Bauen Mehr Aufenthaltsqualität im Dichterviertel

Ulm / Chirin Kolb 13.02.2018
Für das nördliche Dichterviertel liegt ein Gestaltungshandbuch für den öffentlichen Raum vor. Es soll für höhere Aufenthaltsqualität sorgen.

Seit 2011 ist das Dichterviertel Sanierungsgebiet, und in dem Quartier zwischen Bahngleisen und Hindenburgring tut sich bereits einiges. Am auffälligsten ist die Neubebauung des Ulmer Investors Pro Invest, der parallel zum Hindenburgring Wohnungen, ein Hotel und Mikroapartments entwickelt (siehe Info-Kasten). Es wird nicht das einzige größere Projekt bleiben. Der städtebauliche Rahmenplan aus dem Jahr 2014 sieht in dem innenstadtnahen und verkehrsgünstig gelegenen Viertel eine dichte Bebauung vor. Als Ausgleich soll der öffentliche Raum „qualitativ hochwertig“ gestaltet werden.

Wie das aussehen soll, hat sich das Berliner Büro Böhm, Benfer, Zahiri Landschaften Städtebau (bbzl) im Auftrag der Sanierungstreuhand Ulm überlegt. Herausgekommen ist ein 60-seitiges Gestaltungshandbuch für den öffentlichen Raum im nördlichen Dichterviertel, das im Stadtentwick-
lungsausschuss vorgestellt wurde. Es wird nicht als Ganzes umgesetzt, sondern gibt über mehrere Jahre einen Rahmen vor.

„Das Konzept beruht darauf, die Grenzen zwischen dem privaten und dem öffentlichen Raum zu öffnen“, sagte Anne-Marie Moll, bei der Sanierungstreuhand für das Dichterviertel zuständig. Wenn die Bebauung dicht ist und künftig mehr Menschen im Dichterviertel leben werden als bisher, sollen die Freiflächen viel Aufenthaltsqualität bieten und die Grünflächen aufgewertet werden.

Wesentliche Inhalte des Gestaltungskonzepts sind:

Straßenraum Innerhalb des Quartiers soll der Autoverkehr zurückgenommen werden – zumindest optisch. Zwischen Gehwegen und Fahrbahnen soll es keinen Höhenunterschied geben, keine Bordsteine also. Die Bereiche für den Autoverkehr und für Fußgänger, zum Parken und zum Verweilen sollen sich durch Material und Ausstattung unterscheiden. Für die Fahrbahnen ist Asphalt vorgesehen, für die übrigen Zonen ein Beton-Plattenbelag in unterschiedlichen Grautönen.

In der Kleist- und Mörikestraße schlägt das Büro zwischen Häusern und dem eigentlichen Gehweg so genannte Traufstreifen vor. Die Anwohner können diese Streifen nutzen, um beispielsweise Bänke aufzustellen. Auch das soll die Aufenthaltsqualität erhöhen. Auf jeden Fall möchte die Stadt verhindern, dass das Viertel zugeparkt wird von Pendlern, die die Nähe zum Bahnhof nutzen und zum Zug wollen. Für sie baue die Deutsche Bahn in der Schillerstraße ein Parkhaus, sagte Baubürgermeister Tim von Winning.

Grün Im Quartier sollen laut von Winning so viele Bäume wie möglich gepflanzt werden. Die Möglichkeiten sind aber begrenzt, denn im Untergrund verlaufen Leitungen und Kanäle. Dennoch soll das Gebiet möglichst grün werden. Von Winning: „Wir haben um jeden Baum gekämpft.“

Blau Mehr Grün ist etwa an der Blau möglich. Das Ufer soll aufgewertet werden, beispielsweise mit einer grünen Böschung und Sitzstufen im Süden. Ein Uferweg soll als Geh- und Radweg die Schillerstraße mit dem Glacispark im Westen verbinden.

Stadtplatz An der Kleiststraße ist ein Stadtplatz geplant als Zentrum des Quartiers: mit Bäumen, Sitzgelegenheiten, mehreren Aufenthaltsbereichen für eine „multifunktionale Bespielung“. Am nördlichen Ende ist Platz für Gastronomie.

Bei den Stadträten stieß das Konzept auf Zustimmung, bei manchen sogar auf Begeisterung. Allerdings gab es durchaus auch kritische Anmerkungen. Gerhard Bühler (FWG) fürchtet, dass die Parkplätze für all die Bewohner, Besucher und Hotelgäste bei Weitem nicht ausreichen. Er zeigte sich zwar überzeugt vom Gestaltungshandbuch. Aber: „Das ist nur ein Rahmenplan. Und wir weichen ständig von unseren Rahmenplänen ab.“ Gerade im Dichterviertel: Pro Invest dürfe fünfgeschossig bauen, obwohl diese Höhe im Rahmenplan nicht vorgesehen ist. Der Baubürgermeister verteidigte die Höhe. Sie sei an dieser Stelle städtebaulich gerechtfertigt und verträglich.

Wohnungen, Hotel und Mikroapartments

Erster Bauabschnitt Im nördlichen Dichterviertel gibt es aktuell zwei markante Bauvorhaben des Ulmer Investors Pro Invest. In der Nähe des Blaubeurer Rings entstehen derzeit ein Vier-Sterne-Hotel mit 148 Zimmern, Konferenz- und Veranstaltungsräumen sowie 74 Wohnungen und eine Tiefgarage mit 179 Stellplätzen. Die Wohnungen sind zum 1. April bezugsfertig, und das Hotel soll ebenfalls im April fertig werden. Das Investitionsvolumen für diesen Abschnitt liegt bei mehr als 50 Millionen Euro.

Zweiter Bauabschnitt Direkt daneben sind 112 Mikroapartments und 59 Wohnungen für betreutes Wohnen geplant. Der Baubeginn ist für das zweite Quartal 2018 vorgesehen. Mikroapartments sind Mietwohnungen auf Zeit, etwa für Pendler.

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