Mit dem Neubau der Gänstorbrücke soll alles schnell gehen, und so gaben die Ulmer und Neu-Ulmer Stadträte in einer gemeinsamen Sitzung Gas. Nur eine gute Stunde brauchten sie, um den Zustandsbericht über die 68 Jahre alte Brücke zwischen beiden Städten zu verdauen und die Planungsvereinbarung für den Neubau zu beschließen.
Der Bau der Gänstorbrücke hatte 1950 gerade mal ein Jahr gedauert. Dieses Tempo lässt sich heutzutage nicht mehr vorlegen, sagte der Ulmer Hauptabteilungsleiter Michael Jung: Zwei Städte, zwei Bundesländer, fast unzählige Behörden sind beteiligt. Der vorläufige Zeitplan sieht so aus:

Planung soll schnell beginnen

Im Januar startet die europaweite Ausschreibung, um Planer für den Neubau zu finden, dessen Kosten auf rund 20 Millionen Euro geschätzt werden. Im Frühjahr soll das so genannte Anforderungsprofil stehen: Was soll die neue Brücke alles können? Stadträte mehrerer Fraktionen gaben bereits Wünsche vor. So soll das neue Bauwerk beispielsweise eine Straßenbahn tragen können, Busspuren und Radwege besitzen. Das obligatorische Planfeststellungsverfahren soll dann im Frühjahr 2021 starten.

Bau ab 2023

Geht alles glatt, soll mit der Vorbereitung des Neubaus im Oktober 2022 begonnen werden. Der eigentliche Brückenbau ist ab Frühjahr 2023 vorgesehen, sogar für die Verkehrsfreigabe gibt es schon ein Datum: den 2. Juli 2024.
Der Zeitplan ist allerdings erst mal nur vorläufig, sagte der Neu-Ulmer OB Gerold Noerenberg. „Nehmen Sie das bitte noch nicht zu wörtlich.“

Verkehr bleibt einspurig

Bis der Neubau steht, versucht die Stadtverwaltung Ulm, den Verkehr auf der Gänstorbrücke aufrecht zu erhalten – mehr als einspurig in jede Richtung wird er aber nicht mehr rollen. Der Zustand der Brücke wird mit einer Monitoring-Anlage ständig überwacht. Sollte er sich verschlechtern, stehen mehrere Möglichkeiten im Raum, sagte der für die Verkehrsinfrastruktur zuständige Abteilungsleiter Gerhard Fraidel:
  • Die Brücke könnte für Lkw gesperrt werden. Schwierig, meint Fraidel: „Es hält sich ohnehin keiner dran.“
  • Die Monitoring-Anlage wird mit einer Ampel gekoppelt, die auf Rot schaltet, wenn die Brücke überlastet ist, und keine Fahrzeuge mehr darauf lässt.
  • Die Gänstorbrücke soll zudem so verstärkt werden, dass sie wenigstens vorübergehend stabiler wird. Die Schwierigkeit: Die Verstärkung muss hochwassersicher sein.
  • Wenn alles nichts hilft, müsste die Brücke im schlimmsten Fall komplett gesperrt werden.

Keine Gefahr eines plötzlichen Einsturzes

Eine Spannbetonbrücke wie diese werde nicht urplötzlich einstürzen, sagte Fraidel. „Sie versagt nicht schlagartig, sondern hängt erst mal durch.“ Die möglichen Umleitungsstrecken sind beschränkt: Zur Verfügung stehen die anderen beiden Donaubrücken. „Deshalb betreiben wir diesen großen Aufwand, um die Brücke so lange wie möglich offen zu halten“, sagte Hauptabteilungsleiter Jung.
Angesichts dieser Engpässe nahm der Ulmer SPD-Stadtrat Martin Rivoir einen Vorschlag seiner Neu-Ulmer Kollegin Antje Esser auf: „Wir sollten mal darüber diskutieren, ob wir nicht eine vierte Donaubrücke brauchen.“ Andere Stadträte wie Reinhold Eichhorn (FWG) möchten darüber nicht mehr reden, dieser Vorschlag sei schon vor 40 Jahren beerdigt worden.

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Was wäre, wenn weitere Brücken ausfallen?

Sanierungsbedarf Falls sich der Zustand der Gänstorbrücke so verschlechtert, dass sie komplett gesperrt werden müsste, blieben die Adenauerbrücke und die Herdbrücke als Umleitungsstrecken. Die Adenauerbrücke ist aber selbst marode und soll ersetzt werden. Was, wenn sie den zusätzlichen Verkehr nicht verkraften und ebenfalls ausfallen würde, wollte Thomas Kienle (CDU) wissen. „Was wäre der Plan B?“ OB Gunter Czisch versuchte zu bremsen: „Bitte keine Horrorszenarien.“ In der weiteren Untersuchung und Planung werde auf solche Fragestellungen eingegangen. Die Fachleute der Verwaltung versuchten aber mit allen Mitteln, solche Szenarien zu vermeiden.