Ulm / Ulrike Schleicher  Uhr
Die Vollsperrung in der unteren Römerstraße zieht grundlegende Veränderungen für die Anwohner nach sich.

Auf dem Weg zum End­spurt für den Bau der Straßenbahnlinie 2 wird die Infrastruktur des Unteren Kuhbergs nochmal richtig durcheinander gewirbelt. Wie das aussehen wird, haben Vertreter der Stadt, der SWU und der Bauleitung am Donnerstagabend den Anwohnern erklärt.

Es ist ein besonders saurer Apfel, in den die Bewohner des Quartiers rechts und links der unteren Römerstraße beißen müssen. Ab 23. April wird die Römerstraße ab der Weickmannstraße bis zur Saarland-/Westerlinger Straße für den Verkehr gesperrt. Das hat weitreichende Folgen für die gesamte Verkehrsführung, für Parkplätze, Andienung und die Müllabfuhr.

„Wir hätten die Vollsperrung  gern vermieden“, sagte Baubürgermeister Tim von Winning. Weil jedoch innerhalb der Baumaßnahme unvorhersehbare Schwierigkeiten aufgetaucht seien, werde die Zeit langsam knapp. So sei beispielsweise die Kreuzung an der Saarlandstraße fast nur „mit Handarbeit“ zu bearbeiten, sagte der zuständige Bauingenieur. Dort lägen so viele Leitungen kreuz und quer, dass ein Bagger oft nicht eingesetzt werden könne. Zudem seien die Abwasserkanäle in mehreren Teilbereichen in einem schlechteren Zustand, als ihn die Kamera gezeigt habe.

Die positive Folge: SWU und Stadt werden alle Leitungen austauschen und neue Abwasserkanäle mit einer größeren Dimensionierung einbauen. Damit habe man die kommenden 30 Jahre Ruhe. Zu 90 Prozent sei dies bereits erledigt, so der Bauingenieur. Viel Zeit brauche auch ein aufwändig zu bauendes System, das die Erschütterungen der Straßenbahn in diesem Abschnitt auf 100 Metern abfedere. „Es ist einfach schneller zu bauen, wenn kein Verkehr ist.“

Verkehrsführung Die St.Barbara-Straße und Westerlinger Straße werden im Zuge der Sperrung in beide Richtungen befahrbar sein. Die Haßlerstraße wird Einbahnstraße in Fahrtrichtung Römerstraße. In der „kleinen Zinglerstraße“ an der St. Hildegard-Schule wird die Einbahnregelung umgedreht.

Umleitungen Der Verkehr zum Kuhberg, zu den Schulzentren etwa, wird über die B 311 und den Kuhbergring umgeleitet. Schilder an der Zinglerstraße sollen auf die Umleitung aufmerksam machen, erklärte Torsten Fisch, Leiter der Task Force Linie 2. Für den ÖPNV gilt: Busse fahren über St.Barbara- und Westerlinger Straße, die Haltestelle Römerplatz entfällt, es wird eine Ersatzhaltestelle am Speidelweg eingerichtet.

Parkplätze Natürlich fallen Parkplätze an den Straßen weg. „Wir haben es aber geschafft, die vorhandenen so umzustrukturieren, dass wir jetzt mehr zur Verfügung haben“, sagte Ralf Gummersbach von der SWU Verkehr, der die Änderungen in der Veranstaltung präsentierte. In der Haßlerstraße werden auf beiden Seiten insgesamt 15 Plätze angeboten. Sie stehen den Anwohnern der Römerstraße zur Verfügung. In der St.Barbara-Straße kann auf der linken Seite stadteinwärts nicht mehr geparkt werden. Dafür steht Fläche rechts zur Verfügung. Auch für die Andienung in der Römerstraße stehen Plätze zur Verfügung. In der Westerlinger Straße ändert sich hinsichtlich der Parkplätze nichts.

Müllabfuhr Weil die Ziegelgasse, die Starengasse, der Sebastian-Fischer-Weg und die Römerstraße nicht angedient werden können – bis auf Feuerwehr und Rettungsdienst – müssen die Anwohner ihre Mülltonnen zu Sammelstellen bringen. Ganz fest stehen diese noch nicht, so Fisch. Eine könnte in der Saarlandstraße sein, eine „Am Riedfleck“ und eine am Weyermannweg.

Klar, dass die Bürger nicht begeistert waren. Befürchtet wird ein Suchverkehr in den zum Teil engen Straßen, um Umleitungen und eventuelle Staus zu umgehen. Die Parkplätze waren ebenfalls ein großes Thema. Erstens, ob sie ausreichen. Zweitens die Umstände, die man in Kauf nehmen muss. „Das ist ganz schön weit für mich mit dem Einkauf von der Haßlerstraße hoch zu mir zu gehen“, sagte eine Frau, die in der Römerstraße auf Höhe der Starengasse wohnt. In der Kritik war auch die Lage der Müllsammelplätze am Weyermannweg und vor allem an dem in der Saarlandstraße in der Nähe der Bushaltestelle. „Das gibt Chaos“, meinte ein Zuhörer. Dort stiegen eine Menge Schüler aus. Man würde das nochmals überprüfen, versprach Fisch.

Andere regten mehr Geschwindigkeitskontrollen an – „es wird bereits häufiger als üblich kontrolliert“, sagte von Winning. Mehr Kapazität hätten die Bürgerdienste nicht. Ein Wunsch war auch, in der Westerlinger Straße öfter mit der Kehrmaschine zu fahren. „Bei uns sind die Autos weiß vor Staub und lüften kann man auch nicht mehr“, sagte ein Anwohner. Andere fragten, ob Gehwege breit genug würden, um mit Rollator und Kinderwagen passieren zu können.

Die Sperrung und wie es weiter geht

Zeitraum Die Vollsperrung beginnt am 23. April und soll Ende gegen Ende September wieder aufgehoben werden. Ab 9. Oktober würden die Probefahrten mit der Straßenbahn beginnen, sagte Torsten Fisch, Task Force-Leiter. Nach der offiziellen Inbetriebnahme am 9. Dezember müssten noch Gehwege fertig gestellt werden, es würden Pflanzungen vorgenommen und Grünflächen rekultiviert werden. Nach einem halben Jahr Betrieb könne dann auch das Rasengleis angelegt werden. In der Wörthstraße wird das Regenüberlaufbecken erneuert.