Krane von Liebherr findet man in nahezu allen Ländern der Welt. Doch zuweilen werden die Produkte auch in reichlich exotische Regionen geliefert: Wie das Unternehmen erst jetzt berichtet, war die Lieferung eines Mobil-Krans in die Antarktis eine der bisher aufwändigsten Aufgaben gewesen. Der Kran wird dort für den Umbau einer Forschungsstation eingesetzt. Seit November 2019 ist der LTM 1040-2.1 im Einsatz.

Begonnen hatte das Abenteuer bereits am 21. Dezember 2017: Damals, drei Tage vor Weihnachten, erhielt der Krantechnik-Dienstleister Schmidbauer die Zusage für einen anspruchsvollen Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR): Ein Liebherr-Mobil-Kran des Typs LTM 1040-2.1 sollte für den Umbau der polaren Forschungsstation „GARS O’Higgins“ (German Antarctic Receiving Station O‘Higgins) in die Antarktis transportiert werden.

14.400 Kilometer: Der lange Weg des Krans in die Antarktis.
14.400 Kilometer: Der lange Weg des Krans in die Antarktis.
© Foto: Liebherr

Transport des Krans von Liebherr war ein Wettlauf gegen die Zeit

„Damit begann für uns ein Wettlauf gegen die Zeit“, erinnert sich Minka St. James, Projektleiterin für den Antarktis-Einsatz bei Schmidbauer. „Wir mussten den Kran bereits zwei Wochen später verschiffen, sonst hätten wir ein ganzes Jahr verloren.“

Denn: Die logistischen Möglichkeiten in der Antarktis sind sehr begrenzt, auch gibt es Umweltauflagen. So war zum Beispiel die letzte Etappe von der Südspitze Chiles bis zur Forschungsstation nur durch die Zusammenarbeit des DLR mit dem chilenischen Militär möglich gewesen. Zum Schutz der auf der Insel lebenden Pinguine dürfen Schiffe nicht direkt bis zum Anlegesteg der DLR-Forschungsstation „GARS O’Higgins“ heranfahren. Stattdessen müssen sie ihre Fracht rund zwei Kilometer vor der Küste auf Pontons verladen. Die flachen, an Flöße erinnernden Schwimmkörper können jedoch nur Lasten bis zu 8 Tonnen transportieren.

Binnen rund zwei Wochen musste also nicht nur den Transport in die Antarktis organisiert werden, es galt auch, den Kran in Einzelteile zu zerlegen und die erneute Montage vor Ort zu planen. Bereits am 2. Januar ging es los.

Auch die Zahlen sprechen für sich, der Trip zum südlichsten Kontinent der Erde bedeutete in Zahlen unter anderem:

  • Strecke: 14.400 Kilometer
  • Reisedauer: 53 Tage
  • Transportmittel: 4 verschiedene Schiffe

Der zerlegte Kran wird verladen.
Der zerlegte Kran wird verladen.
© Foto: Liebherr

Das waren die Stationen des Transports in die Antarktis

  • Die Demontage: In Gräfelfing wird der mehr als 10 Meter lange und 24 Tonnen schwere Mobil-Kran LTM 1040-2.1 für den Transport in Einzelteile zerlegt, die jeweils nicht mehr als acht Tonnen wiegen dürfen.
  • Der Transport zum Hamburger Hafen: Sicher verpackt tritt der Kran in Einzelteilen auf Lastkraftwägen die Reise zum Hamburger Hafen an, wo er auf das Containerschiff „Cartagena Express“ verladen wird.
  • Frachtschiff „Cartagena Express“: Die erste Reiseetappe dauert rund 18 Tage. Unterwegs steuert der Frachter die Häfen Antwerpen (Belgien), Caucedo (Dominikanische Republik) und Cartagena (Kolumbien) an und durchquert den Panama-Kanal. Diese 82 Kilometer lange, stark befahrene Wasserstraße, verbindet den Atlantik und den Pazifik.
  • Frachtschiff „Cornelius Maersk“: Im Hafen von Buenaventura (Kolumbien) werden die Kranteile zum ersten Mal umgeladen. Die nächste Etappe der Reise führt den Kran binnen neun Tagen an Bord der „Cornelius Maersk“ die Westküste Südamerikas hinab. Von Kolumbien aus vorbei an Ecuador und Peru bis in den Hafen San Antonio in Chile. Hier wird der Kran auf ein neues Frachtschiff verladen.
  • Frachtschiff „Cophule“: In weiteren 9 Tagen erreicht der Kran die Spitze Südamerikas: Die Stadt Punta Arenas und ihr Hafen gelten als Tor in die Antarktis. Hier enden die Logistikrouten mit kommerziellen Frachtschiffen. Die Weiterfahrt in die Antarktis wird durch eine Zusammenarbeit des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums mit dem chilenischen Militär ermöglicht.

Die kleine Insel mit der Station im Südsommer.
Die kleine Insel mit der Station im Südsommer.
© Foto: DLR

  • Das Treffen von Montage-Team und Kran: Das Montage-Team von Schmidbauer trifft in Punta Arenas ein: Werkstattmeister Michael Paul und Geselle Charlie Zöllner werden den Kran in der Antarktis montieren. Vor der Weiterfahrt an Bord eines chilenischen Militärschiffs prüfen sie, ob der Kran den ersten Teil der Reise unbeschadet überstanden hat.
  • Die „Oscar Viel“ und das Verladen auf Pontons: Die letzte Etappe zur Forschungsstation ist unberechenbar. Das Wetter kann in der Antarktis schnell umschlagen. Während das chilenische Militärschiff die Gewässer vor der Forschungsstation wie geplant erreicht, verhindern zahlreiche Eisschollen das Verladen des Krans auf die Pontons. Erst als sich das Wetter wenige Tage später verbessert, werden die Einzelteile zur Anlegestelle der Forschungsstation transportiert.
  • Die Montage: Statt einer überdachten Werkstatt wurde der Kran im Freien zusammengebaut. Doch die Monteure hatten Glück, die Temperaturen lagen nahe dem Nullpunkt. Nachdem der Kran nach der Montage sofort winterfest gemacht wurde, schloss er im drauffolgenden Südsommer von Dezember bis März 2019 die Testphase erfolgreich ab.
  • Einsatz beim Umbau der Forschungsstation: Mit der Erweiterung der in die Jahre gekommene Infrastruktur der Forschungsstation hat der Kran im November 2019 begonnen. Die Fertigstellung der Umbaumaßnahmen ist für 2022 geplant.

Das ist die Forschungsstation in der Antarktis

Raue Arbeitsbedingungen: So sieht die Station im Winter aus.
Raue Arbeitsbedingungen: So sieht die Station im Winter aus.
© Foto: DLR

Bereits seit 1991 betreibt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt eine polare Forschungsstation auf einer kleinen Insel rund 30 Kilometer vor der Nordspitze der antarktischen Halbinsel. Sie empfängt mit Hilfe einer eigens für den Einsatz in der Antarktis konzipierten Antenne Satelliten- und Erdbeobachtungsdaten.

Die Station GARS ist seit 2010 das ganze Jahr über mit einer vierköpfigen Mannschaft besetzt. Rund zwei bis drei Monate verbringen die Mitarbeiter am Stück vor Ort und erleben dabei Temperaturen von minus 20 Grad und 8 Grad sowie Windstärken von bis zu 200 Stundenkilometern.

Die Forschungsstation ist in zwei Einheiten geteilt: In einem Gebäude sind die Räumlichkeiten für die Forschung untergebracht, im anderen die weitere Infrastruktur. Sie ist notwendig, da die Station autark betrieben wird und über eine eigene Stromversorgung mit Dieselgeneratoren, eine Osmose-Anlage zur Wasseraufbereitung und eine eigene biologische Kläranlage verfügt.

Das Infrastrukturgebäude ist jedoch in die Jahre gekommen und soll deshalb bis 2022 saniert und erweitert werden.