Capos Größenwahn Kult-Wirt Dieter „Capo“ Zauner gestorben

Ulm trauert um „Capo“ Dieter Zauner.
Ulm trauert um „Capo“ Dieter Zauner. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Hans-Uli Mayer 10.07.2018
Trauer in Ulm: Kult-Wirt Dieter "Capo" Zauner ist nach schwerer Krankheit gestorben.

„Ich bin a Kerle fürs Volk“, hat Dieter Zauner zu seinem 70. Geburtstag über sich selber gesagt. Das war im Dezember 2015, jetzt ist der „Kerle“ tot, im Alter von 72 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Viel Zeit ist ihm nicht geblieben, nachdem er im vergangenen Jahr die Diagnose Krebs bekommen hatte. Zum Jahreswechsel hat er noch seine Kneipe an der Platzgasse übergeben, die mit „Capo’s Größenwahn“ nicht nur einen besonderen Namen hatte, sondern schlicht und ergreifend auch besonders war.

Auf der Facebookseite des Lokals steht schlicht: „Das Capos bleibt heute geschlossen.“

Trauer bei Kollegen

„Das ist ein Schock für mich“, rang Großgastronom Ebbo Riedmüller um Worte, als er am Dienstag von der Todesnachricht erfuhr. Zwar hat er von Capos Krankheit gewusst, „dass es jetzt aber so schnell ging, schockiert mich“. Er sei nicht immer einer Meinung mit ihm gewesen, „aber er war ein Typ, ein guter Typ“. Offen, ehrlich, geradlinig. Zauner sei ein Vollblutwirt gewesen, aber einer, der vergleichsweise asketisch gelebt habe. „Er hat keinen Alkohol getrunken und nicht geraucht. Das ist schon verrückt“, sagt Riedmüller.

Ulm verliert ein Original“, sagt Christian Becker vom gleichnamigen Lokal hinter dem Rathaus und dem Stadthaus-Café. „Ich hatte wenig Berührungspunkte mit ihm, kann ich mich aber an Gemeinderatssitzungen erinnern, die wir miteinander verfolgt haben, das war schon echt lustig“, sagt Becker, dem der Tod leid tut: „Das ,Capo’ ist so wie er. Wie er leibte und lebte. Schade.“

Der Weg zum Wirt

1982 hatte sich Dieter Zauner seinen Traum erfüllt und das „Größenwahn“ eröffnet. Dabei war der Weg in die Gastronomie nicht vorgezeichnet. Nach der Hauptschule hatte er eine Lehre als Werkzeugmacher absolviert, danach sein Glück in Südafrika versucht. Lange hatte er es nicht ausgehalten auf der südlichen Hemisphäre. Irgendwann stand er wieder in der Stadt seiner Kindheit und gab seinem Größenwahn Ort und Stimme.

35 Jahre hat er die Kneipe geführt, die er im Zeichen der schweren Krankheit erst zum Jahreswechsel an seine langjährige Mitarbeiterin Selly Stegmann übergeben hat, der er aber noch das Versprechen hatte abringen können, nichts zu ändern. Er selber konnte die Kraft nicht mehr aufbringen für den anstrengenden Job hinter dem Tresen. Zu seinem Selbstverständnis gehörte, die Kneipe selber zu führen und nicht irgendjemanden für sich arbeiten zu lassen.

Schließlich fehlte es ihm nicht an Selbstbewusstsein. Über seine Wirkung wusste er Bescheid und auch über den Wert der Marke Dieter Zauner. „Der Stil bin ich“, sagte er über sich, modisch sah er sich immer an der Spitze der Bewegung. Und zur Bewegung gehörten vor allem die bewegten Bilder der Sportkanäle, die auf mehreren Bildschirmen in seiner Kneipe in der Platzgasse flimmerten. Public Viewing zu Fußball-Ligaspielen im Bezahlfernsehen haben das ,Capo’ praktisch zu einer Sportkneipe gemacht.

Als er zum Jahreswechsel in den Ruhestand getreten war, hatte er gesagt, dass er das Leben jetzt noch genießen wolle. Ausschlafen, frühstücken, und wenn es die Gesundheit erlaube, auch reisen. Viel Zeit ist ihm dazu nicht geblieben. Zauner hinterlässt zwei erwachsene Kinder.

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