Und auch Fetzer sieht in den alten Techniken eigene Qualitäten: „Früher musste man sich überlegen, in welcher Schrift man etwas setzte, wie man alles gestaltet – bevor man anfing. Nachträgliche Änderungen waren teuer“, erzählt er und vergleicht das alles mit der Fotografie. „Als man noch teure Filme brauchte, hat man sich erst ein Motiv gesucht, bevor man fotografiert hat, heute wird nur noch geknipst.“

Arbeiten der Druckwerkstatt im Künstlerhaus


Ausstellung „Wir feiern die Druckkunst“ heißt die Ausstellung von 1. bis 24. März im Künstlerhaus Ulm (Grüner Hof 5), in der Arbeiten von Bertram Bartl, Peter Degendorfer, Jörg Eberwein, Konrad Geyer, Adela Knajzl, Sepp Luible, Konrad Neubrand und Heinz-Dieter Zimmermann aus der Druckwerkstatt Ulm gezeigt werden: Do/Fr 14-18 Uhr, Sa/So 11-16 Uhr.

Aktionen Während der Ausstellung gibt es auch Vorführungen und Aktionen im Künstlerhaus: am 8. März 15-17 Uhr, am 10. März 11-16, am 21. März von 15-17 und am 23. März 11-16 Uhr. Am Samstag, 16. März, 15-20 Uhr, lädt die Druckwerkstatt Ulm zum Tag der offenen Tür (Basteistraße 46).