Ulm / Ulrike Schleicher Stadträte informieren sich in Koblenz und Heilbronn und nehmen Anregungen mit. Erschließung der Wilhelmsburg zentrales Thema.

Karin Graf möchte am liebsten gleich loslegen. Vielleicht auch, weil sich gerade ein bisschen Frühling erahnen lässt, und es eine Zeit des Aufbruchs ist. Vielleicht aber auch, weil die Zeit wirklich drängt, wie die CDU-Stadträtin sagt: Noch elf Jahre bis die Landesgartenschau in Ulm stattfindet. Das hört sich lange an. Aber nicht „wenn man weiß, wie zeitintensiv und langwierig Planungen bei uns sind“.

Eine mögliche Seilbahn zur Wilhelmsburg anlässlich der Landesgartenschau 2030 beschäftigt unsere Leser.

Inspirationen aus Koblenz

Ihre Unruhe hat vergangene Woche Nahrung bekommen. Denn da haben Teile des Ulmer Gemeinderats und der Stadtverwaltung Koblenz und Heilbronn besucht, um sich Anregungen für die Landesgartenschau in Ulm 2030 zu holen. In Koblenz fand 2011 die Bundesgartenschau (Buga) statt, in Heilbronn öffnet sie ihre Tore im kommenden April. „Eine dreitägige Reise, die voll von interessanten Informationen war“, lautete der allgemeine Tenor.

Vor allem Koblenz bietet durchaus Parallelen. Dort fließt der Rhein wie hier die Donau, dort thront über der Stadt die Festung Ehrenbreitstein wie hier die Wilhelmsburg, dort gab es unattraktive Areale wie hier das Ehinger Tor und die Bauten entlang der B 10. Koblenz war mit 3,5 Millionen Besuchern einer der erfolgreichsten Bundesgartenschauen überhaupt – das ist in Ulm kein Thema. Jede Menge Erkenntnisse nahmen die Stadträte trotzdem mit nach Hause.

Die Wilhelmsburg mit einer Seilbahn zu erschließen, hat Charme, meint Rudi Kübler. Davor gilt zu klären: Wie wird die Wilhelmsburg bespielt? Wie hoch sind die Kosten einer Seilbahn?

Stadträte von Seilbahn angetan

Zum einen, dass beide Städte gut ein Jahrzehnt lang geplant haben. Zum anderen: „Es geht heute nicht mehr um eine Baum- und Blümlesschau“, sagt etwa Lena Schwelling (Grüne), sondern um einen Innovationsmoment für eine Stadt. „Es ist eine Gelegenheit, hier vernachlässigte Ecken anzupacken und Akzente zu setzen“, meint sie. Auch Dagmar Engels (SPD) sieht eine Gartenschau heutzutage als Programm für Stadtentwicklung. „So wie in Heilbronn, wo man ein ganzes Wohngebiet entwickelt hat.“ Beeindruckt habe sie auch, dass in Heilbronn die Bürger von Anfang an mit eingebunden worden seien – „das ist ein guter Weg“.

Gisela Kochs (FWG) ist unter anderem angetan von der positiven Langzeitwirkung der Buga „auf Bürger und Touristen, wie der OB von Koblenz uns bestätigt hat“. Und dass „Flächen umgestaltet worden sind, die dauerhaft genutzt werden.“ In Heilbronn sei aus besagtem Wohngebiet ein wahres Filetstück geworden.

Die Weiterentwicklung von Wilhelmsburg und Landesgartenschau sollen voneinander profitieren. Ein Blick in die Zukunft mit Katharina Wieder und Jochen Aminde.

Im Zentrum der Begeisterung der Stadträte steht jedoch die Seilbahn in Koblenz, mit der die Festung Ehrenbreitstein erschlossen wird und die Stadt mit dem Gebäude aus dem 16. Jahrhundert verbindet. „Da auch wir Probleme haben, die Wilhelmsburg zu erschließen, ist eine Seilbahn eine wirklich überlegenswerte Alternative“, sagt Lena Schwelling.

Interessante Möglichkeit

Davor muss jedoch erst einmal klar sein, wie die Bundesfestung künftig bespielt wird – darin sind sich alle einig. „Es steckt viel Potenzial drin“, sagt Dagmar Engels, aber die Nutzung müsse kontinuierlich und überzeugend sein, „dann ist auch die Anbindung mit der Seilbahn interessant“. In Koblenz sei der Rhein eine Barriere. „Da müsste man mit dem Bus große Umwege zur Festung nehmen. Das ist in Ulm nicht so.“ Trotzdem: Die Seilbahn sei eine durchaus sehr bedenkenswerte Möglichkeit.

Bei aller Begeisterung – Gisela Kochs und Rose Goller-Nieberle (FDP) geben auch die hohen Kosten für die Seilbahn zu bedenken. „Das ist schon ein Pfund.“ In Koblenz habe ein privater Investor die Kosten übernommen, der allerdings keine schwarzen Zahlen schreiben würde. Dass die Seilbahn viel Geld kostet, ist auch Karin Graf bewusst. Aber es müsse jedem klar sein, dass das Projekt generell „viel Geld und viel Zeit kostet“, wolle man es gut machen. Sie jedenfalls ist begeistert von der Seilbahn und denkt an den großen Wurf – „eine Verbindung hinüber zum Eselsberg“.

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Idee zur falschen Zeit

Experte Berthold Stückle hatte die Projektleitung der Buga Koblenz 2011 und der anstehenden in Heilbronn. Der Ulmer brachte 2012 auch die Idee einer Seilbahn für seine Heimatstadt auf. Damals wurde noch diskutiert, wie Kuhberg und Uni erschlossen werden sollen.

Ablehnung Stückles Idee fiel schließlich der Straßenbahn zum Opfer, welche die Ulmer bevorzugten. Jetzt hat der Landschaftsarchitekt die Delegation auf ihrer dreitägigen Reise begleitet und – wie er sagt – viele Fragen zum Thema Seilbahn beantwortet. Dass die Stadträte das Thema nun wieder aufgreifen, freue ihn: „Vielleicht war es damals die richtige Idee zur falschen Zeit.“