Theater Ulm Nur keine Angst: „Räuber Hotzenplotz“ am Theater Ulm

Räuber Hotzenplotz (Lukas Kientzler) und die Großmutter (Mona Mucke).
Räuber Hotzenplotz (Lukas Kientzler) und die Großmutter (Mona Mucke). © Foto: Martin Kaufhold
Ulm / Magdi Aboul-Kheir 22.11.2018

Eine Rakete? Seppel will den Räuber Hotzenplotz auf den Mond schießen! „So weit sind wir noch nicht“, sagt Kasper. Und das stimmt, mit Otfried Preußlers erstem Hotzenplotz-Abenteuer reist das Theater Ulm in die Vergangenheit – der Verweis auf das jüngst ausgegrabene Preußler-­Stück ist eine einzelne nette Pointe für große Zuschauer.

Ansonsten hat Valentin Strohs Inszenierung voll und ganz die Kinder im Auge, die Altersempfehlung des Theaters – ab sechs – scheint schon fast übervorsichtig. „Handys aus!“, mahnt am Anfang Wachtmeister Dimpflmoser, und dann nimmt die altbekannte Geschichte, nah am Original, ihren Lauf: Kasper und Seppel wollen den Geburtstag der Großmutter feiern, doch das Geschenk – die klingende Kaffeemühle – hat es auch dem Räuber angetan. Der klaut sie also, Kasper und Seppel gehen mit einem nur mittelguten Plan ans Werk, um den Räuber dingfest zu machen. Das klappt nicht so ganz, alsbald kommt der böse Zauberer Petrosilius Zwackelmann ins Spiel und so weiter und so fort bis zum Happy End.

Die Inszenierung mag man als klassisch-konventionell bezeichnen oder auch als etwas bieder. Zumindest müssen Eltern und Lehrer keine Sorge haben, ein bewährtes Stück könnte hier brachial modernisiert worden sein.

Auf der Bühne (Ausstattung: Monika Gora) steht ein hölzerner Riesenkubus zum Drehen und Ausklappen: Omas Häuschen, dann Wald, dann Räuberhöhle, aber auch Zwackelmanns Schloss und dessen Unken-Gruft. Etwas Theaterzauber – Rauch und Flug­einlagen – gibt’s auch.

Das große Kinderstück am Theater Ulm wird diesmal nicht mit Ensemble-Kräften gestemmt, man hat sich dafür Gäste ans Haus geholt. Gespielt und gesprochen wird ohne Mikro, was gegen 800 Kinderstimmen schon eine Leistung ist (aber in Sachen Verständnis nicht immer aufgeht). Lukas Kientzler schießt und niest als Räuber Hotzenplotz, wie sich das gehört, allerdings spricht er – mal mehr, mal weniger – eine Art Schwäbisch. Das muss man mögen, wo doch das Stück so offensichtlich bajuwarischen Ursprungs ist und auch die Musik mit ihrem Stubenmusik-Instrumentarium (Lanzinger Trio) entsprechend eingefärbt ist.

Nils Malten kaspert als Kasper, Teresa Schergaut seppelt als Seppel, aber beide in Maßen; mit seinen Wortverdrehern holt sich Malten („Räuber Rotzenkotz“) zuverlässig die lautesten Lacher ab. Nils Willers hat als Dimpflmoser nicht so viel zu tun, darf als Zwackelmann aber in Vampirgestalt im Glitzerfummel auftreten. Mona Mucke kann als Großmutter, Unke und Fee wenig glänzen.

Nach einer guten Stunde gibt es „Zugabe“-Rufe, und allemal ist dieses Kinderstück nach dem „Schneewittchen“ aus der Vorsaison eine klare Steigerung.

Info Alle weiteren 32 Aufführungstermine unter www.theater-ulm.de

Stimmen von Klein und Groß

„Lustig“, fand die Ulmer Schülerin Anna (6) das Stück, Jana (7) fand „die Zauberei witzig“, Tobias (9) das Stück aber „ein bisschen langweilig“. Der Zauberer hat es auch Bärbel Schmeil angetan. Die Lehrerin war mit der kompletten Grundschule Uttenweiler am Theater Ulm, sie fand das Stück „gut und lustig“. Als „kindgerecht“ lobt Daniela Seiffert die Inszenierung. Der Grundschul-Lehrerin aus Schemmerhofen gefiel besonders, dass das Stück „relativ nah am Buch war“. abo

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