Ulm / Stefan Czernin Das Landgericht Ulm schickt den Angeklagten im Blutrache-Prozess lebenslang ins Gefängnis. Der Deutsch-Albaner wurde wegen Mordes an Xhoi M. am Erbacher Anglersee verurteilt.

Das Landgericht Ulm hat am Mittwoch den angeklagten Deutsch-Albaner zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes verurteilt. Der aufwendige Indizienprozess dauerte ein Jahr lang. Das Gericht unter Vorsitz von Gerd Gugenhan sieht es als erwiesen an, dass der Mittvierziger aus Göppingen zusammen mit einem Komplizen im April 2017 das spätere Opfer Xhoi M. unter dem Vorwand eines Drogengeschäfts an einen Erbacher Anglersee gelockt hatte. Dort töten die Täter das ahnungslose Opfer mit mindestens acht Hammerschlägen gegen den Kopf, verpackten die Leiche in eine Bauplane und versenkten sie in einem angrenzenden Gewässer.

Der Anglersee, in dem der Leichnam etwa einen Monat später entdeckt wurde, gehörte einem Eislinger Fischereiverein. In diesem Verein war der angeklagte Göppinger Geschäftsmann Mitglied.

Im Blutrache-Prozess sieht die Verteidigung ihren Mandanten als Handlanger - nicht als Mörder.

Motiv war Blutrache

Das Motiv für den Mord sei eine Blutrache-Fehde zwischen zwei verfeindeten albanischen Familien gewesen, die sich schon über viele Jahre hinzieht und schon mehrere Todesopfer gefordert hat, erklärte Gugenhan in seiner Urteilsbegründung. Beginnend mit einem Mord in der albanischen Stadt Elbasan am 19. November 2000. Damit folgte er der Argumentation von Oberstaatsanwalt Christof Lehr, in dessen Plädoyer das Blutrache-Motiv eine zentrale Rolle einnahm.

Die Verteidigung versucht weiter, die Anklage in Zweifel zu ziehen. Am 13. März plädiert der Staatsanwalt.

Die Verteidiger hatten eine direkte Tatbeteiligung des Angeklagten sowie das Tatmotiv abgestritten und nur Helferdienste eingeräumt. Entsprechend weit waren die geforderten Haftstrafen in den Plädoyers auseinander gelegen: Die Staatsanwaltschaft hatte auf eine lebenslange Haft wegen Mordes plädiert, die Verteidigung auf maximal vier Jahre und sechs Monate wegen Beihilfe zum Totschlag. Die Verteidigung prüft, ob sie Revision gegen das Ulmer Urteil einlegt.

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