Lyrik Neue Gedichte von Adi Hübel: Heimat, Natur und Liebe

Ulm / abo 01.09.2018

Sieschd, wia dr Wend

die Blätter omtreibt.

Er jagt se do und

dort na

und rom ond nom

ond end Ecka nei.

Am schenschta ischs

wenn r se wia an

feina Schleier

übr d Stroß weht

direkt mir vor

d Fiaß.

Ond i stand

und reg me nemme.

I reg me nemme.

Es hat seinen ganz eigentümlichen Reiz, wie Adi Hübel den Wind in ihrem Gedicht „Dr Wend“ auf Schwäbisch beschreibt. Der Klang des Dialekts gibt ihren Beobachtungen und Empfindungen ein eigene, aber stimmige Note.

In ihrem neuen Lyrikband „Der heiße Sternenhimmel hat sich schon ergeben“ präsentiert Adi Hübel Gedichte, die sich mit ihrer Sicht auf Heimat, mit dem Wandel der Jahreszeiten, mit dem Verhältnis von Mensch und Natur, von Gestern und Heute auseinandersetzen. Dabei sind mehrere Kapitel in schwäbischer Mundart geschrieben: „Schwäbisch isch schee“ lautet eine der Überschriften. Aber ist es für sie nur ein Dialekt? „Also i glaub net. / Wer schwäbisch schwätzt, / der wird des bloß als sei Sproch / vrstanda wella“.

In dieser Sprache also lässt Adi Hübel den Wind wehen und den Schnee fallen, sie riecht „dr Oma ihr Marmorkucha“ und erkennt: „dr Äpfl isch a kloinr Sama“. Glücksgefühle und Sehnsüchte kommen da auf, Erinnerungen an die Mutter, die Kindheit, an verflossene Lieben, an ein gelebtes Leben. Die hochdeutschen Gedichte haben eine andere Form von Klarheit, sind prägnant, aber auch hier stehen hinter jedem Bild starke Emotionen. Und es tümelt nichts: „Oh Heimat, / Wo Schönheit / Den Schrecken / mir färbte / Und überdeckte / Mit warmen Händen. // So fern“

Die Ulmerin Adi Hübel ist nicht nur eine wortmächtige Feministin, eine langjährige Theatermacherin, sondern auch eine fleißige Autorin. In den vergangenen 15 Jahren hat sie drei Lyrikbände, zwei Erzählbände, zwei Kriminalromane, eine CD mit Gedichten und ein Krimi-Hörbuch veröffentlicht. „Der heiße Sternenhimmel hat sich schon ergeben“ enthält gewiss einige der schönsten, reifsten Gedichte, die sie geschrieben hat.

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