Ulm / Verena Schühly

Die anhaltend hohe Geburtenrate macht die Planungen der Kinderbetreuung in Ulm zu einem gefühlten Fass ohne Boden. Der 2013 beschlossenen U3-Aufbauoffensive folgte im Oktober 2017 die Ausbauoffensive 2 auf den Fuß.  In dieser zweiten Phase sollen 35,5 zusätzliche Gruppen entstehen. Davon sind aktuell erst 5,5 in Betrieb, zum Start des neuen Kita-Jahrs im September sollen es immerhin 9,5 sein. „Wir kommen voran, aber schnell geht hier gar  nichts“, sagte Günther Scheffold, Chef der Abteilung Kinderbetreuung der Stadt, im Ausschuss Bildung und Soziales des Ulmer Gemeinderats.

Der Vorstoß kommt für die anderen Fraktionen aber zur Unzeit. Daher will niemand will den Vorschlag so unterstützen.

Die Gründe für die Verzögerungen sind vielfältig, erläuterte Sozialbürgermeisterin Iris Mann: Weil es keine geeigneten Räume oder Grundstücke gibt; weil es die Planungskapazität fehlt; weil die Kosten steigen; weil die Zulassung an räumlichen Anforderungen scheitert; weil Nachbarn Einsprüche erheben. Ein Beispiel für letzteres ist die Sozialraum-Kita in Wiblingen: Weil dort die Plätze wirklich knapp sind, wurde 2009 eine Einrichtung in der Biberacher Straße geplant. Die Kita sollte laut Plan 2017 in Betrieb gehen. Doch bis heute gibt es die Einrichtung nicht. Wie Scheffold auf Nachfrage erklärte, ist inzwischen ein anderer Standort in der Reutlinger Straße im Gespräch. „Aber auch der wird mittlerweile in Frage gestellt“, bedauert er.

Stadträte haben einstimmig beschlossen

Als Alternative hat die Verwaltung nun eine viergruppige Kita im Wiblinger Hart 4 auf den Weg gebracht, wo die UWS nachverdichtet. Dort wird sie in ein großes Gebäude mit 24 Wohnungen integriert. Ein Träger für die Einrichtung ist schon gefunden: die gemeinnützige GmbH Himpelchen und Pimpelchen, die im Raum Stuttgart Kitas betreibt. Auch für zwei weitere geplante große Kitas mit jeweils vier Gruppen sind Träger gefunden, berichtete Wolfgang Reck von der Abteilung Kinderbetreuung:  Die von der UWS im Dichterviertel gebaute Einrichtung wird von der katholischen St. Elisabeth-Stiftung aus Bad Waldsee übernommen; die am Safranberg von „Denk mit!“  aus München. In Anbetracht der knappen Plätze haben die Stadträte einstimmig beschlossen, beide um jeweils zwei U3-Gruppen zu erweitern – falls dies von den Planungen her noch möglich ist. In Betrieb gehen sollen die beiden Kitas ebenso wie die in Wiblingen erst 2021. Die Stadträte wollten von der Verwaltung wissen, warum keine Ulmer Träger zum Zuge kamen. Es habe keiner Interesse gehabt, sagte Scheffold: „Unsere Erfahrung ist, dass unsere privaten Träger an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt sind.“ Reck fügte an, dass die drei neuen Träger versichert haben, sich an die Ulmer Qualitäts- und Arbeitsstandards zu halten.

Ganztagsbetreuung muss möglich sein

Auch das Gummi-Welz-Areal in der Weststadt wurde angesprochen: Ein zunächst in der Neubebauung vorgesehener Kindergarten ist gestrichen worden  – und jetzt soll wieder einer vorgesehen werden. Bürgermeisterin Mann meinte, dass sich das aber wohl „erst im zweiten Bauabschnitt“  realisieren lasse. Der Fachbereichsausschuss hat beschlossen, dass die Verwaltung „schnellstmöglich weitere Kita-Standorte ermitteln und prüfen soll, ob bei laufenden beziehungsweise geplanten Wohnbauvorhaben Kitas mit integriert werden können“. Wichtig ist den Räten, dass alle neuen Einrichtungen so auf den Weg gebracht werden, dass grundsätzlich Ganztagsbetreuung möglich ist. Weil es dafür die extra Räume braucht, die bei einem Umbau nur schwer herzustellen sind. Die Sozialbürgermeisterin sprach angesichts des nötigen Ausbaus der Ganztagsbetreuung für Ü3-Kinder auch ein weiteres Problem an, das sich abzeichnet: „Sollte der Rechtsanspruch an Ganztagsbetreuung in der Grundschule kommen, wird sich unser Problem nochmal verschärfen.“

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