Vier junge Menschen stehen vor bunten, mit Graffiti besprühten Containern. Eine ungewöhnliche Location für ein Fashion-Shooting. Die Models tragen weiße, graue, schwarze und khakifarbene Shirts. Auf den Kleidungsstücken prangt ein prägnantes Logo. Es ist das Zeichen des Modelabels „Papalapub“.

Papalapub: Football-Spieler der Neu-Ulm Spartans gründeten Label 2013

Papalapub ist ein junges Fair-Fashion-Projekt, das 2013 durch die Freunde Thomas Ghebrezghiher und Sebastian Locher in Ulm gegründet wurde. Die Idee, faire Kleidung zu produzieren, hatte Locher nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch. „Da er mich vom Footballtraining bei den Neu-Ulm Spartans kannte und wusste, dass ich ITler bin, hat mich Sebastian gefragt, ob ich den Online-Shop für ihn erstellen könne. Ich habe damals gesagt: Dann will ich da auch richtig mitmachen“, erinnert sich Ghebrezghiher. Nachdem auch Teamkollege Antonio Petrone einstieg, war das Unternehmer-Trio komplett. Schlussendlich habe „fast die halbe Mannschaft“ das Projekt in den Anfängen unterstützt. Einige halfen beim Drucken der Shirts, andere beim Shooting für die Kollektionen.

Papalapub: Neustart im Januar 2020

In diesem Jahr beleben Ghebrezghiher und Petrone das Label mit der aktuellen Kollektion „Back to the roots“ neu. Diese beinhaltet die Bestseller der vergangenen sieben Jahre mit neuen Farben. Gründer Sebastian Locher ist aus Zeitgründen nicht mehr dabei. Bedruckt werden die T-Shirts und Sweatshirts bei Ghebrezghiher im Keller. Hauptberuflich arbeitet der 29-Jährige als Softwareentwickler in Stuttgart. Er ist bei Papalapub für den Online-Bereich und das Marketing zuständig. Der gebürtige Ulmer Petrone arbeitet als Logistikleiter bei einer Spedition in Laupheim und ist daher für die Logistik und die Produktion bei Papalapub verantwortlich. Das Design der Kleidungsstücke entwerfen Ghebrezghiher und Petrone gemeinsam.


Fair-Fashion-Label bezieht Bio-Baumwolle von Plantage in Bangladesch

Die T-Shirts und Sweatshirts bestehen aus hundertprozentiger Bio-Baumwolle oder recycelten Plastikflaschen, der Druck erfolgt ökologisch mit wasserbasierter Tinte. Die Stoffe beziehen die Modemacher von einer belgischen Partner-Firma, mit der sie seit einigen Jahren zusammenarbeiten. Die Firma hat eine eigene Plantage in Bangladesch, die immer wieder kontrolliert und von sogenannten Non-Profit Organisationen zertifiziert wird. Dort gebe es weder Kinderarbeit noch Chemie und jeder erhalte einen angemessenen Lohn. Die Folien für die Prints, die auf die Shirts gepresst werden, bezieht das Duo von einer Firma in Einsingen. „Es ist gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der das ökologisch und zu einem guten Preis macht und dann auch noch in der Nähe ist“, so Ghebrezghiher. Produzieren würden die beiden nur dann, wenn ein Auftrag eingeht. Der Versand erfolge klimaneutral und sei plastikfrei. „Wir versuchen einfach, so transparent wie möglich zu sein“, führt Ghebrezghiher weiter aus, „in unseren Textilien befindet sich eine Nummer, damit kann man die gesamte Produktionskette nachvollziehen – sogar, wer die Baumwolle gepflückt hat.“


Die Papalapub-Factory: Ein neues Projekt der beiden Freunde

Nachhaltigkeit werde bei Firmen und Vereinen oftmals als aufwendig und teuer angesehen. Um diesem Denken entgegenzuwirken, haben sich die Freunde etwas Neues überlegt: Neben ihrem eigenen Label bieten sie nun seit der Neugründung auch einen Service an: Bei der „Papalapub Factory“ können Firmen, Vereine und Schulen Drucke in Auftrag geben. Zu den Kunden zählen beispielsweise die Universität Ulm Ulm sowie die Realschule in Dornstadt.

Wichtig ist Ghebrezghiher und Petrone nicht nur der Verkauf der Ware, sondern auch der Informationsauftrag, den sie in ihrer Arbeit sehen. „Wir reden an Schulen mit den Jungs und Mädels und sensibilisieren sie dafür, was Bio überhaupt bedeutet, warum es gut ist und erklären, was in der Textilbranche gerade passiert.“

Kleiderspenden für Obdachlose in Ulm und Neu-Ulm

Retouren haben die beiden nicht zu beklagen, wie sie erzählen. Musterbestände oder abgelaufene Kollektionen spenden sie Obdachlosen in Ulm und Neu-Ulm. Als Partner haben sie sich die Diakonie ausgesucht.

Die aktuelle Kollektion „Back to the roots“ ist derzeit nur online erhältlich. Man sei aber auch schon im Gespräch mit lokalen Einzelhändlern, da man sich nur direkt im Laden vor dem Kauf von Material und Qualität überzeugen könne und man natürlich dadurch auch auf Versand und Verpackung verzichtet.