Ulm / Carolin Stüwe  Uhr
Das Grundstück auf dem ehemaligen Moco-Areal an der Blaubeurer Straße in Ulm muss für geschätzte 24 Millionen Euro saniert werden. Der Boden dort ist verseucht.

Die Altlasten auf dem Grundstück auf dem ehemaligen Moco-Areal an der Blaubeurer Straße wiegen schwer: Die geschätzten Sanierungskosten sind innerhalb eines Jahres um sechs Millionen Euro gestiegen. An brisanten Stellen überschreiten die Teerölrückstände den zulässigen Grenzwert um das Tausendfache. Und: Man wird das Sanierungsziel nicht hundertprozentig erreichen. Das berichtete Kristina Schenk, Leiterin der städtischen Unteren Bodenschutz- und Altlastenbehörde, dem Umweltausschuss des Ulmer Gemeinderats.

Ursache: Warum ist die Erde verseucht?

Das ehemalige Moco-Areal heißt korrekt „Braun-Areal“, weil dort einst die Firma Gebrüder Braun ein Bitumenmischwerk betrieben hat. Dabei wurde die Erde „mit richtig vielen Teerölen“ verseucht, die heute noch ins Grundwasser tröpfeln, sagte Kristina Schenk. Da die Firma nicht mehr existiert, muss die Stadt als Grundstücksbesitzerin die Altlasten beseitigen, bevor dort Gewerbebetriebe bauen dürfen.

Zeitplan: Wie lange dauern die Bauarbeiten an?

Nicht schon im Herbst dieses Jahres, sondern erst Mitte 2020 sollen die Aushubarbeiten beginnen und voraussichtlich 15 Monate dauern. Das verunreinigte Erdreich wird nicht großflächig ausgehoben, sondern Stück für Stück mittels Großlochbohrungen. Jedes Loch im Durchmesser von zwei Metern wird zur Stabilität der Baustelle sofort wieder mit Kies und Erde verfüllt.  Derzeit wird aber erst ein Planer gesucht, der wiederum die Ausschreibung übernimmt, um eine geeignete Firma zu finden.

Das Interesse von Firmen am Moco-Areal ist groß. Die Vermarktung dauert allerdings noch etwas. Die Gründe sind vielfältig.

Kosten: Wie viel kostet die Sanierung des Moco-Areals?

Bei der ersten Kostenschätzung vor einem Jahr mit fast 18 Millionen Euro waren noch nicht die Ausgaben für den Abriss bestehender Hallen enthalten. Außerdem hat sich aufgrund der bisherigen Bodenuntersuchungen der Aushubbereich vergrößert. Allein die Entsorgungskosten dafür liegen derzeit bei acht Millionen Euro. Dazu sagte Umweltbürgermeister Tim von Winning: „Das ist nur eine Annäherung an die Kosten.“ Zudem sei es noch völlig unklar, wo die Erde überhaupt verbrannt wird, denn das Material sei so verseucht, dass es nicht auf einer Deponie gelagert werden darf. Also geht man derzeit von Gesamtkosten in Höhe von 23,9 Millionen Euro aus. 60 Prozent (14,3 Millionen Euro) davon übernimmt das Land. Für die restlichen 9,6 Millionen Euro hat der Umweltausschuss nun einer „Pflichtrückstellung“ seitens der Stadt Ulm zugestimmt, sonst gibt’s keine Zuschüsse.

Gesundheit: Gefahr durch die Verseuchung

Die Arbeiter, wissenschaftliche Mitarbeiter und eventuell sogar Baustellenbesucher aus dem Gemeinderat müssen in den drei verschieden stark belasteten „Schadenszonen“ der künftigen Sanierungsbaustelle unbedingt Schutzkleidung tragen. Die Arbeiter, die nahe an den Bohrlöchern beschäftigt sind, werden trotz dortiger Luftabsauganlage sogar einen Atemschutz anlegen müssen. „Aber nicht etwa, weil die Luft voller Gifte wäre, sondern vor allem deshalb, weil Teeröle unheimlich stinken“, sagte Kristina Schenk.

Grundwasser: Gefahr durch Verseuchung des Trinkwassers in Ulm

Dass nach der Sanierung noch jahrzehntelang Teerölrückstände im Grundwasser zu finden sein werden, sei nicht tragisch, weil der Grundwasserabstrom Richtung Osten parallel zur Blau verläuft. Er flankiert keine Trinkwasserbrunnen, „und die Donau ist sehr weit weg“, sagte die promovierte Geologin.

Erfolg: Wie weit kann der Boden wiederhergestellt werden?

Ein hundertprozentiges Sanierungsziel werde man aber nie erreichen, „selbst dann nicht, wenn wir noch mehr Geld ausgeben würden“. Zur Erfolgskontrolle wird der sanierte Boden noch etwa drei bis fünf Jahre lang beprobt. Aber jetzt bereits lasse man den Sanierungsplan vom Regierungspräsidium Tübingen für verbindlich erklären, „damit später niemand eine Nachsanierung einfordern kann“.

Elf Meter tief wird in der am meisten belasteten Kernzone gebohrt, weil dort die Teeröle und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) das Erdreich am meisten belasten.

Neubau: Wann wird auf dem Grundstück gebaut?

Das belastete Grundstück ist 20.000 Quadratmeter groß, die Erde wird aber nur auf 7200 Quadratmetern herausgeholt. Das gesamte ehemalige Moco-Areal ist indes 60.000 Quadratmeter groß, weshalb ganz im Westen bald mit der „Grundstücksentwicklung“ wie der Erschließung begonnen werden könne, sagte von Winning.

Das könnte dich auch interessieren:

Die Polizei hat eine Jugendliche in Ulm zweimal festgenommen, nachdem sie am Pfingst-Wochenende einen Container in Brand gesteckt hatte und randalierend durch die Innenstadt gezogen war.

Besonders gefürchtet bei Autofahrern ist plötzlich auftretender Starkregen - dann kann es zu Aquaplaning kommen. So verhältst du dich richtig.