Leitartikel Chirin Kolb über den Abriss der Gänstorbrücke Mehr in die Brücken investieren

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Autorenfoto © Foto: Könneke Volkmar
Ulm / Chirin Kolb 06.10.2018

Baustellen und kein Ende: Darauf können sich die Ulmer, Neu-Ulmer und Auswärtigen einstellen. Auch wenn die größten Baustellen am Bahnhof in zwei, drei Jahren abgeschlossen sind, die nächsten gravierenden Verkehrseinschränkungen an besonders neuralgischen Stellen schließen fast nahtlos an: auf den viel befahrenen Brücken.

Die Gänstorbrücke ist nur eine davon. Dass die Schäden so groß sind, kam überraschend – einerseits. Andererseits ist sie fast 70 Jahre alt und hat damit die rechnerische Lebenserwartung eines solchen Bauwerks nahezu erreicht. Sie wurde wie die beiden anderen Donaubrücken nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut. Deshalb ist es kein Wunder, dass die Adenauerbrücke ebenfalls ersetzt werden muss. Die weiteren Brücken der Hauptschlagader B 10 entstanden im Zuge des Autobooms der 60er, 70er Jahre, sind ebenso mehr oder weniger angeschlagen. Auch da stehen Generalsanierungen an. Mindestens.

Ob an der Donau oder der B 10, der Eingriff in den Verkehr wird gravierend. Damit überhaupt noch was rollt, will die Stadtverwaltung Ulm erst die neue Gänstorbrücke in Betrieb nehmen und dann die Adenauerbrücke angehen. Das ist vernünftig. Die B 10-Brücken sind in diesem Plan aber noch nicht eingetaktet. Dass nun so viel auf einmal kommt, liegt sicher am Alter der Brücken, aber nicht nur. Es herrscht Sanierungsstau an der Verkehrsinfrastruktur, und es rächt sich, dass Ulm in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten zu wenig für den Erhalt der Brücken getan hat.

Sicherheit geht vor

Das muss ein Ende haben. Die Stadt muss mehr in ihre Brücken investieren. Diese Großbaustellen müssen zudem gut koordiniert und aufeinander abgestimmt sein. Gerade bei der Gänstorbrücke sollten die Stadtverwaltungen Ulm und Neu-Ulm Tempo machen. Nicht nur, weil die Reduzierung auf eine Fahrspur je Richtung für einen Engpass sorgt. Sondern weil gar nicht absehbar ist, wie lange die Brücke überhaupt noch hält.

Bei allem Verdruss über Verkehrsbehinderungen, Staus und Umleitungen: Sicherheit geht vor. Natürlich ist es ärgerlich für Autofahrer, wenn die Beringerbrücke gar nicht mehr befahrbar ist und die Gänstorbrücke nur noch eingeschränkt funktioniert. Ohne gleich eine Katastrophe wie in Genua beschwören zu wollen: Dank solcher Vorsichtsmaßnahmen ist in Ulm noch niemand zu Schaden gekommen.

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