Ulm / Von Frank König Das Druckunternehmern hat nach seiner überraschenden Insolvenz in Eigenverwaltung gute Zukunftschancen, aber 70 Stellen abbauen müssen.

Nach der überraschenden Insolvenz des renommierten Druckunternehmens Höhn im September gibt es eine Lösung zur Fortführung der traditionsreichen Familienfirma. Spielehersteller Ludo Fact aus Jettingen-Scheppach übernimmt den Höhn-Standort im Donautal in Ulm und 110 Mitarbeiter. Es gibt noch kleinere Büros in Ludwigsburg und in Ratingen.

Höhn beschäftigte zuvor rund 200 Mitarbeiter, zuletzt waren es noch 180.  Also gingen 70 Jobs verloren. 40 Beschäftigte konnten im Zuge des Abbaus in eine Transfergesellschaft wechseln. Der Abbau ist demnach bereits zum Jahreswechsel erfolgt. Während der Insolvenz in Eigenverwaltung hatte das Team von Pluta die Restrukturierung übernommen.

Auch die Immobilie erworben

Arndt Geiwitz von der Kanzlei SGP in Neu-Ulm hatte bei Höhn die für Eigenverwaltungen vorgesehene Rolle des Sachwalters der Gläubiger inne. Das neue Unternehmen, das auch die Immobilie erwerben konnte, firmiert unter Höhn Display und Verpackung.

Die Firma war auf Verkaufsaufsteller spezialisiert.  Höhn-Geschäftsführer Ingbert Schmitz soll „mit seiner Expertise“ für das Unternehmen an Bord bleiben, heißt es in einer Mitteilung. Dagegen scheint der frühere geschäftsführende Gesellschafter Sebastian Haug nicht mehr von der Partie zu sein.

Die zur HW-Gruppe von Horst Walz zählende Ludo Fact erweitert mit Höhn ihr Produktportfolio um Displays und Verpackungen wie Faltschachteln. Zudem soll die Wertschöpfungskette vertieft werden, da Ludo Fact, wie es heißt, zusätzliche Fertigungsstufen wie Offsetdruck, Stanz- und Kaschierformate selbst übernimmt. Das Know-how soll auch bei der Herstellung von Spielkarten zum Einsatz kommen.

Anspruchsvolle Spielkarten

So hat Höhn als Zulieferer bereits 2018 Druckerzeugnisse für Spielkarten produziert. In der Mitteilung heißt es, die Produkte seien „unter qualitativen Gesichtspunkten sehr anspruchsvoll – und nur wenige der Lieferanten haben den erforderlichen Maschinenpark“.

Mittelfristig führende Marktposition erwartet

HW-Geschäftsführer Joachim Finkel ist zuversichtlich für Höhn, auch wegen der gut ausgebildeten Mitarbeiter und des Maschinenparks: „Mit der Übernahme können wir unser Produktportfolio um für uns wichtige Produkte und Dienstleistungen erweitern.“ Und: „Unser Schwerpunkt wird nun darauf liegen, die Produktionsleistung deutlich zu steigern.“ Man sei überzeugt, dass durch die Übernahme „mittelfristig wieder eine führende Marktposition für Höhn“ erreicht werden könne.

Die Firmengruppe beschäftigt an sieben Standorten 650 Mitarbeiter. Der Geschäftsbereich Spiele und Puzzles von Ludo Fact  produziert mit Tochterfirmen bis zu 17 Millionen Brettspiele und Puzzles für rund 200 Spieleverlage im Jahr weltweit. In der Hochsaison verlassen über 100.000 Brettspiele sowie Puzzles pro Tag die drei Standorte in Deutschland, Tschechien und USA.

Stellenabbau nach Restrukturierung

Im Zuge der Restrukturierung war zum Jahresende der Geschäftsbereich Akzidenzdruck mit Katalogen und Prospekten komplett eingestellt worden. Er war den Angaben zufolge nicht profitabel zu betreiben. Daher auch der Stellenabbau.

Bei Displays und Verpackungen seien hingegen die Prozesse optimiert worden. Für Pluta waren dabei Maximilian Pluta, Stefan Warmuth und Ludwig Stern im Einsatz. Pluta: „Wir haben die Restrukturierung konsequent umgesetzt und den Betrieb wieder so aufgestellt, dass er profitabel wirtschaften kann.“ Parallel sei die Suche nach Investoren angelaufen. „Mit dem jetzigen Erwerber haben wir für die Mitarbeiter und die Gläubiger die beste Lösung erzielt.“

Sachwalter Geiwitz bewertet den Deal wie folgt: „Neben den Fachexperten aus dem Unternehmen haben in diesem Verfahren Sanierungsexperten aus zwei renommierten Kanzleien optimal zusammengearbeitet. Ein positives Beispiel, wie gut die Eigenverwaltung funktionieren kann.“

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Gründung im Jahr 1910 durch Dr. Karl Höhn

Geschichte Die Gründung der Firma reicht bis 1910 zurück, als Dr. Karl Höhn in Ulm eine Buchdruckerei übernahm. Der in Biberach beheimatete Bereich Papierdruck wurde 2013 nach Ulm verlegt. Es gab Investitionen in den Digitaldruck. Der langjährige Geschäftsführer Lothar Ruhnke zog sich 2010 operativ zurück. Damals hatte Höhn fast 300 Mitarbeiter.