Katzenfreunde kennen das unangenehme Gefühl nur zu gut, wenn „Tiger“ oder „Schnurri“ nach dem Rundgang im Revier nicht mehr wie gewohnt an der Balkontür erscheint. Gleich kommen einem die schlimmsten Gedanken, was passiert sein könnte. So erging es auch Sigrid Türck in ihrem Haus in der Oststadt, als ihr großer roter Kater selbst zur Frühstückszeit noch nicht zu Hause war. „Ich wusste gleich, dass da was nicht stimmt“, erzählt die heute 52-Jährige. Denn das Fortbleiben von Luigi  liegt schon gut vier Jahre zurück.

 Sigrid Türck suchte sofort in allen Straßen und Gärten der Umgebung mit Hilfe ihres Hundes Emma nach Luigi. Denn der Labrador und der damals vierjährige Kater waren dicke Freunde. Sigrid Türck und ihr Mann hängten Plakate auf, riefen im Tierheim an und meldeten den Verlust ziemlich bald bei Tasso an. Denn dort ist Luigi anhand seiner Tätowiernummer im Ohr sowie seiner Transpondernummer am Chip unter der Haut registriert. Aber keiner wusste etwas von dem vermissten Tier.

Sigrid Türck fuhr drei Wochen lang immer wieder die Umgebung ab. Acht Wochen nach Luigis Verschwinden – „ich habe die Hoffnung nie aufgegeben, dass er doch wiederkommt“ – stieß die Katzenfreundin auf einen Notfall: Jungkatze Bibi musste schnellstens aus einer schlechten Haltung vermittelt werden, und zur Gesellschaft wurde der gleichaltrige rote Kater Oscar von einem Bauernhof geholt.  Beide lebten sich in ihrem neuen Zuhause ein und genossen vier Jahre lang ihr Leben als Familienmitglieder.

Vor gut vier Monaten klingelte das Telefon. Ein Vertreter der Tierschutzorganisation Tasso rief an, Luigi sei in Ludwigsfeld aufgetaucht. Sigrid Türck kamen die Tränen. Dann ging alles sehr schnell: Adressen wurden ausgetauscht, das Ehepaar Türck fuhr nach Ludwigsfeld. Dort hatte ein Mann in seinem Büro Luigi vier Jahre durchgefüttert und ihm für den Winter eine Holzhütte zugänglich gemacht. Als der Kater eine Verletzung hatte, war der Mann mit ihm zum Tierarzt gegangen. Dieser hörte heraus, dass der Kater zugelaufen war, las die Chipnummer ab und informierte Tasso.

Weil Türcks im Ludwigsfelder Büro zunächst niemanden antrafen, rief Sigrid Türck im Garten laut nach Luigi: „Er kam angelaufen und hat sofort mit Emma geschmust“, erzählt sie. Der inzwischen eingetroffene Mann sei völlig überrascht und zugleich traurig gewesen, als der rote Kater mitgenommen wurde. Aber er habe Luigi am nächsten Tag in der Oststadt besucht und gesehen, dass sein Bürokater doch mehr Bezug zur alten Heimat habe, sagt die glückliche Katzenbesitzerin. Wie kam der Freigänger überhaupt nach Ludwigsfeld? Sie vermutet, dass er wieder mal in ein fremdes Auto eingestiegen war.

Bei aller Freude ist nun ein anderes Problem entstanden: Der selbstbewusste Luigi duldet Bibi seither immer noch nicht in seiner Nähe. Selbst homöopathische Tropfen konnten ihn nicht besänftigen. Sigrid Türck spielt nun schweren Herzens mit dem Gedanken, für Bibi eine neue ruhige Bleibe  – ohne Kinder und andere Katzen – zu finden.

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Bundesweites Register für Haustiere

Nutzen Jeder Tierhalter kann sein Tier unter Angabe von Art, Rasse, Alter, Beschreibung und Name des Tieres sowie ISO-Transpondernummer und/oder Tätowiernummer und seinen Kontaktdaten kostenlos beim Verein Tasso registrieren lassen – auch übers Internet. Die individuelle Markierung eines Haustieres durch die Implantation eines Transponders (Chip) oder durch eine Tätowierung bei einem Tierarzt ermöglicht es, ein entlaufenes Tier später sicher zu identifizieren. Mehr unter www.tasso.net