Stadtgestaltung Lob für neue Bahnhofspläne in Ulm

Ulm / Chirin Kolb 26.06.2018
Der überarbeitete Entwurf für den Ulmer Bahnhofplatz stößt weitgehend auf die Zustimmung der Stadträte.

Viel Lob, nur zwei kritische Stimmen, einige Nachfragen zu Details und am Ende ein einstimmiges Ja, diese Planung fortzusetzen: So verlief die Diskussion über die völlig überarbeiteten Pläne für den künftigen Bahnhofplatz im Bauausschuss des Gemeinderats. Er hatte den ersten Entwurf der Arbeitsgemeinschaft Hummert, Hullak, Rannow im Herbst in der Luft zerrissen. Umso angetaner waren die Stadträte nun von der überarbeiteten Version der Architekten.

Sie schlagen unter anderem einen einheitlichen Bodenbelag aus Guss-Asphalt vor, der sich über den Platz, die Fahrspuren und die Nahverkehrstrasse erstreckt und so den Platz-Charakter betonen soll. Das Dach am Eingang zum Bahnhofsgebäude und die beiden 36 Meter langen Dächer an den Haltestellen tragen gestalterisch die gleiche Handschrift. Auf dem Platz verteilt sollen große „Charakterbäume“ stehen, wie Projektleiter Peter Rimmele sagte. Die Gestaltung des Platzes betone die beiden Fußgängerüberwege vom Steg zu C&A sowie vom Bahnhofsgebäude zum künftigen Albert-Einstein-Platz an den Sedelhöfen. Die Stadtverwaltung hatte den neuen Entwurf kürzlich in einer Info-Veranstaltung präsentiert (wir berichteten).

CDU nicht geschlossen dafür

Im Bauausschuss gab es viel Lob für diesen Entwurf. „Sehr angetan“ ist Dorothee Kühne (SPD): „Dieser lange Weg hat sich gelohnt.“ So sieht es auch Annette Weinreich (Grüne). „Das ist ein Entwurf aus einem Guss.“ Die Freien Wähler stimmten in den Lobgesang ein. „Jetzt haben wir den Knoten durchstoßen“, sagte Gerhard Bühler. „Was lange währt, wird endlich gut.“

Unterschiedliche Meinungen gibt es in der CDU. „Der Großteil der Fraktion findet den Entwurf gelungen“, sagte Winfried Walter. Der Fraktionsvorsitzende Thomas Kienle gehört nicht dazu. „Die Fortsetzung des Status quo mit anderen Dächern“, nannte er die Pläne, die ihn an eine „Vorort-S-Bahn-Station“ erinnern. Funktional habe der Platz nichts dazugewonnen, „der große Wurf ist es nicht“. Bei der Abstimmung war Kienle nicht mehr anwesend.

Kritische Fragen kamen aber auch von Stadträten, die den Entwurf befürworten. In der Diskussion stand vor allem der einheitliche Bodenbelag. Wenn Fahrbahn und Bustrasse farblich nicht unterscheidbar sind, bieten sie dann genügend Sicherheit gerade für Radler und Fußgänger? Diese Frage treibt einige Räte um. Für Sicherheit werden Ampeln, Bordsteine und Abgrenzungen wie Linien, Poller und Markierungsnägel sorgen, sagte Baubürgermeister Tim von Winning. Der Verkehr dürfe sich jedenfalls nicht selbst organisieren wie in der Neuen Mitte. Dafür seien am Bahnhof schon allein viel zu viele Fußgänger unterwegs.

Neben dem Thema Sicherheit steht für Kienle und seinen Fraktionskollegen Siegfried Keppler die Farbe des Belags im Fokus. Ist er zu dunkel, könnte er im Sommer zu viel Hitze ausstrahlen. Für problematisch hält Keppler zudem den Radweg, der auf der Bahnhofseite neben der Fahrbahn geplant ist. Ob Radler dort tatsächlich anhalten, wenn die Ampel Rot zeigt, bezweifelt auch Uwe Peiker (Linke). Er fürchtet, dass sie auf den Platz ausweichen und mit Fußgängern kollidieren. Ihm gefällt der Entwurf  an sich hervorragend. Dennoch müsse sichergestellt sein, dass die Friedrich-Ebert-Straße als wichtige Verkehrsachse „ihre Rest-Leistungsfähigkeit“ erhält.

Mit dem künftigen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) werden sich die Gemeinderäte erst im Herbst befassen.

Belag aus einem Guss

Asphalt Der vorgeschlagene Guss-Asphalt auf dem Bahnhofplatz hat Einschlüsse aus Donaukiesel, so dass die Wirkung eines Terrazzo-Bodens entsteht ähnlich wie in Winterthur (Foto). „Der Terrazzo-Gussasphalt ist das einzige Material, das für alle Bereiche funktioniert“, sagt Architekt Jens Rannow. Es sei strapazierfähig, auch für Fahrspuren und Nahverkehrstrasse geeignet, lasse sich schnell und unkompliziert ausbessern und sei günstig. Weiterer Vorteil: Durch die gesprenkelte Wirkung fallen Kaugummiflecken nicht auf. Der Asphalt wird unterbrochen durch Basaltstreifen „wie bei einem Nadelstreifenanzug“.

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