Ulm Noerpel übernimmt Spedition Lebert

Bündeln künftig ihre Aktivitäten: Stefan Noerpel-Schneider (Geschäftsführer Noerpel, r.) und André Biwer (Geschäftsführer Lebert).
Bündeln künftig ihre Aktivitäten: Stefan Noerpel-Schneider (Geschäftsführer Noerpel, r.) und André Biwer (Geschäftsführer Lebert). © Foto: Noerpel
Ulm/Kempten / Frank König 03.09.2018
Der Ulmer Logistikdienstleister tätigt die größte Transaktion der Firmengeschichte und übernimmt Lebert. Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.

Das Traditionsunternehmen Noerpel wächst in eine neue Dimension. Der 1881 gegründete Logistiker erreicht durch die vollständige Übernahme der Spedition Lebert (Kempten) einen Umsatz von annähernd 500 Millionen Euro und bewegt sich damit in der Spitzengruppe der mittelständischen deutschen Spediteure.

Firmenchef Stefan Noerpel-Schneider sagte, der Zusammenschluss sichere vor allem die personellen Ressourcen für die nächsten Jahre. Allein bei Noerpel seien etwa 80 Stellen offen. „Das macht einfach Sinn, wir suchen überall Mitarbeiter.“ Daher seien auch alle Arbeitsplätze sicher. Synergien entstünden in erster Linie durch Bündelung von Transporten und optimale Auslastung der Frachtkapazitäten.

An Kompetenz zulegen

Noerpel übernimmt zum 1. Januar 2019 sowohl die Anteile von Familiengesellschafter Matthias Lebert als auch einer Gruppe von Führungskräften (36 Prozent), die gestern bei der Bekanntgabe der Transaktion im „Löwen“ in Wiblingen André Biwer repräsentierte.

Noerpel-Schneider sieht Lebert bei den internationalen europäischen Routen im Vorteil, so dass man hier an Kompetenz zulegen könne. Die Größenverhältnisse werden an den Umsatz- und Mitarbeiterzahlen deutlich: Noerpel erzielt 2018 voraussichtlich Erlöse von 350 Millionen Euro mit 1800 Mitarbeitern, Lebert 135 Millionen mit 500 Beschäftigten.

Die Spedition Franz Lebert bringt neben Kempten die Standorte Baienfurt bei Ravensburg und Kreuzlingen (Schweiz) mit ein. Mit Noerpel – Sitz im Ulmer Industriegebiet Donautal – verfügt das neue Unternehmen über insgesamt 15 Standorte. Noerpel hatte zuletzt auch die Speditionen Ascherl (München) und Kentner (Heidenheim) sowie den Standort von Kühne und Nagel in Villingen-Schwennningen übernommen.

Die Doppelstandorte Kempten und Ravensburg werden bei Lebert zusammengelegt, wo es größere Speditions- und Umschlagflächen gibt – ohne dass Noerpel aber die eigenen Anlagen dort verkauft. Gemäß der Politik von Noerpel bleibt der Firmenname Lebert lokal erhalten.

Investitionen im Donautal

Auch die Lebert-Geschäftsführer bleiben an Bord. Noerpel-Schneider und Biwer sehen die Fusion als eine Partnerschaft auf Augenhöhe, zumal die Rendite vergleichbar ist. Nähere Zahlen, auch zum Kaufpreis, wurden dazu nicht genannt. Biwer und sein Team setzen inzwischen auch wieder auf eigene Fahrzeuge – im Kempten 40, in Baienfurt 30 – um so Termintreue und Prozesse zu gewährleisten.

Auch Noerpel geht diesen Weg – in Abkehr von der früheren Branchenpolitik, nur noch Subunternehmer zu beschäftigen. Noerpel erweitert derzeit, wie berichtet, auch die neue Logistikanlage für Gardena im Heuweg im Industriegebiet um ein zweites Modul, Gesamtfläche dann 75.000 Quadratmeter.

Das neue Speditionsunternehmen betrachtet sich mit einer fusionierten Lagerfläche von rund 300.000 Quadratmetern als Nummer eins im Südwesten. In der internationalen Ausrichtung will Biwer auch Osteuropa stärker in den Fokus nehmen.

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Fakten zur Firma Lebert Co.

1954 Gründung der Franz Lebert KG in Kempten

1961 Gründung der Lebert GmbH in Baienfurt/Ravensburg

1977 Gründung der Lebert AG CH Will/St. Gallen

1982 Neubau der Speditionsanlage Kempten/Ursulasried

1991 Gründung der Niederlassung Erbach der Lebert KG Kempten

1994 Gründung der Schweizer Holding LeAG

1999 Beitritt zur Mittelstandskooperation CargoLine

2003 Partner des Jahres bei CargoLine

2006 Integration von ABX Bad Waldsee

2007 Gründung der Lebert/NAVIS Übersee Spedition GmbH

2007 MBO – Übernahme von 36 Prozent der Lebert Gruppe durch das Management

2008 Partner des Jahres bei CargoLine

2012 Gründung der K+L Transporte GmbH

2014 Partner des Jahres bei CargoLine

2018 Zusammenschluss mit Noerpel

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