Feucht-Kolumne Ulmer Haus des Spazz-Verlags beschmiert

Die Fassade der Redaktions- und Verlagsräume wurde von Unbekannten besprüht.
Die Fassade der Redaktions- und Verlagsräume wurde von Unbekannten besprüht. © Foto: Foto Matthias Kessler
Ulm / Ulrike Schleicher 15.02.2018
Unbekannte bezichtigen Walter Feucht als Rassist – die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Geklärt werde auch, ob die Sachbeschädigung politisch motiviert ist.

Die Debatte um die Kolumne „Schlaraffiade“ von Walter Feucht im Stadtmagazin Spazz hat eine Straftat nach sich gezogen: In der Nacht auf Mittwoch haben Unbekannte die Fassade der Verlagsräume in der Schaffnerstraße besprüht. „Rassismus ist Feucht“, steht dort über den Fenstern im Erdgeschoss in krakeliger Schrift. „Die Kollegen haben es morgens entdeckt“, sagte Verlagschef Michael Köstner auf Anfrage. Der Eigentümer des KSM-Verlags und der Räume, Jens Gehlert, habe Strafanzeige gestellt. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte eine Polizeisprecherin. Es handle sich um Sachbeschädigung und womöglich „um eine politisch motivierte Tat“.

Die Auseinandersetzung um die Formulierungen Feuchts über Migranten in der Kolumne des Stadtmagazins Spazz geht unterdessen weiter. Wie berichtet, hatte ein Bündnis aus 38 Organisationen aus Ulm und Umgebung einen offenen Brief an Spazz-Verleger Köstner verfasst. Darin rufen ihn die Unterzeichner auf, die Inhalte von Feuchts Kolumnen künftig sorgfältig zu prüfen:

„Herr Feucht arbeitet – und das nicht zum ersten Mal bei seinen ,Einwürfen’ – mit jenen Abkürzungen des Denkens, die nur noch mit fertigen Zuschreibungen und Urteilen operieren, das heißt mit dem karikaturhaft verzerrten und zugerichteten Einheits-Flüchtling, Einheits-Migranten und Einheits-Zugewanderten“, ist im Brief zu lesen.

Unterstützung für die Verfasser kommt nun aus Neu-Ulm. Die FWG-Fraktion hat ebenfalls an Köstner gemailt: „Meine Fraktion ist entsetzt und voller Unverständnis dafür, wie ein Verlag solch hässliche, menschenverachtende und auch noch unzutreffende Äußerungen völlig unkritisch abdruckt. Dies geht in der Tat über eine „persönliche“ Meinung in einer Kolumne weit hinaus. Wir hoffen, dass Sie, Herr Köstner, in Zukunft mehr auf das Ansehen Ihres Magazins achten und dergleichen verhindern.“

Rote Linie überschritten

Der Unternehmer ist nicht zum ersten Mal in die Kritik geraten. Schon 2015 hatte er für viele die rote Linie überschritten als er über Flüchtlinge schrieb. Persönlich geht er den Grünen-Landtagsabgeordneten Jürgen Filius in der aktuellen Februarausgabe an. Der hatte Feucht „Stimmungsmache“ vorgeworfen. Daraufhin bezeichnete ihn Feucht als „Gutmensch mit überheblicher Selbstwahrnehmung“. „Eine Privatfehde will ich nicht“, sagt Filius. Ihm gehe es um die Sache.