Baustellen Verkehr in Ulm: Friedrich-Ebert-Straße wird für zehn Monate gesperrt

Blick über die Sedelhöfe-Baustelle auf den Doppelanschluss der Passage: Sie muss auch bis März 2020 fertig werden.
Blick über die Sedelhöfe-Baustelle auf den Doppelanschluss der Passage: Sie muss auch bis März 2020 fertig werden. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Frank König 17.11.2018
Um eine hohe Vertragsstrafe bei der Bahnhofspassage zu vermeiden, sperrt die Stadt die Friedrich-Ebert-Straße erneut.

Für die Autofahrer, aber auch den Handel, ist es nochmal ein Hammer. Die Stadt will nach Ende der Baustelle für die Straßenbahn nun 2019 überraschend die Friedrich-Ebert-Straße am Hauptbahnhof für zehn Monate in Fahrtrichtung stadtauswärts sperren: um Verzögerungen bei der Herstellung der Bahnhofspassage aufzuholen und eine Vertragsstrafe gegenüber dem Investor DC von fast vier Millionen Euro zu vermeiden. Eine ähnliche Sperrung bestand schon zum Abriss Bahnhofplatz 7 im Sommer. In diesem Kontext hatte es Anfang September, wie berichtet, noch nie dagewesene Staus in der City gegeben.

Die Pläne wurden den verblüfften Stadträten am Dienstag nicht-öffentlich im Bauausschuss vorgelegt. Sogar eine Vollsperrung des Bahnhofszubringers Friedrich-Ebert-Straße wurde überlegt, aber verworfen. Dies bestätigte auf Anfrage Baubürgermeister Tim von Winning. Sowohl OB Gunter Czisch als auch er selbst hielten dies für unmöglich. Aus Sicht des Baubürgermeisters ist die einseitige Sperrung allerdings unverzichtbar, um eine bruchstückhafte Eröffnung der Sedelhöfe ohne Passage zu vermeiden und Schaden vom Handelsplatz Ulm abzuwenden.

Gemischte Gefühle bei den Stadträten

Die finale Abstimmung über die Sperrung soll zeitnah nächsten Dienstag im Ausschuss erfolgen. Für CDU-Stadtrat Siegfried Keppler steht bereits fest, dass er das Ansinnen des Rathauses ablehnt: „Ich halte das für unmöglich, das würde einen enormen kommerziellen Schaden bewirken.“ Es stelle sich angesichts der Strafhöhe auch die Frage, ob die Verträge mit DC professionell ausgehandelt wurden. Die Freien Wähler wollen sich am Montag mit dem Sachverhalt befassen: „Zehn Monate sind lang“, sagte Gerhard Bühler von der FWG. Die Vertragsstrafe sei angesichts der Baukosten für die Tiefgarage nicht aus der Welt. Für eine Sperrung spreche allerdings, dass die Theater- und Neutor-Kreuzung nach Ende der Tramarbeiten wieder deutlich mehr Verkehr aufnehmen und ableiten können.

Bei der FDP sieht Ralf Milde freilich keinen Ausweg: „Wir kommen nicht an der Sperrung vorbei.“ Man könne die Sedelhöfe im März 2020 unmöglich in einer Baustelle eröffnen. Denn das Untergeschoss mit Mietern wie DM und Edeka wäre dann nicht über die Passage erreichbar.

Seitens der Grünen hält Michael Joukov-Schwelling die Vertragsstrafe über exakt 3,6 Millionen Euro für nicht bezahlbar: „Das ist zu viel.“ Daher müssten die Verkehrsbehinderungen im Kontext der von den Grünen ohnehin abgelehnten Bahnhofs-Tiefgarage hingenommen werden – auch wenn es sich angesichts der langen Zeitspanne um eine „sehr große Zumutung“ handle. Für die SPD berichtete Dorothee Kühne, man habe erst kurzfristig am Dienstag von der Sache erfahren. Sie könne die Begründung einerseits nachvollziehen. Aber man müsse der Bevölkerung dringend klarmachen, dass nach Abschluss der Großbaustelle Straßenbahn planvoll und systematisch weiterverfahren werde. Den vom Handel geforderten, raschen Ausbau der Fußgängerzone hält sie daher vorerst für nicht realisierbar.

Von Winning erläuterte nochmal die bautechnischen Überlegungen, die vor der Abstimmung ebenfalls zur Debatte stehen. Die Stadt will die mehrmonatigen Verzögerungen am Bahnhof dadurch aufholen, dass sie die zwei restlichen von drei Baufeldern für die Passage zu einem einzigen Feld zusammenlegt. Während das Baufeld West beim Bahnhof bereits fertig ist, weil darauf der Deckel für die Tiefgarage mit provisorischer Tramtrasse kommt, bleiben das Baufeld in der Mitte der Friedrich-Ebert-Straße und auf der Cityseite unerledigt. Sie brauchen für Pfahlgründungen unbedingt Zugang von oben. Der Plan sieht nun vor, die verbleibende Autospur stadteinwärts nach Westen auf den Deckel am Bahnhof zu schieben, so dass die restlichen Baufelder zugänglich sind und in Kombination schnell abgearbeitet werden können.

Bessere Lage am Deutschhaus

Wie Bühler verspricht sich der Baubürgermeister Verbesserungen im Verkehrsfluss durch die Fertigstellung der großen Kreuzungen an Olga- und Karlstraße sowie der Herstellung der Bahnanschlüsse am Steg mit Zugang von der Schillerstraße. Auch die Ausfahrt vom Parkhaus Deutschhaus nach Süden soll diesmal möglich sein – zudem die Zweispurigkeit in Ausnahmefällen, man denke an Schwörmontag.

Beim Hamburger Projektentwickler DC Developments glaubt Firmenchef Lothar Schubert weiter an eine koordinierte Fertigstellung: „Wir beschäftigen uns nicht damit, dass es nicht klappt, sondern damit, wie es klappen kann.“ In der IHK, wo man sich zum Verkehrsfluss normal mit dem Rathaus abstimmt, war Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle total überrascht: „Das ist ein bemerkenswerter Vorgang.“ Ohne Details der Sperrung zu kennen, gebe es nur ein „klares Nein“.

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