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Ein Gerichtsurteil gefährdet Klassenfahrten. Alles geregelt, hieß es im Ulmer Schulbeirat. Aber stimmt das?

Die Skifreizeit fällt aus. Ob es Studienfahrten geben wird, sei fraglich. Dieser Aushang hänge in der Schule ihres Sohnes, berichtete eine Mutter eines Schülers, der ein Ulmer Innenstadt-Gymnasium besucht, über die Unsicherheit, die derzeit auch an hiesigen Schulen in Sachen Klassenfahrten herrscht. Der Mutter, selbst Lehrerin, sind die Freizeiten wichtig, da dort „gruppendynamisch viel passiert“, zumal das „Soziale in Gymnasien meist nicht im Vordergrund steht“. Für die Frau sind Exkursionen „ein Highlight in der Schulzeit“.

Alle sind beunruhigt

Lehrer, Eltern, Schulleiter und Behörden – alle sind beunruhigt wegen der Klassenfahrten, seit es Ende Oktober ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Klassenfahrten gab. Es besagt, dass Schulleitungen keine Exkursionen mehr genehmigen sollen, sofern diese aus dem Budget der Schule nur dann finanziert werden könnten, wenn die Lehrkräfte auf eine Reisekostenvergütung verzichten.

Ein Erlass des Kultusministeriums bringt Ulmer Schulen in Bedrängnis. Vor allem solche, die viele außerunterrichtliche Aktivitäten haben.

Die Aufregung erreichte auch den Schulbeirat, der am Donnerstag in der Syrlinschule tagte. Schließlich hatte zuvor die CDU-Gemeinderatsfraktion bei OB Gunter Czisch beantragt zu prüfen, ob Ulm nicht die Schulen in Sachen Klassenfahrten unterstützen könne. SPD-Stadtrat Georgios Giannopoulos hatte zudem eine Pressemitteilung verfasst. In der fordert er die Landesregierung auf, die Zuschüsse für Klassenfahrten im Nachtragshaushalt „mindestens zu verdoppeln“.

In die Sitzung brachte  Gerhard Semler, Leiter der Abteilung Bildung und Sport, frohe Kunde von seiner Dienstfahrt am Donnerstag mit. In Stuttgart hatte er den Grünen-Landtagsabgeordneten Jürgen Filius getroffen. Der habe ihm gesagt, das Land plane den bisherigen Zuschuss im Nachtragshaushalt zu verdoppeln, und zwar um drei Millionen Euro. Was Semler so auslegte: „Wir können davon ausgehen, dass die Klassenfahrten im nächsten Jahr gesichert sind.“

Worüber sich die meisten Mitglieder im Schulbeirat uneingeschränkt freuten, etwa die Ulmer Bildungsbürgermeisterin Iris Mann („eine tolle Nachricht“) oder auch Gerd Braig, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats der Ulmer Schulen. Hingegen blieb Bernhard Meyer, geschäftsführender Schulleiter der Ulmer Gymnasien, skeptisch.  „Das ist nicht in trockenen Tüchern“, sagte er. Für das Einstein-Schulzentrum, dessen Schulleiter er ist, will er bei Buchungen von Exkursionen abwarten, bis es genaue Budgetzuweisungen gibt.

Kommen die Zuschüsse oder nicht?

Was bedeutet der Zuschuss im Nachtragshaushalt genau? „Noch gar nichts“, sagte Filius gestern auf Nachfrage. Denn über die Zuschüsse werde erst im Laufe des Dezembers beraten, wenn es im Parlament um den Nachtragshaushalt geht. Wobei Filius davon ausgeht, dass es einen höheren Zuschuss für Schulen geben soll, mit dem die Lehrerkosten bezahlt werden können. „Wir wollen helfen, die Schulfahrten stattfinden zu lassen.“

Viele Rückmeldungen von verunsicherten Schulen kennt Jochen Waidelich vom Regierungspräsidium Tübingen. Es weiß jedoch nichts von höheren Zuschüssen. Sein Rat an alle Schulen: Sich an die Richtlinien zu halten, „bis es weitere Auskünfte gibt“. Die Richtlinien besagen, das Budget einzuhalten, das den Schulen über eine Berechnung der jeweiligen Schülerzahl vorgegeben ist.

Kommen die Zuschüsse, kommen sie nicht? Schulleiter wie Markus Pfeil von der List-Schule versuchen sich auf die Unsicherheit insofern darauf einzustellen, dass sie planen. „Wir stellen derzeit alle Fahrten und Kosten zusammen.“ Damit die Schule schnell reagieren kann, wenn es tatsächlich mehr Zuschüsse gibt. Denn den Schulen läuft die Zeit davon. Jetzt müssten nämlich die Studienfahrten für den Sommer der jetzigen Elftklässler gebucht werden. Deswegen will Pfeil reagieren können, „sobald ein offizielles Signal“ kommt.

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Gehen Klassen auf Exkursionen, führen die oft ins Ausland – gerne auch mit einem All-inclusive-Paket.

Wie es die Schulen in Bayern machen

Bayern Einen Stopp für Klassenfahrten gibt es im benachbarten Bundesland nicht. Ein Verzicht der Lehrer auf die Reisekosten ist nicht üblich, Reisekostenvergütung wird aufgrund eines schriftlichen Antrags gezahlt, der innerhalb von sechs Monaten gestellt werden muss. Üblich ist die Praxis, die Fahrten aus dem Schulhaushalt und mit Zuschüssen, auch von privaten Förderern, zu finanzieren.