Pathologie Mumien riechen muffig wie alter Schinken

Mark Benecke bedient die Krimi-Lust seiner Fans.
Mark Benecke bedient die Krimi-Lust seiner Fans. © Foto: Sonja Fiedler-Tresp
Ulm / Sonja Fiedler-Tresp 14.11.2018

Zimperlich darf Mark Ben­ecke nicht sein. „Sperma, Haare, Blut, Insekten, Kot  – das sind die Fenster, die wir benutzen.“ So beschrieb der promovierte Kriminalbiologe im vollbesetzten Roxy die Grundlagen seiner Arbeit, für die nur Daten und Fakten zählen. Der aus TV-Kriminalformaten bekannte Benecke plauderte auch locker über die „Body Farm“ im amerikanischen Tennessee, einer Art Freiluft-Labor, in dem Verwesungsprozesse von Leichen erforscht werden.

Schon vor Beginn bildeten sich – wie bei einem Popstar – lange Schlangen vor der Bühne, weil sich Besucher mit dem Forensiker ablichten und Autogramme geben lassen konnten. „Ich signiere nur Haut und Bücher, sonst nichts“, lautete seine klare Anweisung. Zum Selfie-Vergnügen hielt er zwei Fauch-Schaben bereit.

Mit vielen Fotos, die häufig Knochen, Leichen, Maden und Skeletten zeigten, nahm Benecke dann die Zuschauer mit auf eine Reise in die Welt der kriminalistischen Spurensuche. Und machte dabei klar: Forensiker zu sein, habe nichts mit dem Bild zu tun, das im Fernsehen vermittelt wird: „Man wird nie gelobt und kriegt hinterher auch keine Pizza.“

Wichtig ist es, sich beim Untersuchen von Spuren nicht davon beeinflussen zu lassen, ob etwas unwahrscheinlich sei. „Wir hören nie auf, Dinge zu prüfen.“ Im Prinzip müsse man „kindlich sein und alle Spuren spannend finden“. Uninteressant sind für ihn und die Kollegen Zeugenaussagen, da sie keine objektiven Beobachtungen darstellten. Fotos hingegen seien unverzichtbar: „Wenn man alles fotografiert, sieht man nicht nur, was man zunächst wahrgenommen hat.“

Benecke, dessen Spezialgebiet das Untersuchen von Insekten auf Leichen ist, redete drei Stunden lang ohne Punkt und Komma, würzte seine Darstellungen von Verwesungen und Kriminaltechnik mit viel Humor und reicherte seinen informativen und unterhaltsamen Vortrag mit Geschichten an: über schlecht gekleidete Naturwissenschaftler, über die Bedeutung von Gesichtssymmetrie oder die Leistungsfähigkeit von Outdoorkleidung.

In der Pause konnten die Zuschauer Fragen aufschreiben, was sie auch reichlich taten. Wie schlimm der Leichengeruch sei, wollte ein Besucher wissen. Antwort: Häufig sei zum Beispiel ein Käsegeruch wahrzunehmen: „Stellen Sie sich verlaufenen Camembert vor“. Oder ein muffiger Duft, wie „Sie ihn vom Schinken kennen: Das ist Mumiengewebe.“ Verwesung, das betonte der 48-Jährige immer wieder, sei etwas ganz Natürliches: „Alles verwest. Sie selbst auch. “

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