Tübingen / DPA/SWP  Uhr

Die Diskussionen um vermeintlich rassistische Aussagen des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer (Grüne) hören nicht auf: In einem aktuellen Interview mit dem Onlineportal „FAZ.NET“ hat er seine Äußerungen über einen dunkelhäutigen Radfahrer nun als Fehler bezeichnet. Er räumte ein „Kommunikationsdesaster“ ein und fürchtet um seine Wiederwahl. „Ich bin seit zehn Jahren Oberbürgermeister von Tübingen. Und jetzt bin ich zum ersten Mal der Meinung, wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre, würde ich sie verlieren“, sagte er in dem Interview.

Woran erkennt man einen Asylbewerber? Boris Palmer hat sich dazu auf Facebook geäußert – und wieder für reichlich Irritationen gesorgt.

Grüne kritisieren den Grünen

Die Grünen im Landkreis und in der Stadt Tübingen hatten Palmers Aussagen als rassistisch kritisiert. Er trage zur Spaltung der Gesellschaft bei, hatte die SPD-Gemeinderatsfraktion in Tübingen kritisiert und mitgeteilt: „Darum würden wir Boris Palmer heute bei einer Wahl nicht mehr unterstützen.“ Palmers Amtszeit endet im Januar 2023.

Boris Palmer muss sich mal wieder wegen Rassismus-Vorwürfen äußern. Er tut das in einem Post auf Facebook – und mit einem neuen Hintergrundbild.

Der Oberbürgermeister hatte sich beim Forum der SÜDWEST PRESSE in Ulm Ende April über einen wohl rüpelhaften Radfahrer mit dunkler Hautfarbe aufgeregt, der ihm auf dem Weg zum Veranstaltungsort begegnet war.

Tübingens OB Boris Palmer möchte die Flüchtlingsdebatte „besprechbar“ halten. S 21 will er nicht mehr stoppen.

In einer Facebook-Diskussion zur Frage, warum er die Hautfarbe des Mannes genannt habe, schrieb Palmer: „Weil der Typ mit nacktem Oberkörper, Kopfhörer und einer unglaublichen Dreistigkeit um die Leute rum gekurvt ist. Das gehört sich für niemand und für einen Asylbewerber schon dreimal nicht.“ Kritiker warfen ihm vor, er habe von der Hautfarbe eines Radfahrers auf einen Asylbewerber geschlossen.

Palmer: „Habe einen schweren Fehler gemacht“

Dem Portal „FAZ.NET“ sagte er am Dienstag: „Ich habe nur ganz offen beschrieben, was ich – und nach meiner Erfahrung nicht ich allein – in solchen Situationen denke, wenn einige Sachen zusammenkommen: Jung, männlich, Verhaltensweise, Dresscode und im konkreten Fall schwarzafrikanische Herkunft. Ich knüpfe daran eine Vermutung. Aber ich habe da einen schweren Fehler gemacht, ich würde das heute so nicht mehr sagen.“ Es tue ihm leid, „dass ausgerechnet die Menschen, die ich damit schützen will – nämlich Migranten mit schwarzer Hautfarbe – sich angegriffen und pauschal stigmatisiert fühlen“.