Ulm Kienlesbergbrücke für Besucher geöffnet

Ein Ende ist in Sicht: Noch wird gearbeitet auf der Kienlesbergbrücke, Interessierte können aber bereits am Mittwoch bei der Brückentaufe das Bauwerk besichtigen.
Ein Ende ist in Sicht: Noch wird gearbeitet auf der Kienlesbergbrücke, Interessierte können aber bereits am Mittwoch bei der Brückentaufe das Bauwerk besichtigen. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Julia Kling 10.09.2018
Am Mittwoch wird die Kienlesbergbrücke für Besucher geöffnet. Radler und Fußgänger müssen sich jedoch noch gedulden.

Architektonisch ist sie bemerkenswert.“ André Dillmann, Geschäftsführer der SWU Verkehr, ist von dem Bauwerk überzeugt, das sich zwischen Neutor- und Kienlesbergstraße über die Bahngleise spannt. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Brücke eine Konkurrenz fürs Münster wird.“ Die Kienlesbergbrücke, über die von Dezember an die Straßenbahnen Richtung Eselsberg fahren sollen, ist nach gut drei Jahren Bauzeit beinahe fertig. Ein halbes Jahr später als geplant.

Auf 270 Metern Länge wurden seit Juli 2015 insgesamt 2500 Tonnen Stahl verbaut – der sich bei Hitze ausdehnt. „Das bedeutet, dass die Brücke sich über das Jahr hinweg bewegt“, erklärte Dillmann. „Insgesamt 30 Zentimeter.“ Deshalb sei das Bauwerk über Schienenausgleichsstücke und Dehnungsfugen angebunden. „Damit kann die Brücke atmen“, erklärte der SWU Verkehr-Chef beim Rundgang über die Brücke. Die Stahlkonstruktion bedinge auch die schmalen Pfeiler, auf der die Brücke liegt. Die acht Stützen mit einem Durchmesser von je 70 Zentimetern müssen die Bewegung der Brücke aufnehmen. „Sie sind fest angeschweißt und bewegen sich mit“, sagte Thomas Harter, SWU-Projektleiter der Kienlesbergbrücke. „Sie musste also auch aus konstruktionstechnischen Gründen so filigran sein, nicht nur auf Wunsch des Architekten.“

Ruhezonen für Fußgänger

Eben dieser, Bartlomiej Halaczek, wollte mit seinem Konzept, mit dem er 2011 einen international ausgelobten Wettbewerb für sich entschied, der in direkter Nachbarschaft liegenden Neutorbrücke nicht die Schau stehlen. „Vielmehr ist die Wellenbewegung der Kienlesbergbrücke auf die der Neutorbrücke abgestimmt“, sagte Halaczek, der beim in London ansässigen Büro Knight Architects arbeitet.

Die Brücke selbst ist einerseits Teil der Strecke der Linie 2, andererseits auch für Radfahrer und Fußgänger nutzbar. Um den Aufenthaltswert der Brücke für eben diese zu erhöhen, gibt es Ruhezonen entlang des Fuß- und Radwegs. „Hier ist die Brücke auf sechs Meter aufgeweitet und die Leute können den Ausblick auf das Münster genießen“, sagte Halaczek.

Brückentaufe am Mittwoch

Von der Umsetzung können sich Ulmerinnen und Ulmer am Mittwoch einen ersten Eindruck bei der Brückentaufe (siehe Info) verschaffen. Das Bauwerk ist danach jedoch noch nicht für Radler und Fußgänger geöffnet. „Damit warten wir bis Ende Oktober,  vielleicht auch bis zur Inbetriebnahme der Linie 2 im Dezember“, erklärte Harter. Dann erst werde auch die in der Silhouette verbaute Beleuchtung eingeschaltet – aus Sorge vor Vandalismus. „Bisher waren noch keine Sprayer da.“

Offiziell sind Fuß- und Radweg ein Betriebsweg der SWU, denen die Brücke gehört. „Die geben wir aber für die öffentliche Nutzung frei“, sagte der Projektleiter Linie 2, Ralf Gummersbach. Die Inhaber rechnen mit einer Lebensdauer des rund 20 Millionen Euro teuren Bauwerks von 100 Jahren. Damit war der Bau gut 20 Prozent teurer als ursprünglich kalkuliert. Vor allem die Gründung auf karstigem Kalkgestein sowie die Sicherung eines unter der Brücke verlaufenden Bahngleises haben demnach die Kosten in die Höhe getrieben. „Wir sind damit aber noch sehr zufrieden. Wenn wir die Bahn gestört hätten, wären schnell Millionenbeträge an Strafe hinzugekommen.“

Das könnte dich auch interessieren

Einweihung mit Licht- und Klangspektakel

Feierlichkeiten Die Fertigstellung der Kienlesbergbrücke wird am morgigen Mittwoch, 12. September, gefeiert. Um 17 Uhr beginnt der Festakt mit der Brückentaufe – in Anlehnung an eine Schiffstaufe. Es sprechen Oberbürgermeister Gunter Czisch, André Dillmann, Geschäftsführer der SWU Verkehr, und der Architekt der Brücke, Bartlomiej Halaczek vom Büro Knight Architects aus London. Im Anschluss gibt es einen Feierabendimbiss an und auf der Brücke, bevor gegen 20 Uhr die Licht- und Klanginstallation von Andreas Hauslaib und Andreas Usenbenz die Brücke in Szene setzt. Einlass ist am südlichen Aufgang zur Brücke an der Neutorstraße. Parkmöglichkeiten gibt es hinter dem SWU-Gebäude K3 in der Wilhelmstraße. Der Eintritt ist frei. Die Brücke ist im Anschluss jedoch noch nicht für Radfahrer und Fußgänger geöffnet.

Namensgebung Die Bezeichnung Kienlesbergbrücke bleibt auch nach der Einweihung der offizielle Name des Bauwerks. In einem bereits 2011 ausgelobten Wettbewerb haben mehrere Ulmer den bereits gängigen Namen vorgeschlagen. Insgesamt haben sich rund 100 Bürger im Wettbewerb eingebracht. Die ausgelosten Sieger gewinnen eine Reise nach Straßburg, die Stadt der Straßenbahn, wie Annemarie Rupp von der Task Force Linie 2 der Stadt Ulm berichtete.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel